Briefspiel:Plötzlich Delegierte/Treffen in Vinsalt IX

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Frühjahr 1046 BF Schauplatz: Urbasi, Cassiena, Vinsalt Entstehungszeitraum: Sommer 2025 bis Frühjahr 2026
Protagonisten: Rahjada, Traviane und Rahjalin Solivino, Auricanius von Urbet u.w. Autoren/Beteiligte: Bella, Gonfaloniere
Zyklus: Übersicht · Rahjadas Brief · Besuch im Tempel · Von einem Monsignore zum anderen · In der Villa Ricarda I · II · III · IV · V · Auricanius' Einladung · Treffen in Vinsalt I · II · III · IV · V · VI · VII · VIII · IX


Treffen in Vinsalt - Teil IX: Ausklang

Denkt zurück und voraus: Auricanius von Urbet

Auricanius strich nachdenklich mit zwei Fingern über den oberen Rand des vor ihm auf dem Tisch stehenden Weinglases. Der Abend war fortgeschritten, das Spiel – der vordergründige Höhepunkt – längst zu einem Ende gekommen. Um ihn herum scherzten seine Gäste miteinander. Vor allem Rahjalin schien sein Lachen wiedergefunden zu haben.
'Manche Wunden heilen doch', dachte er … und wusste dennoch, dass es längst nicht alle taten. Panthino, sein Vorgänger als Baron und Hausherr des Palazzettos, hatte seine Verluste aus der Feuernacht nie verwunden. Preciosa, die in derselben Nacht schwer versehrte Witwe seines älteren Bruders, hatte sich danach auch für immer verändert.
Auricanius dachte aber nicht nur zurück, sondern auch voraus – und fragte sich, was ihn auf seiner bevorstehenden Reise durchs Mittelreich wohl alles erwarten würde. In Dalias etwa. Vor allem aber an der Trollpforte, wo dem ganzen Kontinent vor einem Vierteljahrhundert seine vielleicht größte Wunde gerissen wurde. Er machte sich auf vieles gefasst … und glaubte dennoch nicht, wirklich vorbereitet zu sein auf das, was ihm bevorstand.
„Monsignor“, riss ihn eine ihm wohlbekannte Stimme aus seinen Gedanken. Sie gehörte seiner Delegierten, der dienstälteren der beiden.
Praialissa lächelte ihn fast zaghaft, vielleicht auch mitfühlend an.
„Monsignor, ich muss mich leider verabschieden … bevor ich morgen meinen Dienst im Tempel verschlafe.“
Auricanius erhob sich. „Natürlich. Es hat mich sehr gefreut, dass du überhaupt die Zeit gefunden hast darüber.“
Er verbeugte sich tief vor der Turaniterin. Dann sah er sich um – wie es um seine verbliebenen Gäste stand.

Erleichtert und dankbar: Rahjalin Solivino

Rahjada stand mit Elissa etwas abseits, die beiden jungen Frauen lachten. Näher bei Auricanius sprachen Rahjalin und Abelmir inzwischen über Bildhauerei. Irgendwie waren sie wohl von ihrem anfänglichen Thema, der Opernkunst, abgeschweift.
Rohalion hatte sich nicht mehr blicken lassen, seit Auricanius ihm Zutritt zur Bibliothek gegeben hatte.
Jetzt hob der Rahja-Geweihte den Blick und lächelte Auricanius an. Nachdem er sein Gespräch mit Abelmir beendet hatte und Abelmir sich zu den Damen begab, ging er wie zufällig auf den Praiosgeweihten zu.
„Wie kann ich dir jemals danken?“, fragte Rahjalin mit gesenkter Stimme, wieder in die vertraute Anrede wechselnd.
Er schaute hinüber zu den jungen Leuten, die herumalberten, als wären sie wieder Jugendliche ohne jede Verantwortung. Es war schon spät, längst war das Eis durchbrochen und der Wein hatte sein Übriges getan.
„Sie … natürlich geht es nicht von heute auf morgen, aber wir sind auf einem guten Weg. Und das alles dank dir. Sie vertraut dir, und ich sehe warum.“

„Ich vertraue ihr, erwiderte der Praios-Geweihte. „Und wenn ich nicht geglaubt hätte, dass sie tief in sich ebenfalls das Verlangen nach der Aussöhnung mit dir hat …“
Er machte eine kurze Pause, sah dem Rahja-Geweihten dann direkt in die Augen.
„Ich hätte dich gar nicht erst zu diesem Abend eingeladen.“
Es hörte sich für Auricanius wie ein Geständnis an, das er mit einem Lächeln nur überspielte. Doch er erinnerte sich in diesem Moment an sein Gespräch mit Rahjada in den Gärten auf dem Tempelberg. Und er meinte, was er ihr dabei gesagt hatte: Sie war seine Priorität.
„Ich hatte in Methumis, an der Universität, machte er einen Abstecher in die Vergangenheit, als wolle er über seine vielleicht überaus harte Ehrlichkeit zuvor hinwegspringen, „etliche Studiosi in meinen Kursen. Und ich habe versucht, ihnen allen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, wenn sie es brauchten … und wollten. Mit manchen von ihnen schreibe ich … mal mehr, mal weniger regelmäßig … immer noch Briefe hin und her. Abelmir ist einer davon.“
Er sah dabei auf den jungen Mann, der sich angeregt mit Rahjada und Elissa unterhielt.
„Mit Rahjada ist es anders. Also wir schreiben uns natürlich auch, schon wegen der ständig neuen Entwicklungen im Kronkonvent, über die sie mich ja auf dem Laufenden halten soll. Aber es ist … an der Oberfläche gar nicht mal so … persönlich. Und doch glaube ich bei ihr häufig mehr auch zwischen den Zeilen herauszulesen als bei allen anderen. Es ist schwer in Worte zu fassen, warum mich ihr Werdegang so viel mehr bewegt …“
Auricanius schüttelte leicht den Kopf, als wolle er sich dadurch klarere Gedanken verschaffen.
„Ich hoffe jedenfalls, dass es nicht nur an ihrem Vornamen liegt … und daran, dass es derselbe wie der meiner Nichte ist …“
Ein rasches Zwinkern schien diesen letzten Gedanken als Ironie zu entlarven. Dann lächelte er Rahjalin wieder an und hob das Weinglas, um ihm zuzuprosten.
„Auf die Rahjadas, die uns wichtig sind!“


Der Spieleabend, oder inzwischen die Spielenacht, neigte sich dem Ende zu. Elissa tauschte Adressen mit Rahjada aus und sie verabredeten sich zu dritt mit Abelmir zu einem Theaterbesuch – Abelmir hatte darauf bestanden, da er immer mit seinen Freunden in die Oper gehen musste, nur weil es für ihn und seine Begleiter ermäßigte Preise gab.
Rahjada umarmte Elissa und dann Abelmir fester, als sie sich verabschiedeten.
So waren nur noch die beiden Solivino und Auricanius übrig, sowie ein gewisser junger Nandus-Geweihter …

„Aufwachen, Schlafmütze!“
„Nandus' Strohsack! Wie spät ist es?“ Rohalion schreckte auf, blinzelte schlaftrunken. Er war da, wo er am liebsten war. Umgeben von Büchern, diesen unvorstellbaren Schätzen. Rahjada stand vor ihm und lachte ihn aus. Dabei hatte er doch nur ganz kurz die schweren Lider geschlossen, seinen Kopf auf einen Buchstapel gelegt …
„Es ist sehr spät, oder sehr früh, was du lieber möchtest. Abelmir und Elissa sind gerade gegangen. Auricanius hat mich beauftragt, dich zu holen. Er möchte nicht, dass irgendwann eine arme Dienerin von deinen sterblichen Überresten zu Tode erschreckt wird, glaube ich.“
Sie kicherte.
Rohalion gähnte. „Sag mal, bist du betrunken?“
„Wie? Nein. Ich hatte höchstens drei Gläser. Als ob eine Solivino davon betrunken werden könnte“, empörte sie sich.
„Eine Soli…“ Er musterte sie von oben bis unten. Etwas war anders. Nicht nur, dass sie sich gerade zum ersten Mal in seiner Anwesenheit eine Solivino genannt hatte, nein, sie wirkte so viel … glücklicher, als wäre ein Gewicht von ihren Schultern genommen worden, von dem niemand geahnt hatte, dass es da war. Er stand auf, lächelnd.
„Du hast dir meinen Rat zu Herzen genommen.“
Rahjadas Lächeln verschwand nicht, ohne weitere Worte zog sie ihn in eine Umarmung.
„Ich bin so froh. Du hast das Richtige getan, den Weg des Glücks eingeschlagen.“ Er unterdrückte noch ein Gähnen. „Wusstest du, dass es hier eine ganze Biographie der Tharinda von Marvinko gibt?“
„Nein.“ Sie musste wieder kichern und löste sich von ihm. „Komm jetzt. Vielleicht kannst du mal wiederkommen, wenn ich ein gutes Wort für dich einlege.“
„Das wäre toll. Und diese Tafelbergfestung würde ich gerne einmal aufsuchen, das dortige Archiv, den Grabtempel …“
Sie zog ihn kopfschüttelnd aus der kleinen Bibliothek. Er warf erneut einen Blick auf diese leicht veränderte Rahjada. Rohalion nahm sich vor, sein früheres Waisenhaus bald wieder zu besuchen. Nicht nur, um den Kindern die andere Hälfte der Kusliker Schriftzeichen beizubringen, sondern auch und vor allem, um eine bestimmte wundervolle, warmherzige Travia-Geweihte wiederzusehen.