Briefspiel:Von altem Bund und neuem Fried'/Von zarten Banden III

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Ingerimm 1045 BF bis Travia 1047 BF Schauplatz: Urbasi Entstehungszeitraum: ab März 2026
Protagonisten: Azzo Silbertaler d.J., Gylduria Deraccini u.v.w. Autoren/Beteiligte: Rhutkles, Giacobbo, Bella
Zyklus: Übersicht · Vom Rat der Einheit · Renovatio · Von zarten Banden I: Im Palio und Carroccio · II: In den Fluren des Magistrats · III: In den Gassen und Stuben · Das Gesuch · Vom Ende einer Fehde · Der Vertrag · Vom Werben der Familien I: Solivino · II: di Salsavûr · III: Dalidion · IV: ya Malachis · Treffen der Eheleute · Die Verlobung · Palio und Censore-Wahl · Die Vermählung · Die Sikramer Schildwacht berichtet


Von zarten Banden III - In den Gassen und Stuben

Mitte Praios 1046 BF, in Urbasi Autoren: Rhutkles, Giacobbo

Gehört von jeher zu den Gemäßigten in der Fehde: Alvaro Deraccini

In den folgenden Tagen erreichten zuerst kleinere Aufmerksamkeiten die beiden Palazzi der Familie Deraccini und, vice versa, den der Silbertaler: kleine Schalen, gehämmerte und kunstvoll ausgesägte Blüten.

Sofia Silbertaler kalkuliert die Gewinnmöglichkeiten, die aus dem Ende der Fehde resultieren.

Sofia zog häufiger als ohnehin schon üblich Alvaro zu ihren Kalkulationen hinzu. Ausdrücklich hypothetisch verhandelten die beiden Finanzexperten die Kosten der Fehde und ihrer Lösung.

Die umfangreiche Klientel wurde in den regulären Audienzen subtil indoktriniert, die Bedingungen für die jeweils andere Familie maßvoll zu lockern …

Kleinere Einladungen zu Spaziergängen von Familienmitgliedern wurden ausgesprochen und Freundlichkeiten ausgetauscht, nur zwei Mitglieder führten ihr kleines Gefecht weiter …


Vitius bog auf die Piazza del Grano ein und betrachtete sich das Treiben. Es war Markttag und die Stände der Händler boten allerlei Nahrungsmittel an.

Eine Gruppe Kinder kam auf ihn zugelaufen und blieb aufgeregt vor ihm stehen. "Ser Vitius, Ser Vitius! Sie ist dort drüben!", sagte ein kleines Mädchen und zeigte aufgeregt in eine grobe Richtung. Von sich selbst überzeugt und mit stolz geschwellter Brust standen die Kinder da und schauten Vitius erwartungsvoll an. Er betrachtete den Haufen verdreckter kleiner Kinder, zog seine Geldkatze aus der Tasche und verteilte einige Münzen. "Dies sollte genügen für die Hilfe der erlauchten Gesellschaft?" Ein Junge biss auf die Münze und hielt sie gegen das Licht der hoch stehenden Praiosscheibe. "Es war uns wie immer eine Ehre, Ser Vitius. Und vergesst nicht... wann immer Sie die Hilfe der Jungs aus der Bäckerstraße benötigen..." Ein Tritt traf den Jungen am Schienbein. "... ähm... ich meine natürlich der Jungs und dem einen Mädel aus der Bäckerstraße... sie wissen, wo sie uns finden können." Vitius verbeugte sich mit einem Schmunzeln und ging in die angezeigte Richtung.

Vitius Deraccini zieht bewaffnet in den Kampf.

An einem Stand blieb er kurz stehen, griff sich etwas aus der Auslage, hielt es zu dem Händler hoch zum Zeichen der Kaufabsicht und warf ihm eine Münze zu. Der Händler verabschiedete Vitius freundlich und rief ihm nach: "Beehrt uns bald wieder, Ser Vitius!"

Nach kurzer Zeit hatte er sein Ziel gefunden und anvisiert. Vitius reduzierte seine Geschwindigkeit und hielt sich dicht hinter einer jungen Dame. "Signora, ich fragte mich, ob Ihr bereits Fortschritte gemacht habt im Umgang mit der Sikrami", sagte er mit gedämpfter Stimme während er von hinten eine ansehnliche Wurst in das Blickfeld von Simiarea Silbertaler schob.

"Man sagte mir, ich solle 'rein zufällig' mit Euch durch die Stadt flanieren... absolut unverbindlich versteht sich", sagte Vitius und dankte den Göttern, dass die Sikrami nicht sofort den Weg auf seinen Schädel fand.

Die Signora prüfte oberflächlich die ersten Feldfrüchte und schwatzte mit der Bauersfrau, wobei sich der Redeanteil fast vollständig vor der Auslage hielt. Als dann auch noch der Bewaffnete, die Sikrami schwingend, hinzu trat, gingen der Bäuerin erst die Augen über und sie fing unvermittelt zu prusten an.

“Sguuschi, sguuschi”, versuchte sie sich unter Tränen einzukriegen. Simiarea schloss die Augen, öffnete sie wieder und betrachtete das berühmteste Fleischerei-Erzeugnis des Aurelats. Sie drehte sich ganz langsam zu Vitius um und blieb (wenn auch mühsam) bierernst, selbst als unter der armen Bäuerin die Holzsteige, auf der diese Zuflucht gesucht hatte, zusammenbrach.

Simiarea ist nicht gewillt, sich kampflos geschlagen zu geben.

“D i e s habt Ihr zu verantworten, Signore. Vielleicht versucht Ihr es das nächste Mal mit Obst.” Die Signora warf noch einen vielsagenden Blick auf die Sikrami, dann an Vitius herunter und wieder herauf. Herzhaft biss sie der Möhren in ihrer Hand krachend das Ende ab und entfernte sich raschen Schrittes.

Er ging um den Marktstand herum und half der armen Bäuerin wieder auf die Beine. "Signora, erlaubt Ihr mir, den von mir verursachten Schaden zu begleichen?", sagte er und zeigte mit der Sikrami auf den zerbrochenen Schemel. "Und könntet Ihr mir eventuell berichten, welche Art von Obst Signora Silbertaler bevorzugt?"

“Spotte nich´, hoh´Err. Ne Zinnora binnich nich´. Mamich ein´nfach, ehrbar´ Weib mittem Acker, gut´s P´rain hilf.” Sie wuchtete sich an der Hand des Edelmanns wieder nach oben. “Scho rechttan, mirn Sterzen ´prellt, wennam lacht drübers hoh´Errschafts. Sguuschi, d´hoh´Err warschu lustisch, wie d´hoh´Err mitter Wurscht scho g´wedelt ham.”

Eine alte Marktfrau gibt L(i)ebensweishheiten zum Besten.

Sie kicherte wieder in sich hinein, rieb sich dann aber die Backen und schaute zu den Überresten der Steige hinunter. “Desch alt´Ding is´ nich´ mehr.” Sie schaute Vitius dann verschwörerisch an und senkte die Stimme. “Wenns Edelfrauschaft g´winn´ willscht, brauscht kein´ köschtlisch Wurscht. Un´ wennsche früh´ Birn´ un´ Beer´n mach, de Zinnora, kann d´hoh´Err nich´ einfach Birn´ und Beer´n ge´m. Dann brauscht Gaul un´ Karr´n, son hübsch´n un´ sisch was denk´n fürde Bellisma.”

Sie klopfte sich den Staub von den Kleidern. Am Nachbarstand bemäkelte ein Küchenjunge aus einem Patrizierhaus die Ware. Die Bäuerin beendete die Weitergabe ihrer einfachen Lebensweisheiten und widmete sich dem Verkauf, indem sie dem Jungen ihre eigenen Möhren anzupreisen begann.

In Vitius Ohren klingelte nur: “das nächste Mal.”