Briefspiel:Die Halle der Wappen

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Travia 1045 BF Schauplatz: Firdayon-Palast zu Vinsalt Entstehungszeitraum: September 2022
Protagonisten: Cordovan von Marvinko und Auricanius von Urbet Autoren/Beteiligte: Gonfaloniere


Die vorliegende Briefspielgeschichte Die Halle der Wappen handelt von einem Besuch des Praios-Geweihten Auricanius von Urbet bei seinem (sehr) entfernten Vetter Cordovan von Marvinko, dem Comto Seneschall des Horasreichs, im Firdayon-Palast zu Vinsalt.

Vinsalt im Travia 1045 BF

„Werter Vetter, lasst uns nicht länger von diesen Dingen sprechen.“
Der Comto Seneschall machte eine Pause, in die auch der Praios-Geweihte sich nicht hineinzureden getraute. Schwungvoll setzte der Comto eine letzte Signatur auf dem Stapel vor ihm liegender Dokumente, legte den Federkiel dann zur Seite und klappte die lederne Dokumententasche, die den Stapel umfasste, mit einem erleichterten Gesichtsausdruck zu.
„Wisst ihr“, fing Cordovan, sich nun entspannt in seinem Amtssessel zurücklehnend, wieder zu sprechen an, „ich kann mich erinnern, euch einmal ein Versprechen gegeben zu haben. In Methumis, wenn ich mich recht entsinne, als wir uns über die Genese der aurelassischen Heraldik unterhalten haben. Ich versprach, euch die Halle der Wappen hier im Schloss zu zeigen. Die Gelegenheit ist da.“
Mit einem einladenden Lächeln erhob er sich und machte eine Geste in Richtung des Korridors, aus dem sein Besucher die Amtsstube vor etwas mehr als einem halben Stundenglas betreten hatte.
Auricanius zögerte nur kurz, da er sich eingestehen musste, dass er sich an dieses Detail ihrer damaligen Unterredungen in der Universität ohne die Gedankenstütze des Comtos gar nicht mehr erinnert hätte. ‚Natürlich, da war ja was …‘, kramte er die Erinnerung dann wieder hervor und schälte sich ebenfalls aus seinem Sessel.
„Ihr seht mich erstaunt, Comto, nicht weil ich euch für wortbrüchig hielte, keineswegs. Mehr weil ich mich selbst kaum an ein solches Versprechen entsinnen kann. Aber wenn ihr die Güte haben solltet, mich ins Allerheiligste der Wappenkunst unseres Reiches einzulassen, wäre mir dies eine ungeheure Ehre.“ Dabei deutete er eine Verbeugung an.
„Wohlan, Monsignore, folgt mir …“

Rangkrone
Wappen

Das Baronswappen Cindanos


Kurze Zeit später führte der Comto seinen Gast durch einen Saal, den dieser bereits kannte. Es war der Saal der Gesandten, der letzte Warteraum vor dem Geheimen Gelass des Kronrats. Das zögernde Verweilen des Geweihten machte auch Cordovan darauf aufmerksam.
„Wart ihr hier schon?“
„Bei einem früheren Besuch, ja. Für eine Weile.“
„Warum?“
„Weil ich der Amtsgehilfin damals sagte, dass ich auf Einladung des Kronrats hier bin, also eigentlich von euch … nur verstand sie das wohl als auf Einladung des gesamten Kronrats.“
„Ach, war das die Gelegenheit, zu der wir uns verpassten? Als ihr euch so sehr verspätet hattet?“
„Ich fürchte ja.“
„Wie lange habt ihr hier damals gesessen?“
„Fast sechs Stunden, glaube ich.“
„Im Ernst? Und wer hat euch dann empfangen?“
„Der Großsiegelbewahrer und die Schatzkanzlerin … die hatten am Ende eine Unterredung mit einigen der Kronsekretäre, in die ich vorgelassen wurde. Erfreut waren die nicht, mich zu sehen …“
Ein verschmitztes Grinsen Cordovans war dessen einzige Antwort auf die Anekdote, ehe er eine weitere Tür öffnete.
„In der Rotunde wart ihr aber noch nicht?“, fragte der Comto, während sich vor ihnen eine gewaltige kreisrunde Halle auftat.
„Ähm … Nein.“ Dem Geweihten war das Staunen ob des vor ihm liegenden Saals deutlich anzumerken.
„Macht euch schon einmal vertraut damit, denn wenn ihr erstmal Wahrer seid …“, deutete Cordovan zwinkernd nur an, dass der höchste Praios-Geweihte des Horasreichs an regelmäßigen Zusammenkünften hier teilnahm.
„Praios bewahre!“ Auricanius machte eine abwehrende Geste.
„Kein Interesse?“, hakte sein Gegenüber nach.
„Vor einigen Monaten war ich noch nur Dozent und mit überschaubarer Inquisitionstätigkeit gesegnet. Das hatte was für sich, wie mir in den letzten Wochen sehr deutlich wurde.“ Schnellen Fußes lenkte der Geweihte seine Schritte durch den Saal, als wollte er sich gar nicht erst mit den Andeutungen des Comtos befassen.
Cordovan öffnete amüsiert eine Tür, die sie aus dem Zentrum der Macht wieder herausführte. Linkerhand betraten sie gleich danach einen Salon, der von einem großen Gemälde beherrscht wurde, das einen Magier bei der Abwehr geisterhafter Schiffe vor der Kulisse einer Hafenstadt zeigte.
„Das richtige zu tun, ist oft beschwerlich“, kommentierte der Comto gleichermaßen das zuletzt Gesagte wie das vor ihm Abgebildete.
Auricanius wusste sofort, worauf er anspielte, das Opfer Argelions nämlich, der in den Magierkriegen Methumis durch Auszehrung seiner arkanen Gabe vor einem Angriff von Geisterschiffen bewahrt hatte. Es bestand kein Zweifel, dass genau diese Heldentat hier künstlerisch in Szene gesetzt wurde. Er erwiderte jedoch erstmal nichts und folgte seinem Schlossführer eine schmale Wendeltreppe hinauf.
„Jetzt sind wir gleich da“, brach erneut Cordovan das Schweigen. „Das hier ist übrigens die Tür zum Mezzanin mit den Gästegemächern, in denen ich euch hätte unterbringen können, wenn es euch beim Wahrer nicht doch so gut gefiele.“
„Habt Dank, aber ich bleibe im Dormitorium auf dem Tempelberg“, winkte Auricanius pflichtschuldig ab. „Da fühle ich mich eher heimisch.“
„Ganz wie ihr wollt“, grinste der Comto, bevor er nur wenige Treppenstufen weiter die letzte Tür vor ihrem Ziel öffnete. „Den Genuss, direkt unter dem Allerheiligsten, wie ihr es selbst nennt, zu nächtigen, lasst ihr euch dadurch aber entgehen …“


Die Halle der Wappen mit ihren Darstellungen der Schilde hunderter Adelsfamilien des Horasreichs verschlang die Aufmerksamkeit des Geweihten für eine ganze Weile, ehe es dem Comto Seneschall, der auch Erster Wappenkönig war, endlich gelang, wieder zu seinem Gast durchzudringen.
„Im Nebenraum befindet sich noch das Archiv, Monsignore.“ Cordovan schien genau zu wissen, wie er den Besucher ködern musste. „Wenn ihr mir eben folgen wollt, zeige ich euch gerne, wo etwa die Wappenurkunden der im Albornsburgfrieden geschaffenen Baronstitel verwahrt werden.“
Auricanius sah seinen entfernten Vetter ungläubig an, beeilte sich dann aber ihm zu folgen.
„Das hier sollte die besagte Schublade sein, wenn ich mich nicht täusche.“ Dabei zog er eines von unzähligen Schubfächern aus einer ganzen Wand derselben. „Richtig!“ Er schien selbst überrascht zu sein, sie mit dem ersten Versuch bereits gefunden zu haben. „Hier ist die Urkunde für Montarena. Und hier die für Cindano.“ Er hielt die Urkunde dem zukünftigen Träger des Titels entgegen. „Darunter die Signatur und das Siegel Urras‘, meines verehrten Vorgängers.“ Die letzten Worte unterstrich er mit einem einzelnen Zwinkern, da sie beide sehr genau wussten, wie sie aus dem Malurer den Vorgänger gemacht hatten.
„Aber ganz ehrlich, ich hätte eurer Linie dieses Wappen so nicht genehmigt. Gegengeschuppter Schild? Wer hat sich das denn damals ausgedacht? Und warum?“
Auricanius fixierte den Comto für einen Augenblick und schien abzuwägen, ob er diese Fragen beantworten wollte.
„Werter Vetter, entschuldigt bitte, aber das sind Dinge, von denen ich heute nicht zu sprechen gedenke. Die Zeit … und überhaupt … ihr wisst schon. Der Horas wartet nicht …“

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