Briefspiel:Vespa crabro/Der Weg nach unten

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Firun 1046 BF Schauplatz: Burg Wulfenblut, Umland Entstehungszeitraum: Juli 2025 bis 2. Quartal 2026 (geplant)
Protagonisten: siehe Beteiligte Autoren/Beteiligte: Bella, Cassian, Gonfaloniere, León de Vivar, Nebelzweig, Rondrastein
Zyklus: Übersicht

– Außerhalb der Burg: Ein morgendlicher Ausritt · Dunkle Gestalten · Eine unerwartete Beobachterin
– Im Haus des Gesindes: Der Mut einer Magd · Unruhiger Morgen · Blutiger Morgen
– Im Palas: Und so starb... · Der Knappe und der Condottiere · Tote Wölfe · Über den Zusammenhalt eines Wolfsrudels · Unerwartete Hilfe · Der Morgen eines Pagen
– Im Bergfried: Der Weg nach unten · Die Höhle · ...


Der Weg nach unten

Im und unter dem Bergfried, am frühen Morgen des 11. Firun 1046 BF

Autoren: Rondrastein

Erinnert sich an die Vergangenheit.

Jacomo öffnete die Tür zum Bergfried. Es war Jahrzehnte her, dass er diese Tür geöffnet und durchschritten hatte. Er hoffte, dass noch alles wie früher war. Nachdem sich seine Augen an das Dämmerlicht im alten Turm gewöhnt hatten, erkannte er, dass sich nichts geändert hatte, außer vielleicht ein paar Balken, die ersetzt worden waren.
„Dort entlang”, er deutete auf die Tür zur Rechten, „dort geht es nach unten.” Der Salsavûr ging vor und die Gruppe der Eindringlinge folgte ihm. Die Wendeltreppe führte immer weiter nach unten, einer seiner Begleiter war so schlau gewesen und hatte eine Fackel aus einer der Wandhalterungen genommen, so dass sie wenigstens etwas Licht hatten.
Als sie im Keller ankamen, wurden einige weitere Lichtquellen angezündet. Nachdem sich seine Augen weiter an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, deutete er auf ein altes, großes Fass, dass an der Wand gegenüber des Treppenaufgang stand.

... möchte schnell vorankommen.

Auf einen Wink Praiolaus’ machten sich zwei ihrer Begleiter am Fass zu schaffen und zogen es zur Seite. Zum Vorschein kam eine schwere Eichentür, die wohl schon länger nicht mehr geöffnet worden war.
Jacomo trat vor und öffnete sie langsam. Gerade als er eintreten wollte, waren Schritte auf der Treppe zu vernehmen. Schnell kam Bewegung in die Gruppe und es wurde sich Kampfbereit gemacht.
„Ich bin es,” raunte eine Stimme vom Treppenaufgang. „Runter mit den Waffen, das ist Felbert, kam der knappe Befehl des anderen Torrems. „Hast du ihn erwischt?”
„Ja”, mit diesem Wort betrat Felbert, mit blutiger Klinge, den Raum. „Gut, dann weiter!” Praiolaus wollte hier nicht unnötig länger verweilen als notwendig.
Jacomo nickte und betrat den weiteren Gang, der sie weiter in die Tiefe führte. Vorsichtig schritten sie voran, während sie sich ihrem Ziel näherten.


Einige Zeit später betrat eine weitere Gruppe den alten Bergfried. Lorian schnappte sich eine Fackel, die in einem Fass am Treppenabgang bereit standen und entzündete diese an einer nahegelegenen, brennenden Fackel. Sein Bruder und Timor taten es ihm gleich, ebenso wie Leutnant sowie zwei weitere Mitglieder der Eisenwölfe.

„Danino, nimm dir vier Mann und sichere den Bergfried nach oben, danach folgst du uns. Die anderen beiden kommen mit uns.” Der Befehl Lorians wurde mit einem knappen Nicken des Brahls bestätigt. Kurz darauf verschwand er mit den Männern in das alte Gemäuer.

...gibt Befehle und führt die Gruppe nach unten.

Der Baron von Montarena betrachtete die restlichen Anwesenden. Sein Bruder und der Bruder Romualdos waren dabei, beide kampferfahren und unverletzt, aber wie er auch ungerüstet. Seine geweihte Verwandte war ebenso kampferprobt, aber auch ohne Rüstung und dazu noch angeschlagen. Dennoch würde sie dort unten eine gute Unterstützung sein. Er betrachtete kurz die Urbet. Anders als die anderen Anwesenden war sie gerüstet und noch dazu eine gute Kämpferin, wie er von zahlreichen Turnierbegegnungen wusste. Zu guter Letzt wanderten seine Augen zu den beiden Jungspunden in der Runde. Philo hatte seine Ausbildung abgeschlossen und war durch seine Herkunft mit einigen Wassern gewaschen, daneben war er ein guter und schneller Kämpfer, wie Lorian aus einigen Übungskämpfen wusste. Sein Knappe war kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung. Er war noch unerfahren, aber voller Elan, wenn auch ab und an etwas zu übermütig und vor allem aufbrausend. Ihm war anzusehen, dass er heute zum ersten Mal jemanden getötet hatte, aber er würde, dort unten, ebenso seinen Mann stehen. Lorian hoffte nur, dass ihn sein Temperament nicht in Bedrängnis bringen würde. Die beiden verbleibenden Eisenwölfe schweifte er nur mit kurzen Blick, da er sie kannte.
Sie waren nicht viele, aber es war auch eng in den Gängen, von daher hatten sie deswegen eventuell einen Vorteil und wenigstens vier der hier Anwesenden kannten Teile der Katakomben, was ihnen einen weiteren Bonus brachte.

„Alle bereit?”, fragte er in die Runde. Die Anwesenden nickten knapp, als sein Blick auf ihnen ruhte. Lorian betrat danach die Treppe nach unten. Was würde sie, dort unten, erwarten und mit wie vielen Gegnern hatten sie noch zu rechnen?

...stellt eine wichtige Frage.

Yandriga nickte auf die letzte Frage Lorians zunächst nur. Sie machte sich nichts vor: Was jetzt weiter geschähe, würde sicher hässlich werden. Doch das war die ganze Affäre, in die sie an diesem frühen Morgen so unverhofft hineingeraten war, sowieso schon. Dass sie nicht an vorderster Front voranschritt, hatte dabei nur einen Grund: Sie kannte sich in diesen Kellergewölben schlicht nicht aus. Die heimischen Salsavûrs hatten einen Vorteil, den preiszugeben kein Heldenmut wert war. So räusperte sie sich nur noch einmal laut und sah den Baron bei ihrer einzigen Nachfrage direkt an: „Legt ihr Wert auf Gefangene?”

Neben Yandriga war ein Schnaufen der Unmutsbekundung zu vernehmen. Bevor aber der Condottiere das Wort erheben konnte, hatte der Angesprochene in seiner Bewegung inne gehalten, sich halb umgedreht und erhob das Wort.
„Nein”, kam die knappe Antwort, während er sie mit kalten Augen musterte. Im Umdrehen und Weitergehen ergänzte er: „Aber wenn uns einer lebend in die Hände fällt, erfahren wir möglicherweise die Hintergründe.”

Yandriga nickte auf Lorians Antwort hin nur. Dass es eigentlich keine Antwort war, jedenfalls nach der letzten Ergänzung, wischte sie schlicht beiseite. Vielleicht hatte sie ihn allerdings auch überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass Gefangene zu machen vorteilhaft sein könnte. ‘Naja, egal …’, dachte sie, ‘konzentrieren wir uns auf das, was vor uns liegt.’

‘So ziehe ich denn in mein erstes, echtes Gefecht’ ging es Calvert durch den Kopf, als er die Treppe betrat. Unauffällig musterte er die Anderen, sie wirken alle grimmig, ruhig und sehr gefasst. Grimmig war Calvert ebenfalls, aber ruhig? Er spürte, wie sein Herz eilig schlug und innerlich war ihm eiskalt. Stumm begann Calvert zu beten: ‘Donnernde Löwin, Herrin der Schwerter, schenke mir den Mut der Löwin, schenke mir die Zuversicht des Stahls, lass meinen Arm fest sein und meinen Geist klar. Wenn der Sturm um mich tobt, sei du mein Anker. Wenn der Feind sich erhebt, sei du mein Schild und meine Schärfe’ „Ehre der Leuin! Dein ist der Sieg, mein ist der Kampf.” Die letzte Zeile seines Gebets sprach der Jüngling laut und tatsächlich fühlte Calvert, wie er innerlich zur Ruhe kam, das Beben in seinem Herzen erlosch.

Timor klopfte dem Knappen aufmunternd auf die Schulter, als er dessen Worte hörte. Es schmerzte ihn etwas, dass der Junge so schnell lernen würde, dass Kämpfe, abgesehen von Zweikämpfen, meist nichts Ehrenhaftes hatten.