Briefspiel:Kaiserjagd/Ein fettes Huhn
Ein fettes Huhn
2. Firun 1046 BF, am Vormittag, im Hügelland östlich der Kusmaraburg
Autorin: Nebelzweig
Fran nahm Baltrir die Fessel ab, ließ ihre Haube aber noch auf. Das Wetter war kalt, aber klar. Ein wunderschöner Tag für die Beizjagd. Der Efferdaser hielt sich am Rand der Jagdgruppe auf, ein gutes Stück von dem Pulk um den Horas entfernt, während er auf das Signal zum Loslassen der Vögel wartete. Die Hunde verschwanden im Gebüsch und verteilten sich ruhig, um das Wild nicht aufzuscheuchen. Es waren echte Onjaro-Bracken, wundervolle Hunde, was dieser Meute wahrscheinlich den Wert eines mittleren Schlosses gab.
Dann gab die Falconiera Seiner Majestät das Signal.
Fran entfernte die Haube und hob den Arm. Seine Falkendame schwang sich in die Luft und gesellte sich zu dem schnell größer werdenden Vogelschwarm über ihnen. Auf ein weiteres Signal brachen die Hunde aus dem Gebüsch. Die Vögel flohen in Richtung des Waldes, aber da stand die Jagdgesellschaft. Rebhühner, Wachteln und einige Fasane. Fran spannte sich im Sattel an, als sein Blick auf einen großen, prächtigen Hahn viel. Der sollte es sein.
Baltrir fiel zielsicher wie ein Pfeil aus dem Himmel. Im letzten Moment breitete sie die Flügel aus und reckte die Krallen nach vorn. Aber der Fasan hatte sie bemerkt und schlug hektisch einen Haken um ihr zu entkommen. Mit einem Satz und viel Geflatter suchte er Schutz in einem Ginsterbusch. Nur hatte er die Rechnung ohne die Hunde gemacht. Einer von ihnen stürzte sich in den Busch und der Vogel floh wieder hinaus. Die Falkendame erwartete ihn schon. Diesmal entwischte er ihren Krallen nicht.
Als sie auf seine Faust zurückkehrte, lobte Fran sie ausgiebig und einen Happen zu essen gab es auch. Dann verkappte er sie wieder. Sein Lächeln wurde noch breiter als eine Jagdhelferin mit seiner Beute erschien. Der Fasan wog knapp anderthalb Stein und besaß herrliche Schwanzfedern.
Gut gelaunt ritt er dann in Richtung der Hauptgruppe um ein bißchen mit seiner Beute anzugeben. Er bekam einige anerkennende Blicke, aber er war nicht der einzige, der gute Beute gemacht hatte.
Ein dicker Mann in aufwendiger Kleidung schnaubte leicht: „Gegen die Beute des Culming ist dieses schlanke Huhn nicht eben herausragend.“
Vielleicht lag es an dem Jagderfolg … oder daran, dass er gegen die Kälte heute morgen einen Schluck getrunken hatte, aber Fran schoss die Röte in die Wangen. Baltrir, die immer noch auf seiner Faust saß, sträubte das Gefieder, als sie die Unruhe ihres Herren spürte. Er wusste, das er eine sehr gute Beute gemachte hatte.
„Dieses Huhn ist fast so fett wie ihr“, antwortete er spitz. Sein Gegenüber bedachte ihn mit einem eisigen Blick. Auf einmal war es sehr still.
Um noch einen Rest Würde zu wahren, wendete Fran hoch erhobenen Hauptes sein Pferd und ritt davon. Wenn der Andere ihn fordern wollte, konnte er es ihm auch nachrufen.
„Habt ihr gerade Herzog Cusimo fett genannt?“, fragte ein leicht entsetzter junger Adliger, an dem er vorbei ritt.
Herzog? Frans Magen zog sich zusammen. Es blieb nur zu hoffen, dass Seine Hoheit nicht das beste Gedächtnis hatte ...