Briefspiel:Lilienratswahl 1046 BF/Baumeister

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Briefspiel in Sewamund
Datiert auf: Tsa 1046 BF Schauplatz: Sewamund Entstehungszeitraum: Frühjahr 2026
Protagonisten: die Mitglieder des Lilienrats Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Beo, Carenio, Cortesinio, DiPiastinza, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Marakain, Mornicala, Tribec, VanHoven, Vesselbek, ...
Zyklus: Übersicht · Hinterzimmerabsprachen · Wahl der Hofmeisterin · Wahl der Justiziarin · Wahl des Commodore · Wahl des Baumeisters · Wahl der Seneschallin · Wahl der Kämmerin · Wahl des Landvogts · Wahl des Kanzlers · Wahl des Hafenmeisters


Die Kandidaten

Zur Wahl stellten sich die Ratsherren und Ratsherrinnen Alfredo Continio, Rahjane Vistelli, Tsaida Tribêc und Voltan Vesselbek.

Rede von Alfredo Continio

[...]

Rede von Rahjane Vistelli

Baronessa Rahjane Vistelli

"Verehrte Mitglieder des Lilienrats, geschätzte Damen und Herren, ehrenwerte Mitbewerber,

es ist ein tröstlicher Gedanke, dass sich in Sewamund so viele berufen fühlen, über das Bauen der Stadt nachzudenken. Das spricht für Gemeinsinn oder doch wenigstens für Ehrgeiz, und auch der brachte im rechten Maß manch nützlichen Stein ins Rollen.

Wir wählen nicht bloß jemanden, der Maurer beaufsichtigt, Rechnungen gegenliest und gelegentlich auf einen feuchten Keller zeigt. Wir wählen die Baumeisterin von Sewamund. Das Amt betrifft nicht nur Mauern, Pflaster und Dachstühle, sondern das, was unsere Stadt am Ende über sich selbst aussagt. Ja, Städte sprechen. Durch ihre Plätze, Straßen, Hallen, Kaianlagen, Tore. Sie sprechen davon, ob sie sich für bedeutend halten oder bloß für bewohnt. Sewamund, meine Damen und Herren, darf sich wirklich nicht länger damit begnügen, nur bewohnt zu wirken.

Ich bewerbe mich um dieses Amt, weil ich überzeugt bin, dass Sewamund mehr verdient als Ausbesserung, mehr als das stete Flicken, Stützen, Vertagen und notdürftige Aufhübschen, das so gern als Klugheit verkauft wird. Gewiss, Vorsicht ist eine Tugend. Aber in Baufragen ist sie allzu oft die frisierte Schwester der Mutlosigkeit. Eine gute Baumeisterin muss mehr können, als Schäden zu erkennen. Sie muss wissen, welche Ordnung eine Stadt braucht, welches Maß ihr ansteht, wo man sparen darf und wo Sparsamkeit nur eine Form des Versagens ist. Sie muss Handwerker leiten, Besitzansprüche befrieden, im Rat Mehrheiten gewinnen und dabei den Überblick behalten, wenn drei Menschen gleichzeitig „dringend“, vier andere „unbezahlbar“ und ein fünfter „traditionell“ sagen. Ich sage nicht, das sei leicht. Ich glaube sogar, manchmal stellen wir uns im Rat ernsthaft vor, Baupolitik müsse unerquicklich sein, damit sie ernst genommen wird. Ich halte das für einen Irrtum.

Sewamund muss klug, würdig und auch schön gebaut werden. Meine Mitbewerber werden gleich ihre Vorzüge schildern, und ich will ihnen diese auch nicht absprechen. Signor Continio ist ein Mann von Betriebsamkeit. Das kann nützlich sein. Nur habe ich die kleine Hoffnung, dass für das Amt des Baumeisters nicht jede Bewegung als Fortschritt gelten dürfte. Signor Vesselbek wiederum steht für Tatkraft, für Bodenständigkeit, für kräftiges Zugreifen. Dagegen ist nichts zu sagen, solange am Ende nicht der Eindruck entsteht, eine Stadt werde am besten mit denselben Mitteln errichtet wie ein Deich.

Und was Signora Tribêc betrifft … Ich spreche hier mit gebotener Ehrfurcht von meiner Mutter, das verpflichtet mich zur Höflichkeit, schützt mich aber nicht vor der Wahrheit. Ich verdanke ihr viel. Haltung, Geduld, den Blick dafür, dass eine Stadt nicht nur aus Worten allein besteht. Vielleicht auch die Erkenntnis, dass man in Ratsstuben zuweilen länger auf Vernunft warten muss als auf einen Springbrunnen. Doch so sehr ich Erfahrung ehre: Erfahrung ist nur ein Vorzug, wenn sie noch auf Zukunft zielt und nicht bloß auf Erinnerung. Es gibt Dinge, die werden ehrwürdig, weil sie Bestand haben. Und es gibt Dinge, die wirken ehrwürdig, weil man sich lange an sie gewöhnt hat, so dass niemand wagt, sie in Frage zu stellen.

Gerade in Baufragen ist das verhängnisvoll. Denn wir wählen heute nicht, wer Sewamund am längsten kennt. Wir wählen, wer es künftig am besten gestalten kann. Ich trete an, weil ich gestalten will. Nicht blindlings, ich bin nicht so töricht zu glauben, jede hübsche Zeichnung tauge zum Bauplan. Aber ich bin ehrlich genug, daran zu glauben, dass eine Stadt besser werden kann, wenn man es versucht und nicht darüber berät, warum der Versuch leider unpassend wäre. Ich weiß, das klingt idealistisch, doch ich halte das für keinen Makel. Zynismus hat noch keinen Kai befestigt. Seit Jahren diene ich im Lilienrat. Ich kenne Gepflogenheiten, Verzögerungen, Empfindlichkeiten und auch lichte Augenblicke. Ich weiß, wie oft Vorhaben daran scheitern, dass zu viele Menschen ihre Bedenken polieren, bis sie wie Klugheit glänzen.

Daher bin ich geeignet. Ich verstehe mich darauf, Menschen zusammenzubringen. Ich höre zu, unterscheide zwischen Sorge und gepflegter Besitzstandswahrung. Meine Damen und Herren, manchmal weiß ich sogar, wann ein Plan nur bekämpft wird, weil er gut ist und man bedauert, ihn nicht selbst gehabt zu haben. Die Baumeisterin von Sewamund muss nicht nur mit Stein umgehen können, sondern mit Eitelkeiten, Kassen, Interessen und Ausreden. Sie muss erkennen, wann eine Reparatur reicht und wann sie nur das höfliche Pflaster auf einem tieferen Schaden ist. Sie muss den Mut haben zu sagen: Das reicht nicht. Das sieht nicht gut aus. Das wird der Stadt nicht gerecht. Nicht alles, was steht, ist gelungen. Und nicht alles, was sich erhalten hat, verdient Erhaltung. Ich wünsche mir eine Stadt, deren Plätze nach Absicht aussehen und nicht nach freigelassenem Raum. Eine Stadt, deren Gebäude Haltung zeigen. Eine Stadt, deren Hafen und Straßen erkennen lassen, dass hier Horasier wohnen, die nicht nur rechnen, sondern auch Anspruch haben.

Vielleicht ist es ein wenig rahjagefällig von mir, Schönheit für politisch zu halten. Aber ich glaube wirklich, eine Stadt, die sich sichtbar achtet, wird von anderen ernster genommen. Darum bitte ich Euch um Eure Stimme."


Rede von Tsaida Tribêc

[...]

Rede von Voltan Vesselbek

"Verehrte Ratsmitglieder,

wir alle wissen, was hinter uns liegt. Sturmfluten haben unsere Mauern geprüft, der Zwist mit dem Baron unsere Kraft verringert, und Zwietracht hat an dem genagt, was uns immer stark gemacht hat: unser Zusammenhalt. Und dennoch gibt es dieses Gremium - den Lilienrat - noch. Nicht unbeschädigt blieb unsere Stadt, aber unbeugsam und ungebrochen. Das sicherste Anzeichen für diese Unbeugsamkeit sind diese Wahlen. Dieser Rat wählt aus seinen Reihen neue Amtsträger. Weitermachen, egal was gewesen ist, das zeichnet Sewamund seit Beginn an aus.

Hiermit bewerbe ich mich für das Amt des Baumeisters.

Über mich selbst brauche ich eigentlich nicht viel zu erzählen. Alle hier im Saal kennen meine Familie. Die meisten hier kennen mich selbst seit Jahren, viele kannten noch meinen Vater Torvon Vesselbek und einige wenige kannten gar meinen Großvater Phedro. Seit Generationen bauen wir diese Stadt – Stein für Stein, Balken für Balken, Kai für Kai, Haus für Haus. Wir haben nie einfach nur in Sewamund gelebt, wir haben es mit unseren eigenen Händen geformt.

Ich habe gesehen, wie Deiche brechen – und wie man sie stärker wiedererrichtet. Ich weiß, was es bedeutet, wenn Sturmfluten einen Hafen zerstören, damit Handel und Hoffnung zugleich vernichten. Ich war mehrmals dabei, als unsere Mauern, von feindlichem Kriegsvolk zerstört zu werden drohten. Doch immer wieder haben wir auch Neues geschaffen. Das dies so bleibt, dessen bin ich sicher, doch dafür braucht es Mut und Erfahrung. Ein Theater ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Zeichen dafür, dass eine Stadt wieder an ihre Zukunft glaubt. Ein vergrößerter Hafen ist ein starkes Signal an alle Besucher, für die Arbeitsamkeit und das Handelsgeschick seiner Bewohner. All die großen schönen Häuser sind der Lohn für all die Entbehrungen, die wir tagtäglich auf uns nehmen, Sewamund zur Perle der Septimana zu machen.

Eigentlich bin kein Mann großer Worte. Ich bin ein Mann der Fundamente. Bisher habe ich mich nie nach einem Amt gedrängt. Doch dies ist keine Zeit für Ehrgeiz – es ist eine Zeit für Verantwortung.

Wenn ihr mir euer Vertrauen schenkt, werde ich nicht nur bauen – Ich werde dafür sorgen, dass das, was wir errichten, Bestand hat. Lasst uns nicht nur reparieren, was zerbrochen ist. Lasst uns gemeinsam etwas schaffen, das stärker ist und schöner noch dazu als alles, was wir verloren haben."


Ergebnis

[...]