Briefspiel:Alte Werft, neuer Glanz/Das Eintreffen der Gäste

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Briefspiel in Efferdas
Datiert auf: Ende 1045 BF Schauplatz: Efferdas, Werftgelände der Covernischen Schiffswerft d’Antara Entstehungszeitraum: Ende 2025 bis Frühjahr 2026
Protagonisten: Mitglieder Familie d'Antara, di Cerrano, Quenia, Amalia, Clarizia, Linara Gerber und Gwyn Cynwal, Athaon und Tilliane di Asuriol, Icaro ya Pirras und Mireia ya Papilio, Travileas und Traviana Rizzi, Lucian Gezetti und Sherieth sunya Fatimeh mit Lamea Gezetti, Nicandra, Praiem, Laure und Vullo di Solano, Varducchio Autoren/Beteiligte: Fürst Federkiel, VivionaYaPirras, Gerberstädter, Ernie, Rizzinger, Princeps, Vritra, Timm
Zyklus: Übersicht · Das Eintreffen der Gäste · Begrüßungsrede und Gespräche · Die Ankündigung und das Stadtgeschenk · Der Ausklang und das Zeichen


Das Eintreffen der Gäste

Dem Eröffnungsabend gingen zahlreiche Einladungen an die Familien in Efferdas und entfernten Freunden der Familie d’Antara voraus.

Die Sonne neigt sich dem Untergang zu und hüllt das Gelände der ehemaligen Werft Slin in ein warmes, romantisches Licht. An den offenen Eingangstoren des Werftgeländes das, wie sich für die geladenen Gäste schnell herausstellt, nicht wiederzuerkennen ist. Vor den eisernen Rosenranken, die das Torgitter bilden, standen zwei Gardisten der Palmyramischen Wache, der Hausgarde der d’Antaras. Diese ließen bereits durch ihre tulamidische Tuchrüstung erkennen, dass nun östlichere Züge durch die neue Werftfamilie nach Efferdas gekommen sind. Am Eingang stehen an einem Stehpult die  Hausherrschaften Sybilla und Phelizzio d’Antara, um ihre Gäste zu Beginn persönlich willkommen zu heißen.

Auf dem gepflasterten Platz im Eingangsbereich steht ein großer Orangenbaum, der die Mitte zwischen den Verwaltungsgebäuden einnimmt und auch das Zentrum der Feierlichkeiten bildet. Zum Orangenbaum laufend hängen orangene Stofflampions, die dem Gelände eine warme und einladene Atmospäre geben. Vereinzelte gedeckte Tische erwarteten bald aufgetischt zu werden, jedoch ein Tisch mit Getränken stand bereits mit einem Diener bereit, den Wünschen der Gäste zu entsprechen. Auf gedeckten Fässern standen prächtige Holzmodelle von Schiffen verschiedener Klassen

Familie Gerber

Gut gelaunt bestieg das gerbersche Quintett, bestehend aus Quenia Gerber, ihrem Gemahl Gwyn Cynwal, deren Tochter Amalia Gerber sowie den Zwillingsschwestern Clarizia Gerber und Linara Gerber, Cousinen Quenias, die vierspännige Kutsche.

“Meine Praiosscheibe, muss es wirklich so opulent sein? Es ist bei dem herrlichen Wetter doch ein schöner Spaziergang runter in den Hafen.”

Dem herbener Kapitän war anzumerken, dass er sich weder in der noblen Robe, noch in Begleitung vierer äußerst schönen und nach der neuesten Mode aus Belhanka gekleideten Damen und schon gar nicht in der Kutsche, welche von vier Kaltblütern gezogen wurde besonders wohl fühlte. Er hatte bereits versucht sich um die Veranstaltung zu drücken, mit dem freundlichen Verweis, dass ja wohl eher Kilian Gerber daran teilnehmen sollte, schließlich sei dieser die zweite Hälfte der familiären Führung. Doch Quenia hatte ihn lediglich geküsst und gesagt:

“Ich möchte aber lieber meinen Ehemann an meiner Seite haben als meinen Cousin!”

Gwyn hatte daraufhin beschlossen, die Sache gut sein zu lassen, bevor Quenia wieder mit der Unterstellung kam, er würde eh lieber Zeit mit seiner Mannschaft und speziell mit seiner Steuerfrau verbringen als mit seiner Gemahlin. So rumpelten die Fünf also in der in gerbergrün gestrichenen und mit goldenen Ornamenten verzierten Kutsche gen Hafen. Man hielt direkt vor den weit geöffneten, mit Rosenranken verzierten Eingangstoren. Gwyn raunte seiner Tochter zu: “Hast du die rosigen Tore geschmiedet!” Was mit einer herausgestreckten Zunge und einem kräftigen Boxer gegen den Oberarm beantwortet wurde.

“Is jetzt aber nich sehr damenhaft Signora Mechanika!” lachte der stolze Vater. Endlich waren alle Damen aus der Kutsche ausgestiegen, hatten ihre Kleider wieder glatt gestrichen und man konnte sich endlich zum Ort des Geschehens begeben.

Quenia und Gwyn vorneweg und die drei jungen Schönheiten hinterher ging es an den Wachen vorbei zu einem Stehpult am Eingang, an dem ein Herr und eine Dame standen.

“Efferd zum Gruße, ich bin Quenia Gerber!” Mit sehr selbstbewusstem Lächeln blickte sie von der Dame zu dem Herrn. Aus dem Augenwinkel fiel ihr allerdings auf, dass es sehr ruhig auf dem Gelände war. Konnte es wirklich möglich sein, dass sie die ersten Gäste waren?

Der Angesprochene Herr, der in einer edlen braunen Gewandung mit dunkelgrüner Schärpe gekleidet war, neigte höflich den Kopf.

,,Travia zum Gruße, an Sie alle. Es ist eine Ehre wie Freude, die bodenständige und ehrbare Familie Gerber kennenlernen! Gestattet Ihr? Phelizzio d'Antara und dies ist meine Frau Sybilla.’’ Die in einem Horasisch-Tulamidischen Kleid gekleidete Aranierin verbeugte sich höflich und grüßte lächelnd. Man hörte bei ihr einen schwachen, aber wohlklingenden Akzent heraus.

,,Ihr genießt die Ehre, unsere ersten Gäste des heutigen Abend zu sein, doch bitte gewinnt bereits einen ersten Eindruck und erfrischt Euch mit angenehmen Getränken”.

Quenia lächelte: “Die Freude ist ganz auf unserer Seite” Die routinierte Geschäftsfrau stellte kurz ihre Begleitung vor, ehe sie weitersprach. “Es ist gut, dass die Lücke, die der Fortgang der Familie Slin hinterlassen hat, nun wieder geschlossen wird. Was ist die Kauffahrerstadt in der Coverna ohne einen eigenen Schiffsbauer?” Gwyn nickte zustimmend.

“Versteht es nicht falsch, Signor Aerelaos Lysandros und seine Familie bauen solide Schiffe, aber wir bevorzugen doch reine Segelschiffe. Zu viel Besatzung durch die Ruderer. Kostet wertvollen Frachtraum!” Der Hüne ließ seinen Blick über das Anwesen schweifen.

,,Aber, aber, Signor Gwyn. Die Werft Lysandros baut ebenfalls exzellente Schiffe, andere Bautypen als die Meinigen. Wenn es Euch gefällt, auf der gesamten Feierfläche befinden sich Schiffsmodelle, die in meiner Werft gebaut werden können. Dazu findet ihr auch auf Pergamente weitere Informationen, doch ich werde alsbald zu Euch stoßen, um persönlich näheres zu den Schiffen erklären zu können”, lud Phelizzio lächelnd ein, ,,Doch ich sehe es treffen gerade weitere Gäste ein, wenn Ihr entschuldigt? Genießt derweilen den neuen Glanz dieser Werft!”

Verständnisvoll nickte man und räumte den Platz für die neuen Gäste.

Hinter der Familie Gerber trafen bisweilen neue Gäste ein, die erwarteten, persönlich von den Gastgebern begrüßt zu werden.

Familie di Asuriol

Unter den Gästen war eine kleine Gruppe, an deren Spitze zwei Personen sehr unterschiedlichen Alters schritten. Ein junger Mann mit lose über die Schulter geworfenen Mantel ging gemessenen Schrittes an der Seite einer rüstigen, wenn auch etwas gebeugten alten Dame in orangefarbenem Ordenshabit. Von Weitem war bereits herauszuhören, dass letztere sich über etwas zu echauffieren schien. Aus kürzerer Distanz war eindeutig verständlich, dass ihr das Erscheinungsbild ihres Begleiters nicht dem Anlass entsprechend erschien. Als sie das Tor erreichten, verstummte die Ältere jedoch augenblicklich und schien sich äußerlich wie innerlich zu zügeln. Der vorderste der Gefolgsleute entrollte das Banner, das bisher auf eine kurze Stange gerollt transportiert worden war, sodass die kleine Gruppe das Tor unter dem Kelch und Herdfeuer der di Asuriol durchschritt.

Als die eintreffenden Gäste in Sichtweite der Eheleute d'Antara kamen, nahmen beide sichtlich Haltung an und verbeugten sich vor Tilliane di Asuriol und Athaon di Asuriol.

,,Travia zum Gruße, werte Signora ,werter Signore. Es ist uns eine große Freude, Euch in unserer Werft willkommen zu heißen! Darf ich mich bescheiden vorstellen, Phelizzio d'Antara und dies ist meine Gattin Sybilla (diese neigte lächelnd den Kopf).

Athaon di Asuriol erwiderte den Gruß der Gastgeber mit einem angedeuteten Kratzfuß, während die ältere Geweihte das Haupt neigte.

“Travia zum Gruße”, erwiderte letztere die Begrüßung. “Ich möchte Euch im Namen der di Asuriol herzlich für die Gastfreundschaft danken. Ich bin Hohe Schwester Tilliane di Asuriol. Phelizzio neigte respektvoll den Kopf und auch Sybilla senkte ihr Haupt. Mit mir gereist ist mein junger Neffe Athaon di Asuriol, der dafür Sorge tragen wird, dass meine alten Beine an diesem Abend nicht straucheln.”

Im Anschluss ergriff der jüngere di Asuriol das Wort: “Außerdem möchten wir euch ein Präsent überreichen, welches den Seeweg nach Efferdas gefunden hat.”

Aus dem überschaubaren Gefolge der di Asuriol lösten sich zwei Träger heraus, um eine hölzerne Kiste vor den Gastgebern abzustellen und zu öffnen. “Bitte akzeptiert als Gastgeschenk dieses Dutzend, und damit einige der letzten Flaschen des Excellentia aus der Ernte des Jahres ‘39 entgegen.”

Die Hausherren waren sichtlich geschmeichelt von diesem Geschenk. ,,Euer Ehrwürden und werter Signor. Im Namen unseres Hauses möchten wir auch ganz herzlich für dieses edle Geschenk danken! Und ferner noch, dass Ihr diese weite Reise auf Euch genommen habt. Wir hoffen diese war angenehm”, dankte Phelizzio und lud mit einer Geste einzutreten. ,,Bitte fühlt Euch wie Zuhause, es stehen Erfrischungen bereit und auch mehrere Modelle zeigen die Schiffstypen, die in dieser Werft gebaut werden können. Seht Euch doch gerne um, sobald wir allen eintreffenden Gästen unsere Aufwartung gemacht haben, werden wir uns freuen mit Euch nähere Worte auszutauschen”, die beiden verneigten sich erneut und lächelten warmherzig der Priorin sowie ihrem Neffen zu.

“Wir freuen uns, dass unser Präsent Euren Geschmack trifft”, antwortete Tilliane. “Unsere Anreise gestaltete sich glücklicherweise sehr bequem. Ab Pertakis war es uns möglich, zu Wasser zu reisen, sodass wir von der langen Küstenstraße verschont geblieben sind.” Bei diesen Worten senkte Athaon den Kopf, um das Grinsen zu verbergen, das sich wider seinem Willen auf sein Gesicht gestohlen hatte. Als er die Gastgeber wieder anblickte, hatte er den kurzzeitigen Kontrollverlust jedoch vollständig überwunden. “Wir würden uns freuen, das Repertoire eurer Werft bewundern zu dürfen. Jene Baumuster, welche dem Handel und Warentransporten dienen, sind für die di Asuriol natürlich von besonderem Interesse.”

Quenia lächelte Gwyn an: “Der gute Signor Phelizzio klingt ja fast, als wollte er dir die Schiffe der Lysandros ans Herz legen.” Auch seine Tochter mischte sich breit grinsend in das Gespräch ihrer Eltern: “Aber immerhin weißt du jetzt, dass die Zyklopäer andere Schiffe bauen als die Liebfelder.” Der Hüne seufzte: “Wofür werde ich nur mit euch beiden bestraft? Aber lasst uns die Schiffsmodelle betrachten, auf deren Bau sich unser Gastgeber versteht, vielleicht ist ja was darunter, was mir neu ist.”

Das Quintett flanierte gut gelaunt über den Hof und gemeinsam betrachtete man die ausgestellten Modelle.

Ein Diener kam mit Getränken vorbei, so dass man sich gut versorgt fühlte und sich mit heiterer Plauderei die Zeit vertrieb.

Quenia war gespannt welche efferdische Familie sich wohl noch die Ehre geben würde.

Haus ya Pirras

Die Prunkkutsche der ya Pirras rollte über das Pflaster des Weges in Richtung Hafen. In ihr saßen Icaro ya Pirras und seine Frau Mireia ya Papilio. Missmutig schaute diese ihren Mann an.

“Das erste Mal, das erste Mal nach meiner Niederkunft verlasse ich den Palazzo um etwas Abwechslung zu haben und wo bringst du mich hin? In den Hafen. Zu einer Werft.” Icaro blickte hinaus, als er ihr antwortete. “Es dient einzig und allein repräsentativen Zwecken. Nicht mehr und nicht weniger.” “Und warum macht dein Vater es nicht selber?” “Er hatte schon das Vergnügen mit den d´Antara und ihm ist nicht nach einer Wiederholung. Trotzdem sollte unser Haus sich nicht die Blöße eines Nichterscheinens geben.” “Hm.”, war die einzige Antwort Mireias.

Die Kutsche näherte sich dem Hafen. Dort war nach dem Beben noch nicht alles wieder aufgebaut worden und das Bild war geprägt von Baustellen und Ruinen. Die ehemalige Werft Slin wurde besonders schwer getroffen. Ein Teil der Werft verschwand in Efferds Tiefen, aber nun erstrahlte sie, soweit es möglich war, wieder im alten Glanz und wirkte doch anders. Die Kutsche hielt und der Kutscher öffnete die Tür, um die Herrschaften aussteigen zu lassen. Icaro verließ zuerst das Gefährt. Er trug ein dunkles Seidenhemd mit einer Brokatweste, dazu eine passende Pluderhose in der gleichen Farbe sowie feste Stiefel. Auf seinem Haupt saß ein Barett. Galant hielt er seiner Frau die Hand hin, um ihr beim Ausstieg zu helfen. Sie trug ein Seidenkleid ebenfalls in dunklen Tönen und hatte sich zusätzlich für einen Umhang zum Schutz vor der Witterung entschieden.

Mireia lächelte dankbar und blickte sich um. “Schau an. Die Gerbers sind schon hier.”, bemerkte sie abschätzend und deutete auf die vierspännige Kutsche. Langsam und mit deutlichen Misstrauen begaben sich beide zum Eingangstor, welches von den tulamidisch aussehenden Wachen flankiert wurde. Sie passierten es beide, und näherten sich einem Stehpult, wo sie anscheinend schon erwartet wurden.

Die am Pult stehenden Hausherren warfen sich einen kurzen wie flüchtigen Blick zu, als sie die Ankömmlinge bemerkten. Sybilla fuhr mit einem ernsten Blick ihren Gatten an, sich von etwaigen Provokationen dieser Familie nicht aufregen zu lassen. Phelizzio nickte verstehend ehe sie die ya Pirras begrüßte.

,,Ah, werte Signora und werter Signor ya Pirras (Phelizzio neigte knapp den Kopf, doch zu mehr Huldigung würde er sich nicht hinreißen lassen). Dürfen wir Euch herzlich begrüßen in unserer Werft? Es ist uns eine Ehre wie Freude den Sohn von Seiner Wohlgeboren Valerio ya Pirras und seine wunderschöne Frau Mireia als unsere Gäste zu empfangen. Eurem hohem Herrn Vater richtet bitte unsere Genesungswünsche aus, da er unpässlich zu sein scheint. (Beide d’Antaras neigten höflich aber nicht unterwürfig den Kopf). Gestattet Ihr? Phelizzio d’Antara und dies ist meine Frau Sybilla”. Diese ergriff als nächstes das Wort. ,,Wir beiden möchten zudem zur Geburt Filyinors Euch unseren herzlichen Glückwunsch aussprechen. Mögen die Zwölf ihn behüten!”

Valerio begrüßte die Gastgeber mit einem Nicken. “Dem Herrn des Lichtes und seinen göttlichen Geschwistern zum Gruße. Habt Dank für Eure Genesungswünsche und ja, meine werten Eltern sind leider unpässlich und lassen sich entschuldigen. Sie richten ihr Bedauern aus, nicht persönlich anwesend sein zu können.”

,,Wir hoffen beide natürlich nichts ernsthaftes”, hoffte Phelizzio, aber er unterließ es allerdings weiter nachzufragen. ,,Nun denn. Es stehen Erfrischungen bereit und nach den persönlichen Begrüßungen werden wir bestimmt wieder das Gespräch aufnehmen können, werter Signor”. Er nickte freundlich der Gemahlin von Icaro ya Pirras zu und wandte sich bereits den nächsten eintreffenden Gästen zu.

Mit einem Lächeln hakte sich Mireia bei ihrem Gatten ein. “Habt Dank Signora und Signor d’Antara. Auch für die Glückwünsche zur Geburt.” Sanft zog sie Valerio zur Seite um sich dann den anderen Gästen zuzuwenden.

Clarizia, Linara und Quenia scherzten gerade über eine Begebenheit mit den Kindern Linaras, als Quenias Blick plötzlich ernst wurde. Die Blicke der anderen beiden Frauen folgten dem Blick ihrer Cousine.

“Oh, der elitäre Adel gibt sich die Ehre!” murrte Linara und wandte den Blick wieder ab. Auch die anderen beiden Frauen richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr Gespräch.

Gwyn und seine Tochter standen etwas abseits vor einem Schiffsmodell und Amalia erläuterte ihrem Vater einige ihrer Überlegungen zur Bewaffnung der Laille.

Die Beiden hatten die Neuankömmlinge noch nicht bemerkt.

Familie Rizzi

Als eine der letzten fuhr eine schwarze Ferrara-Eisenherr vor, die von vier schwarzen Pferden gezogen wurde und einzig die orange und goldenen Vorhänge hinter den Scheiben der Fahrgastkabine spendeten einen Farbklecks auf dem sonst sehr monotonem Erscheinungsbild des edlen Gefährts. Lange sollte es nach Ankunft auch nicht dauern, da verließen zwei Personen die Kutsche. Der erste, ein eleganter und charmanter Mann in einer orangenen Steppweste, die mit goldenen Gänsen bestickt war, die zweite eine alte Dame in einem langen orangenen Kleid und mit kunstvoll hochgestecktem, dunkelgrauem Haar.

Traviana Rizzi war interessiert daran gewesen, die Familie d´Antara kennen zu lernen, wurde doch vor Kurzem eine ihrer Enkelinnen mit dem Hauserben verlobt. Als sie von der Einladung hörte, war es der alten Matriarchin der Rizzis demnach ein besonderes Bedürfnis dieser persönlich und im Beisein ihres Sohnes Travileas Rizzi nachzukommen, der das Bündnis zu der jungen und aufstrebenden Familie geschlossen hatte.

Interessiert blickte sich Traviana am Werftgelände um, darauf wartend, dass man ihre Ankunft bemerkte.

Die Palmyramische Wache nahm sofort Haltung an, als sich ihr Ehrenkaplan näherte, und Phelizzio kam, als er Travileas Rizzi erkannte, diesem einige Schritte entgegen und begrüßte ihn freudestrahlend.

,,Euer Ehrwürden. Travia zum Gruße! Es ist schön Euch wieder zu sehen! (er verneigte sich kurz und beide Männer gaben sich die Hand. Auch Sybilla kam hinzu und begrüße mit einem Lächeln die Rizzi). Die d’Antaras neigten höflich vor Traviana den Kopf und begrüßten sie.

,,Werte Signora, Travia auch Euch zum Gruße. Mein Name ist Phelizzio d’Antara und dies ist meine Frau Sybilla. Bitte seid herzlich willkommen auf dieser Feier und wir danken Euch, dass Ihr die Reise auf Euch genommen habt und Timor und Travienne erlaubt habt, einander schreiben zu dürfen. Ich schulde Euch den Dank eines Vaters eines verliebten Sohnes”. Die beiden Männer schmunzelten. ,,Doch, bitte, entschuldigt uns, Euer Ehrwürden und werte Signora. Unser Pflichten als Gastgeber rufen wieder, denn es müssen noch weitere eintreffende Gäste begrüßt werden”, Phelizzio lächelte entschuldigend und mit einer Geste lud er beide Gäste der Familie Rizzi ein, einzutreten.

Mireia nahm einen kleinen Schluck von dem Rotwein, den sie einem Diener von seinem Tablett genommen hatte. “Schau es dir an mein Lieber. Das ist eine Begrüßung und nicht das Auswendiglernen irgendwelcher Floskeln. So wie es aussieht, haben wir heute auch kirchlichen Beistand. Und dies auch noch von außerhalb, denn die Gesichter der neuen Gäste sind mir unbekannt. Ob es daran liegt, dass die Geweihten der Herrin Travia in Efferdas nicht so zugegen sind?” “Dies kann gut möglich sein.”, erwiderte Icaro. “Aber schau, wer sonst so zugegen ist, außer den Gerbers. Dort sind die della Céret, aber auch sie sind nicht von Belang.” “Übe dich in Geduld mein Lieber. Der Abend ist noch lang. Vielleicht kommen noch interessante Gesprächspartner. Bis dahin geben wir uns mit dem zufrieden, was wir haben. Diese Geweihten von außerhalb sind mit einer Ferrara vorgefahren. Bescheiden für Travia, oder?” Mireias Grinsen wurde breiter.

Dann wurde sie von den Geschehnissen am Eingangstor abgelenkt. “Weitere fremde Gesichter. Der Abend wird doch amüsanter als gedacht.”

Familie di Cerrano

Mit vier Reitern erreichten nun auch die Herren von dem fernen Valbeno fast das Werftgelände. An der Spitze zeigte sich Ferrante 'der Jüngere' di Cerrano im Brokatgewand in den Farben des Hauses darüber einen Prunkkürass samt schwarzer Stoffschärpe darüber. In ähnlicher Gewandung nur mit einem Schulterumhang des Heilig-Blut-Ordens ergänzt, begleitete Folnor di Cerrano seinen Cousin. Skeptisch musterten beide die anderen Ankömmlinge aus der Ferne. Mit einem Lächeln erblickten sie jedoch das Banner der Familie ya Pirras.

“Einer der wenigen von Stand!”, dachte sich Folnor und vermutete ähnliche Gedanken bei Ferrante. Mit einem Grinsen, dass sich über Ferrantes Gesicht zog als er auch das Banner sah, bestätigte ihn schließlich. Die vier Reiter blickten sich während des Rittes neugierig um. Nicht häufig schritten sie durch die Straßen Efferdas. Dass der heutige Abend vertraute und befreundete Gesichter garantierte, wirkte als Ansporn für diese weite Reise bis ans Meer.

“Was meint Ihr, Folnor, werden wir heute Abend überrascht werden?”, fragte Ferrante knapp. “Überraschen? Ferrante, ich bitte Euch. Das wird wie das klassische Schauspiel in Vinsalt werden. Nur… etwas provinzieller eben. Keine großen Nachrichten, keine großen Persönlichkeiten und keine große Bedeutung für das Reich”, entgegnete Folnor gähnend. Mit einem kurzen Lacher antwortete Ferrante wortlos. “Ihr zwei!”, rief Folnor zu den beiden Gardisten der eigenen Hauswache, “Reitet voraus und kündigt uns an. Haltet auch die Augen offen. Dies ist eine große Stadt mit vielen Leuten und wenigen Freunden derzeit.”

“Ja, Herr!”, antwortete einer der beiden Wachen und wies mit einem Handzeichen seinen Kameraden an, ihm zu folgen.

Im würdevollen, leichten Trab kamen die Wachen vor den Cerranos an der Pforte an und wechselten ein paar Worte mit der Palmyramischen Wache, die vor dem Werfteingang mit strengen Blicken ihrem Dienst nachgingen. Als die Adligen aus Valbeno ankamen und von ihren Rössern absetzen, eilten zwei palmyrischen Gardisten herbei und übernahmen die Pferde, wie sie es bereits bei den Renovaten getan haben.

In energischen Schritten preschte Folnor voran. “So, wo ist nun der Herr und Gastgeber des kommenden Schauspiels?”, fragte er sich, während er sich seine Reiterhandschuhe auszog und musternd über das Gelände blickte. Ferrantes Gang schien weniger forsch zu sein als Folnors, dafür aber umso geschmeidig-eleganter.

Ihnen kam ein mittelalter Mann mit aufrechter Haltung und ernster Miene, in der seine Sehgläser durch den Winkel des Laternenlicht funkelten, entgegen. Noch ehe die beiden Neuankömmlinge das Stehpult mit den Hausherren erreichten. Dieser trug über einem ledernen Brustpanzer eine dunkelgrüne Schärpe und seine soldatische Haltung grenzte ihn zu einigen Anwesenden deutlich ab.

,,Ah, die Herren Signori aus dem Aurelat! Seid gegrüßt!”, Orelian d'Antara schlug seine Faust zur Brust als soldatischer Gruß ehe er einem der Männer standesunüblich aber militärisch akzeptabel die Hand gab.

Folnor zögerte innerlich als er den rondrianischen Gruß unter Soldaten erwiderte, aber fing sich sogleich wieder:

“Orelian. Welch Freude.” Beide gaben sich die Hand. Mit einem schelmischen Grinsen zog der Cerrano die Augenbraue hoch “Habt Ihr zugenommen?” Lachend entgegnete d'Antara: “Nur an Weisheit und Humor.”

Mit einem formelleren Nicken begrüßte auch Ferrante einen der Gastgeber. “Von meinem Cousin, Verian, soll ich Euch die besten Grüße ausrichten. Es lässt sich für den heutigen Abend entschuldigen. Die Amtsgeschäfte als Kronbeamter nehmen ihn gänzlich ein. Auch seine Familie sieht ihn nur selten.”, sprach er freundlich und nickte gelegentlich vorbeigehenden Herrschaften höflich zu.

,,Die Pflicht hat in allen Bereichen Vorrang. Richtet ihm meine Grüße ebenfalls aus. Mich verwundert es wirklich, dass Ihr Efferdas die Ehre gebt, wo Ihr ja keine Liebe für Hafenstädte offen habt. Doch ich danke Euch dennoch für Euer Beider Kommen (Orelian nickte dankend)”, und wandte sich halb in Richtung des Stehpult an dem sein Bruder Phelizzio und Sybilla gerade mit der Begrüßung einiger weiterer Gäste fertig waren und erwartungsvoll in Richtung der Drei schauten.

,,Doch Phelizzio und Sybilla erwarten Euch, es ist mir eine Freude Euch hier zu haben. Wir werden bestimmt später nochmal sprechen können. Doch genießt bis dahin unser schönes Fest, ihr werdet nur wie einige andere Adlige schnell merken, dass wir leider noch keine goldenen Stühle haben. Wir bemühen uns allerdings um Stühle mit Edelsteinen beim nächsten mal. (er lachte kopfschüttelnd). Meine Herren”, er nahm Haltung an, nickte knapp und wandte sich wieder seinen Aufgaben zu.

“Keine Zuneigung für Hafenstädte, was”, fragte Ferrante seinen Cousin und verschränkte die Arme als er sich kurz mit Folnor beriet bevor sie dem eigentlich Gastgeber ihre Aufwartung machen. “Es sind ja nicht die Städte an sich. Nur immer dieser Fischgeruch und der Drang der Bewohner Republiken zu gründen.”, entgegnete Folnor mit einem Grinsen, “Kommt, Ferrante. Begrüßen wir den Hausherrn. Anschließend würde ich gerne mit den ya Pirras ein paar Worte wechseln.”  

Als die Beiden sich vor den Hausherren Phelizzio und Sybilla befanden, verbeugte sich der Schiffsbauer und seine Frau vor den Signori aus dem Aurelat. ,,Seid gegrüßt und Travia sei mit Euch, werte Freunde der Familie !”, Phelizzio lächelte warmherzig. Sybilla schwang ebenfalls in ein freundliches Gesicht um.

Da sich beide Familien bereits seit langem kannten und sie zuweilen freundschaftlich miteinander verbunden waren, zeigte man sich den standesüblichen Respekt.

,,Hattet Ihr eine unbeschwerte Reise hierher,werte Signori?”, fragte Sybilla lächelnd.

Die Signori bejahten dies und Gastgeber wie Gäste wechselten einige Höflichkeiten, ehe Phelizzio d'Antara mit Gattin sich entschuldigend wieder anderen Gästen zuwandten.

Familie Gezetti

Während sich die Gastgeber sich noch Gästen zur Begrüßung zuwandten, näherte sich ein Trio zu Fuß dem Werftgelände. Erkennbar verspätet und mit dem leicht atemlosen Gang von Menschen, die einen letzten Termin doch nicht so schnell hatten abschließen können wie erhofft.

An der Spitze schritt Lucian Gezetti, dessen dunkles, wie üblich etwas unordentliches Haar vom schnellen Gang noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen worden war. Seine dunkelrote Reisekleidung, praktisch geschnitten und strapazierfähig, wie er sie im Tagesgeschäft der Exclusiven Transportationen bevorzugte, wirkte zwischen den festlichen Roben der übrigen Gäste beinahe bescheiden. Nur der schlicht gefasste Siegelring mit dem Gezetti-Wappen wies ihn als Patrizier aus.

Neben ihm ging Sherieth sunya Fatimeh, deren violetter Turban mit den goldenen Ornamenten auch bei eiligem Schritt nicht verrutschte. Ihre tiefgrüne Seide hob sich auffällig von den horasischen Moden ab, und ihr blaugrauer Blick glitt mit kühler Aufmerksamkeit über die versammelten Gäste, während sie die Gesichter katalogisierte.

Einen halben Schritt dahinter folgte Lamea Gezetti, deren schlichtes rot-goldenes Kleid den Familienfarben entsprach und der Veranstaltung angemessener war als die Kleidung ihrer Eltern. Die Sechzehnjährige wirkte, wie so oft, ruhiger als die Situation es verlangte – ihr Blick wanderte zu den ausgestellten Schiffsmodellen, ohne besonderes Interesse erkennen zu lassen.

"Verzeiht die Verspätung, Signor Phelizzio, Signora Sybilla", begann Lucian, kaum dass sie das Stehpult erreicht hatten, und neigte den Kopf. "Ein Notar lernt, dass Verträge ihre eigene Zeit beanspruchen. Leider manchmal mehr als vorgesehen."

,,Aber, aber, mein Freund, der unvorhersagbare Zeitaufwand bei der Arbeit ist mir nur allzu bekannt, daher habe ich vollstes Verständnis. Es ist schön Euch zu sehen Signor Lucian, wie auch Eure Begleitungen, Travia zum Gruße (er verbeugte sich höflich). ,,Werte Signora, werte Signorina, mein Name ist Phelizzio d'Antara und dies ist meine Frau Sybilla (diese verbeugte sich lächelnd), und begrüßte Sherieth mit einem tulamidischen ,Salâm’ und legte ihre Hand auf Herz. Die Gesellschaft einer weiteren Tulamidin erhellte Sybillas Augen und sogleich begannen die beiden in Einbindung von Lamea einen warmherzigen Plausch auf Tulamidya.

Lachend bewertete der Schiffsbauer den schnellen Zusammenschluss ihrer Frauen und den Ausschluss ihrer Männer.

,,Wie Ihr seht, Signor Lucian, so schnell wird man beiläufig”, er lachte herzlich und Lucian konnte nicht anders und stimmte mit ein.

Die wartenden und amüsierten Blicke ihrer Männer ließen die drei Frauen ihren Plausch unterbrechen und man einigte sich darauf auf jeden Fall während der Feier nochmal das Wort zu suchen.

,,Ich heiße Euch nochmals herzlich willkommen, bitte genießt unsere Gastfreundschaft. Nachdem wir alle eintreffenden Gäste begrüßt haben, werden wir bestimmt nochmal miteinander sprechen”. Die d'Antaras verbeugten sich und die Gezettis wandten sich der Feier zu.

Familie di Solano

Aus Richtung der Anlegestellen kommend, sah man vier Personen kommen. Nicht gehetzt aber im schnellen Gang, kamen sie immer näher an den Hafen, sodass man sie als vier der di Solanos ausmachen konnte. Nebeneinander Nicandra di Solano in einem für ihre Verhältnisse sehr Horasischem Gewand und ihr Bruder Praiem di Solano, der Tsa-Geweihte wie immer in Bunter zyklopischer Gewandung. Hinter den beiden liefen zwei jüngere. Der eine in Gambeson und Handschuhen hieß Laure di Solano, der andere mit seiner tulamidischen Kleidung und seinen Markanten Verätzungen im Gesicht hieß Vullo di Solano. Bei ihrem Näherkommen, konnte man auch das Gespräch von den jüngeren zweien mithören, die Lautstark redeten. So sprach Laure, rauer Stimme.

„Wir sollten noch mal nach unserem Labor sehen, pah, jetzt kommen wir zu spät.“ „Hättest du nicht den Kolben umgestoßen, wären wir vor allen anderen da gewesen.“ entgegenete Vullo. Ihre Streiterei wurde von Praiem unterbrochen, „Aufhören, sie will, dass die Herrschaften uns als gleichwertig erachten, das geht mit eurer zankerei nicht.“ als er auf Nicandra verwies. Beide schwiegen, bis sie am Hafengelände angelangt waren, wo sie mit einer Verbeugung die Herren d‘Antara begrüßten. Nicandra zog hinter ihrem Rücken eine Flasche heraus. „Ein Gastgeschenk, ein Trunk der Fingerfertigkeit, aus unserem Labor.“ Womit sie die Flasche in die Hand Phelizzios drückte.

Phelizzio und Sybilla neigten höflich den Kopf und lächelnd begrüßten sie die Familie di Solano.

,,Travia zum Gruße. Es freut uns sehr, werte Signora und Signores, dass Ihr unserer Einladung gefolgt seid. Wenn ichzunächst vorstellen darf, dies ist meine Frau Sybilla (sie nickte lächelnd). Seid willkommen bei unserer Feier und wir gratulieren Signor Silem zu seiner Wahl zum Senator und wünschen ihm alles Gute und eine kühnen Kopf bei der Verantwortung um unsere Republik. Oh, und nochmal herzlichen Dank für Euer Geschenk!”, er lächelte aufrichtig warmherzig, sodass di Solano unwillig mit lächeln mussten.

„Es freut mich, eure Bekanntschaft zu machen und es ehrt uns, dass euch unser Geschenk gefällt, es wurde geschaffen, für eine Handwerksgröße wie euch.“ Mit einer Hand Geste, bedeutete sie ihren Familienmitgliedern näher zu kommen. „Dann, wäre es wohl an der Zeit uns vorzustellen. Mein Name ist Nicandra, dies sind mein Sohn Vullo, mein Neffe Laure und mein Bruder Praiem.“ In Einigkeit kam aus den Mündern der Drei ein „Wir sind hocherfreut.“ Mit diesen Worten ging sie und ihre Begleitungen durch das Tor der Werkstatt.

Familie Varducchio

Die Stille in der Kutsche war fast greifbar.

Nur das rhythmische Knarren der Räder und das gelegentliche Schnauben der Pferde durchbrachen die angespannte Ruhe. Silem Varducchio saß auf der linken Bank und blickte durch den Vorhang, während sich seine Gedanken immer wieder um die letzten 30 Minuten der Reise drehten. Der Bruch der Achse hatte sie wertvolle Zeit gekostet, und obwohl die Kutscher das Gefährt hastig repariert hatten, waren sie nun deutlich verspätet.

Zu seiner rechten saß Rondriacus Varducchio, das Familienoberhaupt, aufrecht und unbewegt, die Hände ruhig auf dem Stockknauf gefaltet. Ihm gegenüber hatte dessen Schwester Platz genommen: Horasianne Varducchio, Senatorin der Stadt Efferdas.

Die beiden Geschwister hatten seit dem Aufbruch kein einziges Wort miteinander gewechselt.

Diese Stille war nicht die friedliche Art, wie man sie von Reisenden kennt. Sie war schwer, gespannt – wie ein Segel vor dem Sturm. Silem spürte sie mit jeder Minute stärker und konnte sich nicht erinnern, wann ihn eine einfache Kutschfahrt zuletzt derart unruhig gemacht hatte. Da war es auf jedem Schiff viel entspannter zugegangen. Eine gewohnte Sehnsucht umfing ihn.

Als die Kutsche schließlich vor dem Eingangstor der Werft hielt, atmete er beinahe erleichtert auf. Die neue Werftanlage der Familie d’Antara lag im Licht von Laternen und Fackeln. Der Himmel strahlte noch schillernd blau. Banner mit dem Fasanenwappen flatterten im Wind, und aus dem Innenhof klangen Musik, Stimmen und gelegentliches Gelächter.

Ein Diener trat sofort herbei, verbeugte sich höflich und öffnete die Tür der Kutsche.

„Willkommen, Signori. Signor d’Antara wurde bereits über Eure Ankunft informiert.“

Die drei stiegen aus. Silem nahm einen tiefen Zug der Meeresbrise, Rondriacus strich seine Kleidung glatt, während Horasianne mit ruhiger Würde den Blick über die Anlage schweifen ließ.

Nach einer kurzen und dennoch herzlichen Begrüßung durch den Hausherrn wurden sie unter die Gäste geleitet. Schon bald entdeckten sie vertraute Gesichter zwischen den Gruppen aus Händlern, Schiffsbauern, Offizieren und honorigen Bürgern der Stadt:

Phedro stand mit einem Kelch Wein nahe der Hafenmauer und erzählte über seine letzten Delphinocco-Spiele, während Mythraela sich angeregt mit einigen Kaufleuten unterhielt.

Die Feier war bereits in vollem Gange.