Briefspiel:Albornsburg/Reaktionen auf Verhaftung und Anklage

Aus Liebliches-Feld.net
Zur Navigation springenZur Suche springen

Auge-grau.png

Stadt Urbasi.png Briefspiel in Urbasi Stadt Urbasi.png
Datiert auf: ab Firun 1046 BF Schauplatz: vor allem die kaiserliche Albornsburg im Aurelat Entstehungszeitraum: seit Ende 2024
Protagonisten: Verian di Cerrano, Avesto d'Auspizzi, Phelizzio d'Antara u.w. Autoren/Beteiligte: Familie Solivino.png Bella, Reichswappen.png Dajin, Familie d'Antara.png Fürst Federkiel, Haus Urbet.png Gonfaloniere, Familie di Cerrano.png Princeps (u.w.)
Zyklus: Übersicht · Übergabeappell · Verians Antrittsrede · Entlassung von Rondras Streiter · Inspekteur zu Besuch · Treffen der Castellane · Efferdischer Brief · Verhaftung · Klageerhebung · Reaktionen


Reaktionen auf die Verhaftung und Anklage Verian di Cerranos

Auricanius von Urbet.jpg

"Ich muss gestehen, dass mich in dieser Angelegenheit wenigstens die Absichten einer Seite überraschen müssen. Cavalliere Verian hatte mich ja erst vor Mondesfrist zu seiner Feier der Horasproklamation auf die Albornsburg geladen, auch um einen Horas-Schrein einzuweihen. Nun scheint er sich aber zum Hochverräter zu stilisieren, in dieser angespannten Zeit ... wenn es nach der Krone geht jedenfalls. Und du kennst mein Misstrauen gegenüber gewissen Vinsalter Kreisen. Da steckt mehr dahinter, denke ich. Magst du das im Auge behalten und mich über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden halten?"

Auricanius von Urbet, im Gespräch mit seinem Iustitiarius Odarin

In der Grafenfeste Goblareth

Comtessa Sarissa, mit einem gefiederten Freund

Das schadenfrohe Gelächter ihres Vaters erinnerte die in ein schlichtes, doch hochwertiges, dunkles Seidenkleid gewandete Comtessa ans Krächzen der Raben und Krähen, die ihr so vertraut waren. Wer den alten Grafen Croenar von Marvinko, den "Windkönig" des Reiches, nur aus jüngeren Tagen kannte, hätte denken können, dass er über die Nachricht von der Verhaftung des Kroncastellans der bei gutem Wetter in Sichtweite liegenden Albornsburg dem Erstickungstod nahe war.
Sarissa, seine jüngste Tochter, wusste es besser. Das heisere Lachen ihres Vaters sprach von Genugtuung, nicht vom nahenden Ableben. Sie kannte den Ausdruck, der sich dabei über seine Gesichtszüge legte, weil sie ihn vielfach gesehen hatte ... vor allem wenn ein verwegener Plan oder eine Intrige ein angestrebtes Ziel erreichte. Doch sie war sich nicht sicher, ob und inwieweit ihr Vater überhaupt in die Neuigkeiten verwickelt war, von denen sie ihm gerade berichtet hatte. Er hatte auch vor ihr Geheimnisse, das war ihr klar. Aber gab es hier eins?
"Hast du mir dazu mehr zu berichten?"
Croenars Gelächter hatte sich gelegt und er sah seine soeben in Gedanken versunkene Tochter mit einem schiefen Grinsen an.
"Nein, Vater, das ist vorerst alles", beeilte sie sich zu antworten und machte einen ehrerbietigen Knicks.
"Wohlan, dann darfst du dich entfernen ..."
Des Grafen Blick ging dabei schon wieder aus dem Fenster des nur in einem düsteren Halblicht erleuchteten Turmzimmers heraus, in dem er dieser Tage die meiste seiner Zeit verbrachte. Ob er zur Albornsburg ging, die ihre Vorfahren einst selbst der Krone als Exilort für den von Königin Kusmara abgelösten – und später auf den Thron zurückgekehrten – Alborn Firdayon vermacht hatten, oder schlicht in eine unbestimmte Ferne schweifte, konnte Sarissa nicht eindeutig bestimmen. Ihr war aber auch gar nicht daran gelegen, es herauszufinden. Rasch drehte sie sich um, wich dabei einem der gewaltigen Spinnennetze aus, die die Turmkammer "zierten", und suchte lieber ihre eigenen Gemächer in Goblareth, der alten Stammfeste ihres Hauses auf.
Als sie die zugige Wendeltreppe zum derzeitigen gräflichen Hauptgelass herunterging, erlaubte sie sich sich ihren weiteren Gedanken zu widmen. Khorena hatte ihr nämlich zusätzliche, sehr beunruhigende Nachrichten zukommen lassen, die ihren Vater nichts angingen. Eine alte Feindin schien ihr Haupt zu erheben ... und sie musste herausfinden, ob und was dies eventuell mit der anderen Neuigkeit zu tun hatte. Kaum hatte sie das untere Ende der Treppe erreicht und einen ersten Schritt auf den kleinen Hof dieses Teils der Grafenfeste getan, landete ein Rabe auf ihrer Schulter, als habe er bereits auf sie gewartet.
"Ich habe einen Auftrag für dich", sprach sie leise zu dem Gefiederten, "den ich keiner Taube anvertrauen kann."
Sie würde ihrem Bruder eine Nachricht zukommen lassen, und nur ihm, weil sie ihm mehr als jedem anderen Menschen vertraute ... und er in der Hauptstadt natürlich über die Beziehungen und Möglichkeiten verfügte, ihr Antworten auf dringende Fragen zu beschaffen ...


Im Castello di Cerrano

Das Licht des späten Nachmittags lag wie flüssiges Gold auf den Mauern des Castellos. Staub tanzte in den schmalen Sonnenstrahlen, die durch das hohe Rundbogenfenster fielen.

Cavalliere Verian di Cerrano stand mit auf dem Rücken verschränkten Händen davor und blickte hinab auf den trägen Verlauf der Landschaft. Ein Bote war vor einer Stunde angekommen. Das Siegel des Dokuments lag gebrochen auf seinem Schreibtisch. Ein Brief daneben, sorgsam geglättet.

Er hatte beides zweimal gelesen. Kein Zucken war über sein Gesicht gegangen.

Während des ersten Lesen spannten sich seine Kiefermuskeln. Nicht wegen der möglichen Strafen. Sondern wegen des Zweifels an seiner Loyalität. Es sind keine fünf Götterläufe her wo er sein eigenes Blut zugunsten der Krone im fernen Kemireich vergoss. „Majestätsbeleidigung…“ Das trifft ihn. Er wurde nicht laut. Aber seine Stimme würde kühler: „Man mag meine Entscheidung falsch nennen. Aber nicht meinen Eid.“ Verian fühlt sich missverstanden – nicht ertappt. Im zweiten Lesen durchströmten unzählige Gedanken seinen Geist. "Wer profitiert? Wer hat Anzeige erstattet? Welche Fraktion bewegt sich?", hallten durch seinen Kopf. Für ihn ist es kein moralischer Schlag, sondern eine Lageeinschätzung.

Verian begann umgehend Briefe sowie Anweisungen zu verfassen und rote Fähnchen auf seinen Karten zu setzen. In den nächsten Stunden sah man ihn nicht. Die Adlerritter fanden sein Essen unangerührt vor der Tür seiner Amtsstube.

Die Kunde erreicht Efferdas

Efferdas. Wenige Tage später. Auf der Covernischen Schiffswerft d'Antara herrscht reges Treiben. Die Arbeiter trugen Holzbalken zur Heling, brachten in mehreren Eimer eiserne Nägel heran und inmitten von Arbeitern und Vorarbeitern wirkte der Schiffsbauer Phelizzio d'Antara wie ein Dirigent in einem Orchester. Er wandte sich noch einmal zu seinem Zeichentisch und studierte gewissenhaft die Baupläne zu den bestellten Patrouillenbooten für die Albornsburg. Als Grundlage nahm er die Struktur eines Kutters, die bevorzugte Bootsklasse für Zolleinsätze oder Patrouillen auf Flüssen, die mit zusätzlichen Riemen und einer Arbalone später ausgestattet wird. Zu ihm gesellten sich seine Frau Sybilla und Gardelan de Vere, die beide eine ernste Miene aufzeigten.

'“Phelizzio…”', begann Sybilla fast heiser.

Der Angesprochene blickte abrupt auf, da er in ihrem Tonfall bereits heraus hörte, dass was Schlimmes vorgefallen sei. Zu gut kannte er nach all den Jahren mittlerweile seine Frau.

'“Wir sollten herein gehen”', sagte sie immer noch um Fassung ringend.

'“Ist etwas mit den Kindern?”', fragte Phelizzio.

Gardelan blickte prüfend in die Umgebung.

'“Signor, bitte. Wir müssen nach drinnen gehen”', bat nachdrücklich sein Chef der Hausgarde.

Wenn auch sein alter Freund ihn mit Anrede ansprach, dann musste Gravierendes passiert sein. Phelizzio nickte und gemeinsam gingen sie zum Haupthaus der Werft in Phelizzios Arbeitszimmer. Vor dem Eintreten ins Zimmer, postierte Gardelan zwei Gardisten vor die Tür, mit der Anweisung, niemanden herein zu lassen.

'“Also, was ist denn nun?“',begann Phelizzio nun ungeduldig.

Sybilla holte zwei Schreiben hervor, das eine enthielt das Siegel vom Kronsekretariat für Schiffsbau. Und das andere war nicht zu erkennen.

'“Verian ist verhaftet worden”', begann sie mit Tränen in den Augen.

'“Was?!”', entfuhr er dem Schiffsbauer.

'“Er ist wegen Hochverrat und einiger anderer Anklagepunkte von Blauröcken unter Hausarrest gestellt worden“', erklärte Gardelan trocken und listete daraufhin die Anklagepunkte auf.

'“Was?!”', entfuhr es Phelizzio erneut. '“Das ist doch himmelschreiender Unsinn! Schiffe? Was denn bitte für Schiffe? Können die überforderten Amtsleute in den höheren Kreisen noch nicht mal Boote von Schiffen unterscheiden? Gib mir das Schreiben”', zunehmend wütend las er nochmal alles durch und auch die Stornierung des Auftrags.

Sybilla berührte sanft den Arm ihres Mannes, doch der winkte ab und warf die Blumenvase auf dem Schreibtisch wütend zu Boden. Das erste Mal, dass sie ihren sonst so herzlichen Mann so erlebte.

'“Ich glaube keine Sekunde an diese Anklagepunkte. Das wirkt mir zu übertrieben und theatralisch im Ganzen“', schlussfolgerte er, sich langsam wieder beruhigend. '“Hat sich dieser götterlose Verräter Ralman (allein die Nennung des Namens des berüchtigten Wendehalses aus dem Thronfolgekrieg ließ in Phelizzio wieder die Wut hoch kommen) endlich in Bewegung gesetzt um auch noch die letzten aufrechten Diener des Reiches zu entfernen?”'

Auch wenn seine Unterstellung überzogen sein mochte, aber an der politisch motivierten Anklage hatte er keinen Zweifel.

'“Was machen wir nun, Phelizzio?”', fragte sein alter Freund Gardelan und nahm Haltung an.

'“Wir werden unsere Rechtskundler, die Gezettis, hinzuziehen und mit allen Kräften die Familie di Cerrano unterstützen”', sagte Sybilla ruhig.

'“Mehr noch…”', begann der alte Fasan laut denkend. '“Gardelan. Lass sechs der Palmyramischen Wache voll bewaffnet antreten und informiere einen Stallmeister aus der Stadt, dass wir Pferde benötigen. Sofort”', befahl er ungewohnt eisern.

Gardelan nahm Haltung an und bestätigte den Befehl mit einer Faust zur Brust schlagend.

'“Sybilla. Ehe wir die Gezetti kontaktieren, hilf mir bei der Formulierung einiger Briefe. Ich soll verdammt sein, wenn ich nicht alles in meiner Macht stehende tun werde, um Verian zu helfen. Familie d'Antara hält seine Treue im Sturm!” “Aber, mein Lieber. Wir haben keine ernsthaften politischen Ämter inne”'.

'“Nein, aber unsere Freunde schon”'.

Noch am gleichen Tag verließen mehrere Eildepeschen den Schreibtisch von Phelizzio.