Briefspiel:Consigliowahl 1047 BF/Das Fest des Heiligen Usim

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Stadt Urbasi.png Briefspiel in Urbasi Stadt Urbasi.png
Datiert auf: Rahja 1046 bis Praios 1047 BF Schauplatz: Fürstliche Gemeinde des Heiligen Agreppo, vor allem Magistratspalast Urbasis Entstehungszeitraum: Juli 2025 bis März 2026
Protagonisten: die Mitglieder der Signoria Urbasis u.w. Autoren/Beteiligte: Familie Solivino.png Bella, Familie ya Malachis.png Cassian, Haus della Pena aeH.png Dellapena, Familie Flaviora.png Flaviora, Familie Gerber.png Gerberstädter, Haus Urbet.png Gonfaloniere, Haus della Pena jH.png Horasio, Haus di Tamarasco.png Pagol, Familie di Cerrano.png Princeps, Haus di Salsavur.png Rondrastein, Familie Aspoldo.png Salkyo, Familie Dalidion.png Storai, Familie Zorgazo.png Toshy, Haus della Turani.png Turani
Zyklus: Übersicht · Das Fest des Heiligen Usim · Unter Zunftpatronen · Auricanius' Brief an Tarquinio · Vom Tod und seinen Folgen · Auf dem Platz des Heiligen Agreppo · Die Stimme Tsas


Das Fest des Heiligen Usim

Autor: Flaviora

Macht sich im Wahlkampf für andere stark: Miguel Flaviora

28. Rahja 1046 BF (Tag des Hl. Usim), im Palazzo Flaviora

„Ich danke Euch für dieses schöne Fest. Es wärmt die Seele, die armen und von Phex verlassenen Seelen so fröhlich und auch satt zu sehen.“
„Ihr seht mich an, als würde ich nicht auch den Rest des Jahres viel dafür tun, dass in den Nachbarschaften nicht nur Almosen, sondern auch Arbeit vorhanden ist.“
„Ihr müsst Euch nicht verteidigen, Miguel. Wir beide wissen, dass Eure Zuwendungen wichtig für den Traviendienst in der Stadt sind. Wir sehen aber beide die Vielzahl der Gäste Eures Festes. Die Stadt zieht viele Menschen an. Es gibt auch weiterhin viel zu tun.“
Ihr mildes Lächeln und ihre mütterliche Art machten Miguel ganz kirre. Auch wenn sie sich schon seit Jahren gut kannten und vom Alter nicht weit auseinander lagen, hatte er immer das Gefühl, sich vor seiner Mutter rechtfertigen zu müssen. Vermutlich lag es daran, dass er in ihrem balträischen [als horasische Analogie zum sibyllischen] Lächeln bis heute nicht viel lesen konnte. Eine Fähigkeit die bei geschäftlichen und politischen Verhandlungen zum Glück nicht ganz so zuverlässig versagte wie bei der Travia-Geweihten.
Seit dem Bau des Palazzos richtete er das Fest zu Ehren St. Usims dort aus; davor im Namen der Wollzunft als Patron im Zunfthaus gleich nebenan … und auch seine Eltern und Großeltern pflegten schon diesen Brauch. Die meisten Gäste waren ja nicht einfach arme Menschen. Sie waren Klienten der Wollzunft, Klienten der Familie, sie waren Nachbarn. Tagelöhner, die je nach Auftragslage gebraucht wurden oder eben nicht. Ehemalige Tagelöhner, die zu alt geworden waren um ihren Lebensunterhalt mit ihrer Hände oder auch Rücken Arbeit zu bestreiten. Aber auch Neuzugänge waren darunter, die das Versprechen von Arbeit, Freiheit und meist schnöde, bittere Armut dazu gebracht hat, ihren Nachbarn „lebewohl“ zu sagen, um in der Stadt ihr Glück zu suchen. Es war seine Pflicht für sie zu sorgen, für die Nachbarschaft zu sorgen, für Agreppara zu sorgen – nur eben nicht andauernd und um jeden Preis.
Währenddessen, hatten sie den Hof, auf dem die Festlichkeiten hauptsächlich stattfanden, verlassen.
„Nun, wenn Du erlaubst, möchte ich mit Dir über die Nachbarschaft sprechen.“
Außerhalb der Gesellschaft waren sie zum Du übergegangen. Nicht nur der Glaube und die gemeinsame Sorge um die Nachbarschaft sowie um Shafiro, aber auch hitzige Gespräch über den richtigen Weg, die richtigen Mittel … und wer das alles zahlen sollte … hatten die beiden verbunden.
„Was führst Du im Schilde, natürlich darfst Du das.“
„Nun eigentlich geht es um die Wahl…“
„Miguel, es ist Rahja, kann das nicht bis zum kommenden Jahr warten. Jeder weiß, dass Niccolo kandidiert und ich weiß, dass Du wie bei jeder Wahl nach St. Badilak [am 3. Praios] um meine Stimme bittest? Wieso die Eile?“
„Nun, neben meiner Ungeduld, dachte ich, dass es heute eine passende Gelegenheit ist – außerdem habe ich eine Überraschung.“
„Miguel … egal wie groß sie ist … meine Wahlentscheidung verkünde ich am Tag der Wahl. Die Flügel der Gans sind weit gespannt und unter meinen findet zumindest ganz Urbasi Platz.“
„Ich weiß, ich weiß. Du hast mich öfter verschmäht als gewählt. Ich habe Dir das nie nachgetragen.“
„Hat man nicht bemerkt, wenn Du meintest eine angeblich irrsinnige Entscheidung durch die Prori wäre anders ausgefallen, hätte ich Dir nur dieses Mal meine Stimme gegeben. Aber das trage ich Dir auch nicht nach. Also, dein Niccolo … fleißig, götterfürchtig und politisch umtriebig genug, als dass man ihn als einen der Architekten der neuen Fürstlichen Gemeinde bezeichnet. Nicht zu vergessen die Gerüchte, er hätte in Sibur Verhandlungen mit der Tochter des Grafen geführt. Hab ich was vergessen?“
Miguel hob abwehrend die Hände in die Luft.
„Horanthe, Horanthe … Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, all das und noch viel mehr. Er ist mein Sohn, ich liebe ihn und ich bin stolz auf ihn, wie ein Vater nur sein kann. Er hat Deine Stimme verdient, aber Du missverstehst mich.“
Schon vorher hatte er ihre Aufmerksamkeit, aber jetzt war die Geweihte interessiert.
„Du weißt … bei Travia … ich versuche ein guter Nachbar zu sein … und so denke ich, dahinter müssen auch die Ambitionen von Niccolo zumindest dieses eine Mal zurückstehen.“
„Dass DEINE Ambitionen mal hinter etwas zurückstehen müssen, wäre mir neu.“
Aber sie sagte es mit einem blitzenden Lächeln in den Augen.
„Ich sagte Dir ja, ich will über die Nachbarschaft sprechen. Wir haben die Familie ya Malachis in Agreppara willkommen geheißen und Niccolo wird der Geste Taten folgen lassen. Mit der Stimme der Familie wird er Sanjana ya Malachis unterstützen und ich bitte Dich, das Gleiche zu tun.“
Für einen kurzen Moment konnte er sie lesen, die Überraschung in ihrem Gesicht war nicht zu übersehen.
„Ich weiß, ich weiß, ich werde Deine Entscheidung am Tag der Wahl erfahren, aber ich bitte Dich: Lass es Dir durch den Kopf gehen. Signora Sanjana ist eine gute Wahl und mit ihr als Gonfaloniera kann ich mich sorglos und in Ruhe Agreppara widmen.“
„Wo wir dabei sind … ich habe vorhin kurz mit ihrer Schwester gesprochen. Wie kommt es, dass Du sie eingeladen hast, ihre Schwester aber nicht hier ist.“
„Nein, Horante, ich habe sie nicht eingeladen. Die Familie ya Malachis war so großzügig, die Feierlichkeiten zu unterstützen. Sie ist sozusagen Mitgastgeberin, auch wenn sie kein großes Aufheben darum machen.“
„Und Signora Sanjana?“
„Nun sie hat Pflichten in Marudret. Auch dort ist St. Usim und auch Signora Sanjana weiß, was sie ihrer Heimatstadt zu verdanken hat. Sollte sie den verdienten Erfolg bei der Wahl haben, ist das ihr letztes St. Usim in Marduret. Sie wollte es nicht verpassen und sie weiß, dass in Agreppara diese Tradition umsichtig gepflegt wird.“
„Nun, zumindest weiß sie um ihre Pflichten der Herrin Travia gegenüber. Und Du, mein lieber, weißt, wie man ein gutes Verkaufsgespräch führt.“
… und wieder dieses Lächeln.
Mittlerweile hörte man die Feierlichkeiten kaum noch. Gemächlichen Schrittes waren sie vor einem der Lagerräume im Erdgeschoss des Palazzos angelangt.
„Es wird Zeit zum Fest zurückzukehren, Miguel. Meinst Du nicht?“
„Nur eins noch … ich habe Dir doch eine Überraschung versprochen.“
Dabei öffnete er die Tür. Das dahinterliegende Stofflager war kühl, und außer durch die Tür fiel das Licht durch schmale Fenster, die oben an den hohen Wänden schmale Lichtstrahlen durchließen. In der Mitte des Raumes, umgeben von säuberlich geordneten Stoffballen und Kisten, stand ein Banner im Halbschatten: Das Wappen Agrepparas, ruhend auf einem Postament aus rotgefärbtem Tuch und braunem Leder, mit Schnecke und Schaf, gehalten von Sancta Terrinda und Sanct Yulag-Horas, gekrönt von Travia als Gans, mit der Krone der Stadt auf dem Haupt – auf robustem Wollstoff, großflächige aber feine Stickereien, kräftige Farben aus den Bottichen der Schnecke und Brokatfäden aus den Spinnereien der ya Malachis, das Holz des Fahnenstockes unter kunstvollen Lederflechterein nicht mehr zu erkennen.
„Wenn Du erlaubst, werden die Zünfte von Leder und Wolle Dir zu Sancta Lamea das Banner zur Einsegnung und Aufbewahrung überreichen und unter diesem Banner werden wir Dir gemeinsam zur Prozession an Sanct Badilak folgen und ich verspreche dir, auf den Heiligen, vorher werde ich Dich nicht mehr mit Politik behelligen.“