Briefspiel:Der Zorn des Drachen

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Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: Mitte Rahja 1047 BF Schauplatz: Sangreal bei Horasia Entstehungszeitraum: Oktober 2026
Protagonisten: Khadan II. Firdayon u.w. Autoren/Beteiligte: Amarinto, Bella, Carenio, Erlan, Gishtan re Kust, Gonfaloniere, OrsinoCarson, Rhutkles, Schatzkanzler, VanHoven, VivionaYaPirras
Zyklus: Übersicht & Auftakt · Dem Zentrum der Macht entgegen · Kaiserlicher Auftritt · Was von einem Frieden blieb · Rahjadas Fragen


Das Liebliche Feld

Schauplätze im Sangreal:

Palazzo di Santa Ardare
Straße der Erwartung
Hof der Herrscher
Purpurpalast mit Thronsaal
Besprechungssaal der Stallmeisterei

Die Briefspielgeschichte Der Zorn des Drachen handelt von der Kriegserklärung Khadans II. ans Mittelreich, die er Mitte Rahja 1047 BF im Sangreal verkündete – und die dem Yaquirkrieg sowie dem Krieg der Sieben Winde im folgenden Götterlauf vorausging. Sie ist an den gleichnamigen Leitartikel des Bosparanischen Blatts Nr. 50 angelehnt, beschreibt die Geschehnisse des denkwürdigen Tags der Kriegserklärung in der kaiserlichen Palaststadt gleichwohl detaillierter.

Angekommen

Autor: Gonfaloniere

„Wir sehen uns später“, drehte sich die Esquiria noch einmal zu ihrem Vetter um, bevor sie aus dem großen Portal des Palazzo di Santa Ardare (von pragmatischeren Zeitgenossen auch Palazzo Gerondrata genannt) heraustrat. Potulino, ihr jüngerer Kusin, der Cavalliere und Schwiegersohn des Barons von Westfar, 'durfte' derweil dem Majordomus erklären, warum sein Dienstherr mit der ihm zugeteilten Unterkunft keineswegs zufrieden war. Sie beneidete in diesem Gespräch keinen der Beteiligten – war die Situation, in der sie sich nun befanden, doch für alle überaus … außergewöhnlich.
Der Ruf des Kaisers, seine Entscheidung hier im Sangreal, im großen Thronsaal der kaiserlichen Palaststadt zu hören, musste die übliche Gästezahl des Hofes verdoppelt, wenn nicht verdreifacht haben. Und die Spannung ob der kaiserlichen Entscheidung machte die Stimmung nur noch aufgekratzter.
Als sie jetzt ins Freie trat, die Strahlen der Praiosscheibe zwischen den Blättern der Alleebäume sanft auf sich herabfallen spürte, wollte sie erstmal durchatmen. Doch sofort war sie wieder im Stimmengewirr. Einige Patrizier, die vielleicht zum ersten Mal überhaupt im Sangreal waren, debattierten nur wenige Schritt entfernt angeregt, in welche Richtung sie sich denn zu wenden hätten, um auf kürzestem Weg zum kaiserlichen Palast zu gelangen.
'In welchen kaiserlichen Palast?', ging Istirde dabei eine Frage durch den Kopf, die auszusprechen sie sich mit einem leichten Schmunzeln jedoch verkniff. Wahrscheinlich war den sichtbar aufgeregten Patriziern hier in der Zwingerstadt noch gar nicht bewusst, welch umfangreiche Palastanlagen sie jenseits des Praiosportals erwarteten – und dass es den einen 'kaiserlichen Palast' gar nicht gab, weil der Horas ja in einem ganz anderen wohnte als dem prunkvollen mit dem Thronsaal, der ihr Ziel sein würde.
Stattdessen wandte sich die Esquiria der Rahjaallee folgend nach Osten, zum kleinen Rahja-Tempel der Zwingerstadt hin, hielt zwischen den Bäumen aber noch einmal inne, um ein wohl erst jetzt angekommenes Pferdegespann passieren zu lassen – und wunderte sich direkt, welche Würdenträger aus der Hauptstadt es wohl beförderte. Sie erkannte in dem Gefährt eine der Mietdroschken des Vinsalter Gründergeschlechts Jaraldo.
'Delegierte des Edlenhauses?', formulierte sie erneut eine stille Frage. Und sie schmunzelte diesmal ob des Vermögens, den der Transport ausgerechnet mit der Mietdroschke bis hierher ihre Insassen wohl gekostet haben dürfte. Wer in der Hauptstadt über keine eigenen der sonst so selten nötigen Fernreisemöglichkeiten verfügte – und spät dran war – musste dieser Tage sicherlich besonders tief in die Tasche greifen, um seinem vielleicht zu weit im Süden des Reiches ansässigen Dienstherrn einen Augenzeugenbericht geben zu können.
Dass sie selbst keine solchen Verpflichtungen mehr hatte und dennoch überhaupt nun hier weilte, ließ Istirdes Dankbarkeit gegenüber den Magistern der Rechtsschule nochmal mehr ansteigen. Ohne ihre Einladung, dem bevorstehenden Ereignis als Teil der Delegation ihrer Akademie beizuwohnen, wäre sie vielleicht gleich in Vinsalt geblieben. Dass sich in den schuleigenen Kutschen auf ihre Nachfrage auch für die Delegierte ihres Familienoberhaupts noch ein Platz gefunden hatte, war sicherlich noch doppelt glücklich.
'Genug in Erinnerungen geschwelgt', zwang sich die angehende Dottora dann ihren bereits eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Sie hatte Rahjada ja zugesagt, sie beim Tempel abzuholen. Und die Delegierte Auricanius', ihre Nachnachfolgerin auf dem Stuhl mit dem Wappen des Barons von Cindano im Edlenhaus, wenn man so wollte, verdiente es, dass sie pünktlich war. Obwohl sie sie erst auf der langen Fahrt aus der Hauptstadt hierher besser kennengelernt hatte, hatte sie an der jungen Dame aus der urbasischen Familie Solivino schon viel Gefallen gefunden.


Autor: VanHoven

Was für ein Schlamassel, gerade jetzt, jetzt wo es mit den van Hoven bergauf ging – ein Platz im Lilienrat, der Manufaktur ging es gut, konnte es nicht so weitergehen? Ucian blickte aus dem Fenster der kleinen Kutsche. Der Kaiser hatte gerufen und es war Pflicht, vielleicht aber konnte Ucian der Pflicht etwas abgewinnen – ein kleines Geschäft hier oder da.

Auf der Straße der Erwartung

Autor: Gonfaloniere

Schon zum zweiten Mal an diesem Tag sah sich Istirde in einer bestimmten Erwartung getäuscht: Dass ihr das Durchschreiten eines weiteren Portals nämlich Gelegenheit zum Verschnaufen gewähren würde. Der relativ kleine Hof der Torburg zwischen der Zwingerstadt und dem eigentlichen Sangreal war zum Bersten gefüllt gewesen, da jetzt der halbe Adel des Reiches Einlass in die kaiserlichen Gärten zu begehren schien. Die kaiserlichen Wachen an den Toren waren deshalb bestimmt verdoppelt worden, um kontrollieren zu können, dass kein Unbefugter in dieser für das Reich so bedeutenden Stunde in Bereiche vordringen könnte, die ihm besser verwehrt blieben. Es hatte sich merklich gestaut …
Und doch schien sich die Dichte der dem in der Ferne aufragenden Purpurpalast entgegenstrebenden Würdenträger hier – auf der langen Straße der Erwartung – kaum verringert zu haben. Dabei war es jedem, der kein Hochadliger war, an diesem Tag etwa gar nicht mal gestattet wie sonst mit der Prunkkarosse bis zum Hof der Herrscher vorzufahren. Den wenigen Kutschen – allesamt Achtspänner, soweit Istirde es mitbekam – die sich hier doch noch zwischen die Patrizier und Geweihten drängten, wurde darum überwiegend umso eilfertiger Platz gemacht. Wer vermochte schon zu sagen, ob er sonst nicht vielleicht der Gräfin Bethanas oder dem Herzog von Grangor den Weg versperrte!
„Selbst hier geht die Weitläufigkeit des Sangreals an diesem Tag beinahe unter“, hielt sich die Urbeterin an ihre jüngere urbasische Begleiterin.
Von ihren – zwei, mehr waren es nicht – vorherigen Besuchen in der kaiserlichen Palaststadt hatte Istirde Rahjada bereits ein wenig erzählt. Der erste lag dabei über zehn Götterläufe zurück, als sie in ihrer eigenen Delegiertenzeit im Kronkonvent einmal Teil einer kleineren Gesandtschaft zum Hofe gewesen war. Beim zweiten, einige Jahre später, war sie einer Einladung des Comto Seneschalls gefolgt, als sie ihn durch ihre Mitarbeit am Almanach de Bomed kennengelernt hatte. Die Schilderung der schier unbeschreiblichen Größe und Weitläufigkeit der kaiserlichen Palastanlagen hatte sie sich dennoch eigentlich für diesen Moment aufgehoben, da Rahjada sie selbst erst begreifen könnte. Tatsächlich war es Istirde, die wohl erst jetzt begriff, dass die ganze Größe des Sangreals für ein Ereignis wie dieses entworfen wurde.
„Der breite Weg zu unseren Füßen wird übrigens die 'Straße der Erwartung' genannt.“
Sie lachte auf.
„Einen passenderen Namen hätte man ihr gerade heute wohl kaum geben können …“


Autor: Erlan

Hofft noch auf eine spezielle Antwort: Erlan Sirensteen

Auch Erlan Sirensteen folgte der Straße der Erwartung. Im Vorbeigehen hörte er immer wieder Gesprächsfetzen. Da war die Rede von der 'Ehre des Reiches' und einer endlich gebotenen Antwort. Er verlangsamte seinen Schritt, als er unter den Wartenden ein ihm aus Vinsalt bekanntes Gesicht entdeckte und den Gruß erwiderte.
“Habt ihr vernommen, ob es endlich Kunde von den Boten gibt?“, fragte er höflich.
Noch während er auf eine Antwort wartete, hoffte er, dass irgendwo doch noch Worte ankommen und gewechselt werden würden.

Begleitet Erlan: Sewamunds Lilienherrin Dimiona della Carenio

Autorin: Carenio

Dimiona della Carenio, Lilienherrin der Stadt Sewamund, ging an der Seite von Erlan Sirensteen, mit dem sie gemeinsam zum Sangreal gereist war. Ihre wachen Augen wanderten von rechts nach links und zurück. Sie versuchte die Stimmung zu erkunden, Gesprächsfetzen aufzuschnappen und bekannte Gesichter wiederzuerkennen. Es war unglaublich, wie viele dem Ruf des Horas gefolgt waren. Als Erlan einen Bekannten traf und nach den Boten fragte, die Kunde vom Raulschen Reich bringen sollten, lauschte sie interessiert der Antwort.
Zum Kronkonvent in Vinsalt war Dimiona persönlich angereist, anstatt sich wie sonst üblich von einem Delegierten vertreten zu lassen. Schließlich hatte nichts Geringeres auf der Tagesordnung gestanden als die Beratung darüber, ob man dem Horas empfahl, gegen das Mittelreich in den Krieg zu ziehen. Schon bei den Beratungen im Lilienrat der Stadt waren die Diskussionen hitzig gewesen. Die Befürworter wie die Gegner einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den Truppen Kaiserin Rohajas hatten sich ihre Argumente nicht immer beherrscht und gemäßigt in der Lautstärke an den Kopf geworfen. Nicht anders war es im Haus der Edlen gewesen.
Nun warteten alle Delegierten gespannt darauf, wie Khadan II. Firdayon auf die Forderungen der beiden Häuser des Kronkonvents reagieren würde und wie seine Entscheidung letztlich ausgefallen war.