Briefspiel:Lilienratswahl 1046 BF/Hofmeister

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Stadt Sewamund transparent.png Briefspiel in Sewamund Stadt Sewamund transparent.png
Datiert auf: Tsa 1046 BF Schauplatz: Sewamund Entstehungszeitraum: Frühjahr 2026
Protagonisten: die Mitglieder des Lilienrats Autoren/Beteiligte: Haus Amarinto.png Amarinto, Familie ter Braken.png Atagon, Familie di Estrano.png Beo, Familie della Carenio.png Carenio, Familie Cortesinio.png Cortesinio, Haus di Piastinza.png DiPiastinza, Haus d Illumnesto.png Illumnesto, Familie van Kacheleen.png Kacheleen, Familie Luntfeld.png Luntfeld, Familie Degano.png Marakain, Haus ya Mornicala.png Mornicala, Haus Tribec.png Tribec, Familie van Hoven.png VanHoven, Familie Vesselbek.png Vesselbek, ...
Zyklus: Übersicht · Wahl der Hofmeisterin


Rede von Rahjane Vistelli

"Verehrte Mitglieder des Lilienrats, geehrte Damen und Herren von Rang, Geschmack und Urteilskraft,

Sewamund ist keine Stadt, die sich mit Mittelmaß begnügen darf. Sewamund ist eine Stadt des Ansehens, der Haltung, des rechten Wortes zur rechten Stunde und, wenn es die Göttin Rahja gut mit uns meint, auch des rechten Weines im rechten Kelch. Deshalb bewerbe ich mich um das Amt der Hofmeisterin.

Ich bin überzeugt, dass dieses Amt damit in erfahrenen und vor allem geselligen Händen liegen muss. Händen, die Ordnung schaffen, wo Unordnung droht; die Würde bewahren, wo Unbedachtheit droht, und die aus Pflicht nicht Last, sondern Formvollendung und Vergnügen machen. Wer die Hofmeisterei führt, beaufsichtigt nicht nur Abläufe, sondern ist sozusagen das Gesicht Sewamunds. Dazu gehört auch der Umgang mit den Schreiberlingen. Ich scheue die Öffentlichkeit nicht, ich verstehe sie, wie Leserinnen und Leser des Seewinds wissen. Mit guten Kontakten zu Geron Einhand weiß ich sehr genau, wie man dafür sorgt, dass über Sewamund viel und gut gesprochen wird.

Auch in Fragen der Repräsentation habe ich bereits bewiesen, was ich kann. Als Sewamund in der Krise um Baron Irion unter scharfem Blick der Öffentlichkeit stand, habe ich unsere Stadt in Shenilo erfolgreich vertreten. Mit Haltung, Klarheit und sicherem Gespür dafür, wann ein beherztes Wort für das Wohl Sewamund begeistern kann.

Eine Hofmeisterin ist aber nicht nur Stimme und Erscheinung, sie ist auch Hüterin des Ratskellers. Und dazu gehört nun einmal der Weinkeller. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich seit früher Jugend mit Weinen auskenne. Ich vermag einen ehrlichen Tropfen von blendender Etikettenschwindelei zu unterscheiden, und ich halte es für keine Nebensache, dass Gäste, Gesandte und Ratsmitglieder in Sewamund gut und standesgemäß bewirtet werden. Schlechter Wein macht schlechte Laune, und schlechte Laune macht schlechte Politik.

Den Ratskeller betreffend, spreche ich offen: Ja, ich könnte mir diese Aufgabe selbst gut vorstellen. Ich bin von Seiten der Familie Vistelli nicht durch Geschäfte, Reisen oder Eitelkeiten von außen gebunden, die Kinder sind aus dem Haus. Sewamund bekäme keine Hofmeisterin auf halbe Aufmerksamkeit, sondern auf volles Maß.

Wenn es um Feste, Paraden und Feierlichkeiten geht, so will ich gar nicht bescheiden erscheinen: Ich feiere gern. Aber mehr noch, ich verstehe, was ein gutes Fest für die Stadt bedeutet. Ein Fest stiftet Einigkeit, eine Parade zeigt Ordnung. Eine Feier macht Herrschaft sichtbar, ohne dass man ein scharfes Wort sprechen muss. Sewamund soll nach all den dunklen Tagen wieder glänzen.

Dazu bringe ich mit, was mehr wert ist als alle Versprechen: Erfahrung. Ich bin seit einigen Jahren Mitglied des Lilienrats. Ich kenne die Sitzungen, ihre Tücken, ihre Eitelkeiten, ihre komplizierten Regeln und Reden und ihre Notwendigkeiten. Ich weiß, wann man straffen muss, wann man vermitteln muss, wann etwas noch einmal erklärt werden sollte und wann ein Blick bereits mehr Ordnung schafft als zehn Wortmeldungen. Wer Sitzungen überwachen soll, sollte nicht erst lernen müssen, wie man die Ratsmitglieder nehmen sollte. Ich kenne dieses Haus.

Was die Aufgabe des Zensors angeht, braucht es dafür nicht nur Strenge, sondern vor allem Urteilsvermögen und den Sinn für den rechten Ton. Um ehrlich zu sein, das liegt anderen besser als mir. Daher bin ich glücklich, mit Gerodan Vistelli einen bewährten Kenner von Politik, Anstand und gesellschaftlicher Form an meiner Seite zu wissen. Wer guten Rat verschmäht, taugt selten zum Regieren, wer guten Rat zu nutzen weiß, dagegen oft sehr wohl.

Wählt mich, wenn Sewamund glänzen soll. Für Ordnung im Rat. Für Würde im Auftreten. Für Stil im Keller. Für Glanz auf den Straßen. Rahjane Vistelli"

Rede von Baldura di Estrano

"Bürgerinnen und Bürger der Lilienstadt Sewamund, ehrbare Zünfte, freie Männer und Frauen, verehrte Mitglieder des Lilienrates — ich trete heute vor euch, nicht als Fremde, nicht als Stimme aus der Ferne, sondern als Frau dieser Stadt, als Kind eines Hauses, das den Südwind in seinen Segeln trägt und die Düfte ferner Länder in unsere Gassen bringt.

Ich stehe hier, weil ich bereit bin, das Amt der Hofmeisterin mit Ehre, mit Klarheit und mit Hingabe zu führen. Lasst mich kurz von mir berichten, damit ihr ein Bild davon erhaltet, mit wem ihr es zu tun habt. Ich bin das mittlere Kind von dreien. Zwischen älterer Klugheit und jüngerer Kühnheit geboren, lernte ich früh, die Wahrheit zu hören — die Wahrheit zu hören und sie zu finden, selbst wenn sie leise spricht und die Lüge versucht, sich mit lauter Stimme einen Vorteil zu erkaufen. Diese Urteilskraft, geschärft über viele Jahre im Dienst des Handelshauses meiner Familie, möchte ich nun in den Dienst der Stadt stellen.

Darum setze ich mich ein für ein Qualitätssiegel für Schreiber: ein Zeichen der Verlässlichkeit, ein Schutz für jene, die lesen, und eine Verpflichtung für jene, die schreiben. Denn Worte formen unser Denken — und nur wahre Worte formen eine starke Gemeinschaft. Neben der verlässlichen Wahrheit liegt mir ein weiterer Punkt am Herzen, den ich durch die Ausübung des Amtes voranbringen möchte. Meine Familie unterhält seit langem Seehandel mit dem Süden. Und auch wenn unser Hauptgeschäft heute den Gewürzen gilt, so öffnen uns diese Wege Türen, die anderen verschlossen bleiben.

Ich kann euch versichern: Südliche Rebsorten müssen kein Luxusgut sein. Durch kluge Verhandlungen, durch geschickte Kalkulation und durch Handelswege, die wir pflegen, kann ich dafür sorgen, dass Weine aus dem Süden und Weine aus unserer Heimat zu gleichen Preisen angeboten werden. Denn Genuss soll verbinden, nicht trennen. Und wo ließe sich ein Ort der Verbindung besser gestalten als im Ratskeller? Der Ratskeller ist ein Schatz unserer Stadt — doch ein Schatz, der geteilt werden will.

Ich möchte ihn öffnen für die Populi Sewamunds: für Handwerker, Gelehrte und Händler, für all jene, die den Herzschlag der Stadt am Leben erhalten. Öffentliche Weinproben sollen zu einem festen Bestandteil unseres städtischen Lebens werden — ein Ort des Gesprächs, der Bildung, der Begegnung. Denn ein Volk, das miteinander spricht, bleibt ein Volk, das zusammensteht.

Um die Erschwinglichkeit des Ratskellers jedoch für alle zu ermöglichen, braucht es neue Ideen und den Mut zum Ungewöhnlichen. Durch den Gewürzhandel meiner Familie kenne ich die Kunst, Aromen zu lenken, Geschmack zu veredeln und selbst aus einfachem Wein ein Erlebnis zu machen.

Ich versichere euch: Mit Wissen über die kulinarischen Künste werde ich dafür sorgen, dass auch der schlichteste Tropfen im Ratskeller zu einem vollendeten Genuss werden kann — erschwinglich für jeden, wertvoll für alle.

Mir ist bewusst, dass neue Sorten Mut brauchen, um auf offene Türen zu treffen. Zu oft ist die Angst vor dem Unbekannten der Bremsklotz im Voranschreiten neuer Innovationen. Darum sollen alle Bürgerinnen und Bürger einmal im Götternamen kostenfrei jene Weine probieren dürfen, die neu in unseren Keller gelangen oder in ihrer Mundung neu veredelt werden. So entscheidet nicht ein kleiner Kreis, sondern die Stadt selbst, welche Weine wir fördern und welche Geschmäcker unsere Zukunft prägen.

Bürgerinnen und Bürger, ich trete an, um Verantwortung zu tragen. Ich bringe Erfahrung aus Handel und Familie, Urteilskraft aus einem Leben zwischen Geschwistern und die feste Überzeugung, dass Wahrheit, Gemeinschaft und Genuss unsere Stadt stärken und zu einem Umschlagplatz einer goldenen Zukunft machen werden.

Gebt mir eure Stimme — und ich gebe euch eine Hofmeisterin, die mit Herz, Verstand und offener Hand für euch wirken wird. Baldura di Estrano"