Briefspiel:Consigliowahl 1047 BF/Auricanius' Brief an Tarquinio
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Auricanius' Brief an Tarquinio
Autor: Gonfaloniere
Dem seit längerem auf den Zyklopeninseln weilenden Tarquinio della Pena wird vor der Wahl von Cavalliere Poldoron von Urbet ein Brief Auricanius' überbracht:
Tarquinio,
ich schreibe dir diese Zeilen auf Anraten Alvaros, in der Hoffnung, dass sie dich in bestmöglicher Verfassung und natürlich rechtzeitig erreichen. Leider ist unser letztes persönliches Treffen schon allzu lange her, glaube mir, wie viel lieber ich direkt mit dir sprechen würde. Meine Verpflichtungen erlauben mir aber derzeit keine Reise auf die Zyklopeninseln, weshalb ich Poldoron entsenden muss, dich in deinem selbstgewählten Exil aufzusuchen.
Wie du sicherlich weißt, steht in Kürze in Urbasi, deiner Heimat, wieder eine Prioriumswahl an. Ja, ich weiß wie sehr dich die Politik manches Mal schon zur Rage gebracht hat, wie sehr du ihr zu anderer Gelegenheit, möglicherweise auch jetzt, zu entfliehen versuchtest. Aber ich weiß auch, dass dir das Schicksal deiner Mitmenschen am Ende allen – oft berechtigten – Zorns zum Trotz nicht egal ist! Deshalb bitte ich dich, gib Alvaro das Zeichen, das er abzuwarten scheint, und lass ihn wählen. Lass ihn richtig wählen, damit Urbasi nicht weiter leiden muss, unter Kleptokraten, Narzissten und solchen, die nur den eigenen Vorteil im Sinn haben.
So du meiner Einschätzung noch vertrauen solltest, bitte ich dich, gib Alvaro Anweisung, Rahdrigo Solivino ins Priorium zu wählen. Die Solivino sind nicht nur ihrer Rahja-Verbundenheit wegen an einer harmonischen Zukunft Urbasis interessiert. Ja, sie schließen Kompromisse, eins dieser Wörter, die du auch manches Mal schon nicht mehr hören wolltest. Aber sie tun dies nicht ihres eigenen Vorteils wegen, sondern aus dem ehrlichen, aufrichtigen Bestreben, eine für alle Beteiligten bessere Entwicklung der Silberstadt anzustoßen.
Wie sehr der Hass, zum Teil auch die Angst vor dem Grafenhaus die letzten Jahre der urbasischen Politik gefangengenommen hat, muss ich dir nicht erklären. Du kennst die Geschichte unserer Heimat seit dem Tod meines Bruders. Du warst es, der meine Familie verteidigt hat, als der Pöbel nach der Nachricht des Fürstentods danach trachtete, seine Anverwandten zu ermorden. Diese Spirale des Hasses muss aber enden. Und von allen Familien in Urbasi sehe ich die Solivino als die besten, vielleicht die einzigen an, denen dies gelingen kann.
Ich versichere dir, dieses Urteil nicht leichtfertig zu fällen. Meine Berührungspunkte zu den Solivino waren reichhaltig in der letzten Zeit, in der du abwesend warst. Die Tochter Rahdrigos hat vor etwas mehr als einem Götterlauf Rahjada das Leben gerettet, als die zwölfmal verfluchten Myrmidonen uns auf meiner Exkursion in den Goldfelsen auflauerten. Ihre Kusine habe ich vor einem halben Jahr erst zu meiner Delegierten im Kronkonvent gemacht, nachdem ich sie schon während meiner Zeit an der Universität als Studiosa kennenlernen durfte, die das Herz am rechten Fleck hat. Und ihren Vater, Rahdrigos Bruder Rahjalin, habe ich kurz danach besucht. Er hat mir eine sehr verletztliche, vor allem aber einsichtige und überaus rechtschaffene Seite von sich gezeigt, die Eindruck hinterlassen hat.
Darum bitte ich dich inständig: Gib dieser Familie und ihrem Patriarchen, der sich erst jetzt dazu durchringen konnte, eine Kandidatur aufzustellen, eine Chance es besser zu machen. Besser als die diebische Duridanya vor allem.
Und so dich diese Worte noch zu mehr bewegen könnten, bitte ich dich auch: Komm nach Hause! Du wirst vermisst, vor allem von mir – aber das solltest du wissen.
Mögen die Zwölfe immer mit dir sein,
Auricanius von Urbet, Baron, Custos Lumini, Prior