Briefspiel:Albornsburg/Verhaftung

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Stadt Urbasi.png Briefspiel in Urbasi Stadt Urbasi.png
Datiert auf: ab Firun 1046 BF Schauplatz: vor allem die kaiserliche Albornsburg im Aurelat Entstehungszeitraum: seit Ende 2024
Protagonisten: Verian di Cerrano, Avesto d'Auspizzi, Phelizzio d'Antara u.w. Autoren/Beteiligte: Familie Solivino.png Bella, Reichswappen.png Dajin, Familie d'Antara.png Fürst Federkiel, Haus Urbet.png Gonfaloniere, Familie di Cerrano.png Princeps (u.w.)
Zyklus: Übersicht · Übergabeappell · Verians Antrittsrede · Entlassung von Rondras Streiter · Inspekteur zu Besuch · Treffen der Castellane · Efferdischer Brief · Verhaftung · Klageerhebung · Reaktionen


Die Verhaftung des Kroncastellans

In der Amtsstube des Kroncastellans der Albornsburg etwa einen Monat nach dem Versand des "Efferdischen Briefs"

Ritter unter dem Banner des Adlerordens erscheinen mit einem speziellen Auftrag.

Mehrere Stimmen aus der Richtung des Arbeitszimmers seines Adjutanten, das als Vorraum zu seiner Amtsstube diente, drangen an das Ohr von Verian di Cerrano, während er wie üblich die Schriften der Armee studierte.
Noch ehe er sich erheben konnte, um nachzusehen, was dieser Lärm zu bedeuten hatte, wurde die Tür aufgerissen und mehrere Krieger, den blauen Wappenrock des Adlerordens tragend, traten ein.
“Signor di Cerrano. Auf Befehl der Krone nehmen wir Euch hiermit in Gewahrsam und überführen Euch zu Eurem Hausarrest nach Valbeno, sprach der vorderste Ritter dieser Formation und überreichte dem Kroncastellan den Befehl, der mehrere Unterschriften hoher Herrschaften trug. Dabei sah er ihn entschlossen und doch etwas betreten wirkend an.
Verian erkannte den ihm gegenüber stehenden Mann. Es war ein Sohn Piendo di Striazirros, des kaiserlichen Assessors des Kassationshofs … ein entfernter Verwandter seiner eigenen Gemahlin also.
“Signor Pulpio?”, entgegnete er kurz mit fragendem Blick, überflog dann aber den ihm überreichten Befehl. Er deutete ein Nicken an.
“Das scheint seine Richtigkeit zu haben. Nun gut, dann komme ich mit Euch, meine Herren. Gestattet mir einen Moment.”
Verian schien fast unberührt ob der Nachricht der eigenen Verhaftung. Auf einem Schreiben, das sich auf seinem Schreibtisch befand, setzte er ein Datum und seine Unterschrift.
“Mit Verlaub, Signor, würde ich dieses Schreiben gerne meinem Adjutanten überreichen. Es ist der Befehl, dass die Amtsgeschäfte sowie die Pflichten jedes Einzelnen auf der Albornsburg bis zu meiner Rückkehr weiterhin ohne Vernachlässigung ausführen sind und stets Kunde der Krone gemacht werden soll bei Vorkommnissen jedweder Natur”, sagte er und zeigte das Schreiben dem Adlerritter Pulpio di Striazirro.
Dieser nahm es seinerseits entgegen und hielt es zunächst ins Licht.
“Da sind keine versteckten Botschaften enthalten. Ich spiele nicht, wenn es um die Pflichterfüllung gegenüber dem Horas geht”, fügte Verian an.
Verians Adjutant stand hinter den Adlerrittern in der Tür und beobachtete die Szene. Verian sah, dass er sichtbar um Fassung rang. Er selbst griff jedoch äußerlich gefasst nach seinem Lederranzen, der mit mehreren Schriften und Dokumenten gefüllt war, und begleitete die Krieger in den blau-goldenen Wappenröcken in den Innenhof.

Im Innenhof hatte sich die Kunde von den Besuchern bereits verbreitet und alle Wachsoldaten der Albornsburg, die keinen Dienst auf den Mauern zu leisten hatten, waren angetreten, um ihrem Vorgesetzten beizustehen. Dieser Akt der Verbundenheit löste bei zwei der Adlerrittern Nervösität aus – und nur mit Mühe konnten sie die Klingen in ihren Scheiden lassen. Den Adlerrittern verborgen, griff sich Verian kurz an sein rechtes Ohrläppchen, was von einem seiner Getreuen in der Menge verstanden wurde.
Der kommandierende Adlerritter Pulpio, der inzwischen das ihm überreichte Schreiben überflogen hatte, gab es im Beisein Verians an den Adjutanten weiter. Weiter kommentierte er es nicht. Im Innenhof stand derweil eine Kutsche bereit. Nervös blickte auch Pulpio um sich, doch niemand schien hier den Eindruck zu hinterlassen, dass er vorhätte, die Abordnung des kaiserlichen Hausordens anzugreifen. Gut.
Den Rittern, die die Verhaftung des Kroncastellans durchführten, war anzusehen, dass ihnen dies höchst unangenehm war. Verian di Cerrano war ein verdienter Diener des Reiches, aber dieses eigenartige Schreiben zum Kauf zweier Hochseeschiffe für den Sikram, im Namen des Kaisers, das er abgeschickt haben sollte … das hatte in der Hauptstadt so einige sehr stutzig werden lassen, wie sie längst wussten. Wie konnte der Mann vor ihnen nur so ein Schreiben signieren?
Verian stieg derweil in die Kutsche, ohne sich dabei etwas anmerken zu lassen. Einer der anderen Adlerritter gesellte sich hinzu, genau wie Pulpio selbst. Die dritte Ritterin begab sich zum Kutscher auf den Kutschbock und schon kurz danach gaben die Zügel einen knallenden Laut von sich, was für die Pferde Kommando genug war, um sich vom Gut zu bewegen.


“Habt ihr einen Advocaten im Dienste, den wir mit dieser Angelegenheit behelligen sollen?”, fragte der entfernte Vetter der Gemahlin Verians diesen schließlich nach einer Weile.
“Jemand aus der Umgebung vielleicht?”
Dass er damit das aurelassische Umland der Albornsburg meinte, machte eine Geste seiner Hand deutlich.
“Falls ihr auf keinen Advocaten aus der Hauptstadt zurückgreifen wollt …”
“Verzeiht Signor. Einen Advocaten wofür? In unserem Krieg gegen Al'Anfa habe ich ebenfalls nach niemanden schicken lassen, der an meiner statt das Schwert führte und ich gedenke, mit Verlaub, heute nicht mit einem solchen Schritt anzufangen.”
Verians Antwort schien kaum einen Zweifel an der Überzeugung, die er selbst in die gewählten Worte hatte, zuzulassen.
Und doch sah ihn sein Gegenüber irritiert, möglicherweise gar mitleidig an.
“Signor Verian, diese Angelegenheit …” Er sah dabei auf den Befehl, der ihn ins Aurelat geführt hatte. “... hat in der Hauptstadt bereits zu manchen Verwerfungen geführt.”
Mehr sagte das Gegenüber des Kroncastellans nicht, auch wenn ihm mehr auf der Zunge zu liegen schien.
Verian geriet darüber für einen Augenblick ins Grübeln.
Schließlich antwortete er: “Nun gut. Schickt nach Efferdas zur Familie Gezetti, so euer Angebot noch steht. Seid so gut und lasst es mich wissen, wenn Kunde von dort eintreffen sollte. Ich würde zudem gerne umgehend dem Comto Großsiegelbewahrer einen Brief schreiben und ihn bitten einen vorübergehenden Nachfolger zu berufen, um so der Albornsburg für die Zeit meiner Abwesenheit nicht die ordentliche Repräsentanz nach außen hin zu nehmen.”
Der Herr von Valbeno blickte nachdenklich in die Ferne.

Während der Fahrt nach Valbeno holten die Renovaten, Verians Leibwache, die Kutsche ein. Trotz der Vorwürfe gegen ihn als Kroncastellan gestattete es ihr Pflichtgefühl nicht, ihn ohne Eskorte ziehen zu lassen. Der Cornett, der die Corazza Reiter führte, übergab Signor Pulpio di Striazirro seinen eigenen Degen, um den Eindruck eines Missverständnisses zu vermeiden. Ein Ehrenwort wurde ebenfalls ausgesprochen, was die Adlerritter akzeptierten.


Die Bekanntgabe von Verians Hausarrest eilte der Kutsche samt den Reitern nach Valbeno voraus, sodass auf Höhe des Valbener Zentrums das Gefährt aufgrund der zusammengelaufenen Menschen immer langsamer werden musste.
“Signor Verian!”, “Geht es Euch gut?”, “Was wirft man Euch vor?” waren die am besten zu verstehenden Aussagen aus der Gruppe. Je langsamer die Kutsche nun wurde, desto mehr Anwohner schienen ihr zu folgen, um sich des Wohlergehens ihres Herrn zu versichern.
In dem Gefährt erhob sich Verian und wollte es gerade verlassen. Pulpio hinderte ihn daran.
“Ihr wisst noch, dass wir Euch zum Castello Cerrano geleiten sollen, wie von höherer Stelle angeordnet?”, fragte er mit ernster Miene.
“Gewiss, Signor Pulpio, dies ist mir nicht entfallen. Nur werden wir wahrscheinlich die Fahrt nicht weiterführen können, solange die Bürgerinnen und Bürger vor uns stehen. Lasst mich einige Wort sprechen, sodass Ihr Euren Auftrag abschließen könnt.” Er zögerte kurz, fügte dann aber noch an: “Zudem bin ich Herr von Valbeno. Solange sich das nicht geändert hat, habe ich auch eine Pflicht gegenüber meinen Leuten. Wenn diese nach mir verlangen, muss dem Ruf Folge geleistet werden.”
Der Adlerritter seufzte und gab nach.
Mit einem Kopfnicken erntete er Dank von Verian.
Die Tür der Kutsche ging auf und Verian trat hervor. Auf der letzten Kutschenstufe blieb er stehen. Die Menge jubelte und verstummte jedoch nach einigen Momenten. “Habt Dank für Euer Erscheinen. Jedoch müsst Ihr uns passieren lassen, da unsere tapferen Ritter des Adlerordens einen Auftrag zu erfüllen haben. Wer sind wir, um uns dagegen zu stellen. Wenn die Krone ruft und durch ihre Vertreter ihren Willen ausführt, haben wir dem Folge zu leisten. Ungeachtet unserer Gefühle und persönlichen Überzeugungen.”
Verian unterbrach sich selbst und blickte kurz gen Himmel, ehe er sich wieder zu seinen Leuten wandte: “Wie Ihr bereits gehört haben solltet, ruht mein Amt als Kroncastellan solange bis die Vorwürfe, die man gegen meine Person erhebt, geprüft wurden und das Ergebnis der Krone Gewissheit gibt, dass uns Treue und Pflichterfüllung die höchsten Güter sind. Ich bitte Euch wieder an Eure Arbeit zu gehen und uns passieren zu lassen. Sollte jemand noch Fragen haben, so sprecht mit mir auf dem Castello. Ich werde Euch gewissenhaft zuhören und Unklarheiten ausräumen. Dem seid versichert.”
Die Menschen hatten gemischte Gefühle in ihren Herzen und hofften auf eine schnelle Rückkehr zur Gewohnheit. Die Menge löste sich auf und die Kutsche erreichte ohne weitere Verzögerungen das Castello Cerrano.