Archiv:Ein Traviabund zwischen Norden und Süden (BB 17)

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Quelle: Bosparanisches Blatt Nr. 17, Seiten 16-17
Aventurisches Datum: Rahja 1021 BF



Ein Traviabund zwischen Norden und Süden
und andere Neuigkeiten aus Eldoret


Eldoret/Gft. Thegûn. Seit dem Fest der Freuden haben das Land des Salzrades und das Land der Lilie im Ehebunde zusammengefunden, Für nicht weniger als sechs Tage (eine den Elementen und Göttern gefällige Zahl), nämlich vom 4. - 9. Rahja des Jahres 2513 Horas lud der Gransignore von Eldoret zur Hochzeit mit der Baronessa Rahjina Gyldia von Treuffenau-Veliris, die zweitälteste Tochter des Lilienhauses, auf sein Castello Cassâdia. Bis vor kurzem hätte noch keiner geglaubt, Don Ricardo werde je sein Herz an eine Frau verlieren.

Seine Mätressen wechselten schneller als die Jahreszeiten. Dann trat die schöne Baronessa Rahjina in sein Leben (BB 14/15) und heilte ihn von seinen Wunden aus der Schlacht um Ysilia (und nicht nur fleischliche Wunden waren es, die der Gransignore davongetragen). Nun hat er sein Herz doch noch verschenkt, und selbst jene, die hinter dieser Heirat Kalkül vermuteten, wurden in Anwesenheit des fröhlichen Paares eines Besseren belehrt. Ein buntes, ein lautes, ein freudiges, ein genußreiches Fest war es, daß ich gar nicht erst versuchen will, mich in Details zu ergehen. Jedenfalls: Schande und Scham denen, die nicht dabeigewesen. Alle, die da Rang und Namen haben, kamen: ash Manek und Oikaldiki, Treuffenau-Veliris und Kullbach-Marvinko, Berlînghan-Tikalen und Salicum-Selzin, ya Torese und Garlischgrötz (der Chababier wird noch die Häuser Malagreîa, Bramstetter und Firdayon vermissen; diese waren nicht geladen oder anderweitig verpflichtet).

Don Ricardo ließ sich nicht lumpen, und übernahm die Finanzierung der zwei Tage, die das Fest länger dauern sollte, als sein Schwiegervater Ariano zu zahlen bereit war, selbst, Freunde der Warenschau und Maskenumzüge zu Grangor wurden nicht vor die Qual der Wahl gestellt, denn ein Ausflug in die Grachtenstadt stand ebenso auf dem Programm wie Falken-, und Fasanjagd, Maskenball, Theaterspiel, Weinproben, rondrianische Turnei und anderes Allerlei, Rahjanischen Anliegen und Feierlichkeiten konnten im Despioner Tempel nachgekommen werden.

Dem Neugierigen seien hier noch allerlei Neuigkeiten aufgetischt, mit denen auch die Gäste konfrontiert waren: Eran Reo ter Sindarjan, der alte Secretar des Gransignors und Administrator der Stadt Eldoret, ist von Don Ricardo seiner Ämter enthoben worden, "Wegen des Alters" heißt es. Kluge Beobachter aber meinen, der Gransignor sei jetzt endgültig erwachsen und seines politischen Schulmeisters überdrüssig geworden und habe ihn für sein Verhalten im Climet-Konflikt (BB 14/15/16) abgestraft. Als Castellan von Cassâdia begrüßt Eran aber auch weiterhin Gäste des Gransignors. Seine anderen Verpflichtungen übernimmt nun Rahjina von Treuffenau-Veliris-Eldoret.

Vermißt wurden auch Repräsentanten des Stab-und-Schwert-Ordens. Darauf angesprochen, erwiderte der Gransignor, dieser sei in seinem Tempel in Despiona götzendienerischer Schwarzkulterei anheimgefallen und habe gemeinsam mit einer gewissen Fraternitas Uthari eine Intrige gegen Gräfin und Herzog geplant. Da der Orden nach den Vorgängen rund um das Trianon und der Verbannung Geron von Irendors (BB 12) in der Despioner Komturei nur noch wenige Mannen unterhielt (deren Kontakt zur Dalidaburg nur noch formell bestand), sei deren Ende in einem Scharmützel mit Heilig-Blut-Rittern und chababischen Pikenieren lautlos abgelaufen. Der Despioner Tempel diene seither als Museum (wovon sich alle Gäste nach Besuch des Rahjatempels selbst überzeugen konnten).

Man mag es kaum glauben: Selten war sich eine Gesellschaft so lieb und nah, selten das politische Tagesgeschäft so fern, wie für die Gäste der Eldoretisch-Velirischen Hochzeit. Und dennoch: Folgen für die Shumir-Krise sind nicht abzusehen, doch wahrscheinlich.

Die seltsamen Ereignisse des Climet-Konflikts aber warfen ihre Schatten auf den letzten Tag der Festlichkeiten, als es doch noch zum politischen Gespräche kam: Da offenbarte Don Ricardo der Oikaldiki-Fraktion, daß man sich auf yaquirischer Ebene zwar einig sei und dies nach dem Entgegenkommen der Familie in der Thalionmelfrage (BB 16) in Belangen des Ardaritenordnes auch bleibe, daß man aber in Chababien, besser gesagt: in der Grafschaft Thegûn, noch mit einigem Zwist zu rechnen habe. So waren denn die Oikaldiki die einzigen, die das Fest düpiert und mit trüben Gedanken verließen.

Eines noch: Aus gegebenem Anlasse hat Gransignore Ricardo auf der Hochzeit auch eine Neue (und einzig wahre) Auflage des Breviers Tractatio Eldoretis angekündigt, dessen erste Fassung noch voller Fehler und Lügen steckte, für die Al'Anfanische Agenten und Firdayonsche Fälscher verantwortlich gemacht werden. Es wird in wenigen Monden erhältlich sein.

Steffen Popp
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