Briefspiel:Von altem Bund und neuem Fried'/Vom Ende einer Fehde

Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Ingerimm 1045 BF bis Travia 1047 BF Schauplatz: Urbasi Entstehungszeitraum: ab März 2026
Protagonisten: Azzo Silbertaler d.J., Gylduria Deraccini u.v.w. Autoren/Beteiligte: Rhutkles, Giacobbo, Bella
Zyklus: Übersicht · Vom Rat der Einheit · Renovatio · Von zarten Banden I: Im Palio und Carroccio · II: In den Fluren des Magistrats · III: In den Gassen und Stuben · Das Gesuch · Vom Ende einer Fehde · Der Vertrag · Vom Werben der Familien I: Solivino · II: di Salsavûr · III: Dalidion · IV: ya Malachis · Treffen der Eheleute · Die Verlobung · Palio und Censore-Wahl · Die Vermählung · Die Sikramer Schildwacht berichtet

14. Rondra 1046 BF, Palazzo Sathÿara

Autoren: Rhutkles, Giacobbo

Das Präludium

 
Spielstätte in Urbasi.

Durch geschickte Inszenierung saßen die Familien am 14. RON 1046 BF im Theatro Alverano in Sicht- und Hörweite. Die Darstellung heroischer Kampfesszenen, dramatischer Monologe und der endlosen Sterbeszene der Heldin war dem eher durchschnittlichen Ensemble geschuldet.

Nach aller Vorbereitung kam es nach der Aufführung des Festpiels zu Ehren der Heiligen Lutisana zum persönlichen Treffen der Delegationen zwischen Gylduria sowie Selina und Alvaro Deraccini einerseits, und Azzo d.J., Alessandro und Giulia Silbertaler andererseits.

 
Hofft Vitius auf einen Bund?

Das gesamte erste Geschoss des Palazzo Sathÿara war in Beschlag genommen, im Hauptraum ein schwerer Verhandlungstisch, eine Sitzecke hier, ein Tischchen mit Tee, Wein und Gebäck da. Für das beauftragte Nachtmahl zur 1. Praiosstunde war der vierte Raum vorbereitet. In den Nebenräumen waren Rückzugsorte für die Delegationen eingerichtet, jeweils mit zwei Schreiberinnen aus der eigenen Klientel.

 
Der Cavalliere bangt um seinen Lebensstil.

Am Treppenaufgang waren, als Geste der Ehrhaftigkeit, die beiden Verteidiger der Familien, der jüngere Vitius Deraccini und der ältere Cavalliere der Fürstlichen Gemeinde Urbasi Ludovigo Silbertaler, versammelt - beide ledig und bangend oder hoffend, drinnen im Interesse der Familien verramscht zu werden.

1. Akt

Gylduria nippte an ihrem Tee und besah sich ihr Gegenüber genauer. "Geehrter Azzo, ich freue mich, dass wir die Gelegenheit haben uns auszutauschen." Sie ließ ihren Blick über die anwesenden Silbertalers schweifen. "Und wie mir scheint, ist Euch dieses Treffen... wichtig genug, um nur die ehrenhaftesten Mitglieder Eurer Familie mitzubringen." Sie nickte den Anwesenden Alessandro und Giulia zu und nippte ein weiteres Mal an ihrem Kräuteraufguss. "Was mich allerdings etwas verwundert, ist die Vehemenz, mit der Ihr eine Aussöhnung unserer Familien vorantreiben wollt." In der kurzen Pause war Selinas leises Räuspern zu vernehmen. Mit einem kurzen Seitenblick zu ihrer Tochter fuhr Gylduria fort: "Doch bitte, mein Alter fordert bereits den ein oder anderen Tribut... helft mir auf die Sprünge... worum ging es noch genau bei der Fehde zwischen unseren Familien?" Gylduria schien Azzo mit ihren Blicken zu durchbohren. ‘Es war immer klar, es würde nicht einfach werden’, dachte der hochgewachsene, ewig lächelnde Hotelier. Bei der anfänglichen Etikette noch nickend, wurden sein Herz und sein Gesicht kurz betrübt, als Gylduria so zügig auf den Kern kam. Er fasste sich sofort und eröffnete. “Bei Praios und Travia, hochverehrte Gylduria, Ihr ehrt unser Treffen mit den ehrenvollsten Signori Eurer Famiglia. Meine Mutter, Praios halte sie selig, hätte nach jedem Winkelzug gesucht, jedes Wort auf die Silberwaage gelegt und nur Falsch´ gefunden. Und auch heute, ich gestehe es, gilt mir das Hämmern dieser Epoche des Zwiespalts nicht einfach aus dem Sinn, so verwurzelt ist sie in uns Lebenden. Die Fehde unserer Familien hat diese über mehr als 6 Jahrzwölfte gelähmt. Aus den ehemals machtvollsten, reichsten und einflussreichsten sind, wie von Satinavs Hörnern dahin gemahlen, zwei Familien unter vielen geworden - gemessen an diesen punti. Doch versteht mich nicht falsch, unsere Fehde war stets honorig und schmückt uns immerdar. Kein Tropfen edlen Blutes ist vergossen worden. Doch geblutet haben wir dennoch - economicamente. Selbst dies aber wäre keine motivazione an sich zu beenden, was uns lähmt.” Er atmete durch und hielt dem durchdringenden Blick mit sanftem Ausdruck stand. “Unseren Stolz hätte kein Mitglied unserer Familien missen lassen und wir hätten aufrecht den Untergang unserer Häuser hingenommen, wenn die tradizione es gebietet. Ihr fragt nach meinem Beweggrund. So will ich gestehen, es ist die Liebe und die Verantwortung für unsere Heimatstadt, die mich antreibt. Die letzten anderthalb Jahrzwölfte haben den Untergang alter Familien gesehen und den Aufstieg neuer; vor allem aber verrottende Sitten, bis heute brennende Narben inmitten der Stadt, Mord und Totschlag abseits von Ehre, Betrug und Ausverkauf, ein Ungleichgewicht der Mächte zum Schaden von Handel und Wohlstand. Man meuchelt Götterdiener und hilflose Schutzbefohlene nach Vorbild noch grausamerer Herrscher. Kurzum, man sah die Absenz des Rechtes. Und unsere Familien waren zum Zuschauen verdammt, weil wir unsere Kräfte auf eine Fehde richteten, deren Ursprung auf Mußmaßung steht. Aber wenn Ihr es wünscht mich zu zwingen oder der Stolz Eurer Famiglia Euch zwingt, dass ich die Schuld eingestehe …” Ein scharfes Lufteinziehen von Alessandro, eine begütigende Hand von Giulia, von beidem ließ sich Azzo nicht abhalten und sprach ruhig und freundlich weiter. “... ja, die Schuld eingestehe, dass nach dem gewaltsamen Tode meiner Vorfahrin die Verbitterung übermächtig gewesen sein mag und der Signor, Sohn seiner Mutter, dem Nachnachfolger den Triumph der Alleinherrschaft nicht zugestehen wollte. Ich mag all dies und den Bruch der ewigen Bande, den unsere Familien sich geschworen hatten, eingestehen, die Chronica unserer Famiglia öffnen und die uneindeutigen, rätselhaften Schriftstücke vorlegen. Ich mag es eingestehen, wenn nur endlich wieder Ordnung, Sitte und Ehre, wenn die Tugenden und das Recht in unserer geliebten Bergstadt wieder Richtmaß werden. Denn dazu darf sich nicht weiterhin die Hälfte Urbasis gegenseitig Verträge und Zugänge, Handel und Beziehungen erschweren und verunmöglichen. Dazu will ich den alten Bund erneuern, glanzvoll dem Wohlstand zugewandt, gleichsam eine Wiedergeburt und Erhöhung unserer Ehre.” Azzos grüne Augen leuchteten, langsam strich er das kurze blondgraue Haar hinters Ohr zurück. Er streckte die Finger nach dem Silberkelch voll Wein, trank aber noch nicht, sondern betrachtete die Frau ihm gegenüber.


2. Akt

Dramatische Wendung

Ausklang