Briefspiel:Lilienratswahl 1046 BF/Seneschall
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Die Kandidaten
Zur Wahl stellte sich die Ratsherrin Cariana Amarinto.
Rede von Cariana Amarinto
Cariana Amarinto trat vor den Lilienrat, langsamer als sonst. Einen Herzschlag lang schwieg sie, ließ den Raum zur Ruhe kommen, wie vor dem ersten Zusammenprall zweier Heere.
„Hochgeehrte Mitglieder des Lilienrats von Sewamund, wie ihr wisst ist mein Name Cariana Thalionmel Amarinto.“ Sie betonte den Namen ihres Hauses ungewohnt deutlich.
„Und das Amt des Seneschalls… war nie nur ein Amt für mein Haus. Seit dem Thronfolgekrieg tragen wir die Verantwortung Sewamund gegen seine Feinde zu verteidigen. Mein Vater, Darion Amarinto, führte das Heer Sewamunds in Morte Folnor gegen die Almadaner. Bei Trellin stand er gegen Elanor von Carinto. Bei Sewadâl gegen den Baron von Veliris. Er wich nicht. Nicht ein einziges Mal. Als er zum Paladin des Horas berufen wurde, trat mein Onkel Drago Amarinto an seine Stelle. Er führte die Sewakgarde in das Götterurteil am Norderkoog. Mein Bruder, Dareius Amarinto…“
Sie hielt kurz inne. Zum ersten Mal lag etwas Emotionalität in ihrer Stimme. Dennoch vermied sie es direkt zu ihrem Bruder zu blicken, der als neuer Baron von Sewamund auf dem Platz des Ehrengastes am Ratstisch Platz genommen hatte. „…führte das Heer unserer Stadt und ihrer Verbündeten gegen die Truppen des Barons Irion von Streitebeck… und siegte. Ich stand an seiner Seite, als wir den Feldherrenhügel nahmen. Schritt für Schritt. Schulter an Schulter. Bis zu den Knöcheln im Blut unserer Freunde und Feinde.“ Ein leiser Atemzug. Kein Zittern, aber etwas, das daran erinnerte.
„Und ich… verteidigte die Feste Amardûn. Gegen eine Übermacht. Wir hielten, solange wir konnten. Länger, als wir sollten. Ich ging in Gefangenschaft, damit Sewamund Zeit gewann. Zeit, sich zu sammeln. Zeit, die Verteidigung zu organisieren. Ich habe Freunde dort verloren. Verwandte.“ Sie hob den Blick. Jetzt war nichts mehr stoisch daran. Kein Stolz, nur Klarheit wie blankgezogener Stahl.
„Ich weiß, was es bedeutet, für Sewamund zu bluten. Nicht aus Pflicht allein. Sondern weil es keinen anderen Weg gibt.“ Ein Schritt nach vorn. Sie hob den Kopf in einem Anflug von Stolz. „Wenn Ihr mich zur Seneschallin wählt, dann wählt Ihr keine Verwalterin von Mauern und Waffen. Ihr wählt jemanden, der weiß, wie man eine Mauer hält… und wie man davor stirbt. Ich werde die Truppen Sewamunds führen. Ich werde unsere Befestigungen halten. Ich werde unser Arsenal rüsten. Und wenn die Stunde kommt, werde ich ohne Zögern wieder für Sewamund in die Schlacht ziehen.“
Ihre Stimme senkte sich, wurde ruhiger. Fester. „Sewamund ist meine Heimat. Und wenn es sein muss… gebe ich mein Leben für sie.“ Dann legte sie die rechte Hand an den Schwertgriff, nicht als Drohung, sondern als Eid. „Bei Rondra, der Herrin der alveranischen Heerscharen, schwöre ich: Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um Sewamund zu schützen. Seine Mauern. Seine Menschen. Seine Freiheit. Nicht einen Schritt weichen. Nicht einen Atemzug zaudern.“
Ein letzter Blick durch den Rat. „So lange ich atme, verteidige ich Sewamund.“ Dann schwieg sie und verneigte sich demonstrativ vor dem Banner der Stadt.
Ergebnis
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