Briefspiel:Kaiserjagd/Unter gleichen Reitern: Unterschied zwischen den Versionen

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== Unter gleichen Reitern ==
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Dann setzte er sein Pferd wieder in Bewegung. Timor folgte. Und diesmal lag zwischen ihnen keine Distanz mehr, die allein durch Stand bestimmt war.  
Dann setzte er sein Pferd wieder in Bewegung. Timor folgte. Und diesmal lag zwischen ihnen keine Distanz mehr, die allein durch Stand bestimmt war.  


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Aktuelle Version vom 12. April 2026, 19:33 Uhr

Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Bella, Carenio, Cassian, Dajin, Dellapena, Erlan, Flaviora, Fürst Federkiel, Gerberstädter, Gonfaloniere, Horasio, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Nebelzweig, OrsinoCarson, Princeps, Rondrastein, Salkyo, Savinya Romeroza, Schatzkanzler, Silberwind, Temelon, Tribec, Vairningen, VivionaYaPirras u.w.

Zyklus:
Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche


Unter gleichen Reitern

5. Firun 1046 BF, früher Morgen vor dem Zelt von Timor d'Antara

Autor: Fürst Federkiel

Der Morgen nach dem Bankett lag kühl und klar über dem Schlosshof von Mortecervis. Der Schnee vom Vorabend war nicht geschmolzen, sondern hatte sich über Nacht zu einer festen, knirschenden Decke verdichtet. Dünner Rauch stieg aus den Schornsteinen, und Bedienstete eilten bereits geschäftig zwischen den Gebäuden umher. Timor d’Antara hatte den frühen Stunden den Vorzug gegeben. Nicht aus Pflicht — sondern aus Gewohnheit. Wer sich unterhalb der großen Namen bewegte, lernte schnell, dass der Morgen oft mehr Möglichkeiten bot als die lauten Abende. Er stand nahe der Pferde, die für die heutige Jagd vorbereitet wurden, als sich Schritte näherten — fest, selbstbewusst, begleitet vom leichten Klirren von Sporen.

„Signor d’Antara.“

Timor wandte sich um. Cavalliere Potulino della Dorradezza stand nur wenige Schritte entfernt, in einen schweren Mantel gehüllt, der trotz seiner praktischen Funktion nicht ganz verbergen konnte, dass sein Träger Wert auf Wirkung legte. Für einen kurzen Moment musterte er Timor — dann zog sich ein erkennendes Lächeln über sein Gesicht.

„Ich dachte mir doch, dass ich euch hier wiederfinden würde.“

Timor neigte höflich den Kopf.

„Cavalliere. Ihr ehrt mich.“

Potulino winkte leicht ab, trat näher heran.

„Nein, nein — ich habe ein gutes Gedächtnis für Männer, die wissen, wovon sie sprechen.“

Er legte den Kopf leicht schief.

„Und noch besser für jene, die es wagen, es auch auszusprechen.“

Ein Hauch von Zustimmung lag in seiner Stimme — weniger hitzig als am Vorabend, dafür… prüfender.

„Eure Worte gestern“, fuhr er fort, „haben mir gefallen. Nicht viele hätten in dieser Runde so klar Stellung bezogen — schon gar nicht in einem Zelt, das halb Rahja und halb Traviagewidmet war.“

Timor ließ sich ein kleines, kontrolliertes Lächeln entgleiten.

„Ich fürchte, ich habe eher euch beigestanden als Stellung bezogen.“

„Bescheidenheit ist eine Tugend“, entgegnete Potulino trocken, „aber sie steht euch nicht besonders gut.“

Ein kurzer Moment verstrich, in dem nur das Schnauben eines Pferdes und das Klirren von Zaumzeug zu hören war. Dann trat der Cavalliere einen halben Schritt näher.

„Sagt mir, Signor d’Antara…“

Seine Stimme senkte sich leicht.

„Habt ihr immer so viel Vertrauen in die alten Ordnungen — oder nur dann, wenn es euch nützt, sie zu verteidigen?“ Keine offene Provokation. Aber eine Prüfung. Timors Blick blieb ruhig.

„Ich habe Vertrauen in das, was Bestand hat“, antwortete er schließlich.

„Und Misstrauen gegenüber dem, was zu schnell Beifall findet.“

Potulino hielt seinem Blick stand — und dann, ganz langsam, nickte er.

„Gut gesprochen.“

Er trat wieder zurück, die Spannung löste sich.

„Die Jagd wird heute zeigen, wer von uns nur reden kann — und wer auch handelt.“

Ein leichtes Schmunzeln.

„Vielleicht reiten wir ein Stück gemeinsam. Ich würde unser Gespräch gern… fortsetzen.“

Timor verbeugte sich leicht.

„Das wäre mir eine Ehre, Cavalliere.“

Potulino drehte sich bereits halb ab, hielt dann aber noch einmal inne.

„Ah — und Signor d’Antara?“

Timor hob den Blick.

„Ich vergesse selten Gesichter.“

Ein kurzes, fast verschwörerisches Lächeln.

„Und noch seltener Überzeugungen.“

Dann wandte er sich endgültig ab und ging auf die wartenden Jäger zu. Timor blieb einen Moment stehen. Dann straffte er seinen Mantel — und ließ sich eiligst sein Kaltblut-Pferd bringen und folgte.

Der Ritt

Der Ritt begann in gemessenem Tempo. Die Jagdgesellschaft zog sich noch auseinander, sammelte sich in kleinen Gruppen, während Diener letzte Anweisungen gaben und Hunde unruhig an den Leinen zerrten. Über allem lag diese eigentümliche Mischung aus Kälte, Erwartung — und unausgesprochenem Wettbewerb. Timor ritt an Potulinos Seite, ein wenig hinter ihm zunächst, wie es der Stand gebot. Doch der Cavalliere verlangsamte sein Pferd bewusst, bis sie auf gleicher Höhe waren.

„Nun, Signor d’Antara“, begann er, den Blick nach vorn gerichtet, „ich hoffe, ihr reitet ebenso gut, wie ihr sprecht.“

Ein Hauch von Spott — aber nicht ohne Wohlwollen. Timor erwiderte ruhig:

„Ich bemühe mich, in beidem nicht vom Pferd zu fallen.“

Ein kurzes, überraschtes Auflachen entkam Potulino.

„Gut. Sehr gut.“

Für einige Augenblicke ritten sie schweigend weiter. Der Schnee knirschte unter den Hufen, Atem dampfte in der kalten Luft. Dann wurde Potulinos Ton wieder ernster.

„Ihr habt gestern von Travia gesprochen, als sei sie mehr als nur Symbol. Als sei sie… gegenwärtig.“

Er warf Timor einen Seitenblick zu.

„Das tun viele. Aber nur wenige glauben es wirklich.“

Timor ließ sich Zeit mit der Antwort.

„Vielleicht“, sagte er schließlich, „weil viele nur dann an die Götter denken, wenn es ihnen nützt.“

Er atmete einmal sichtbar aus.

„Ich hatte gestern keinen Nutzen davon.“

Potulino hob eine Augenbraue.

„Ach?“

Timor nickte leicht.

„Ich war am Rand eines zugefrorenen Seitenarms. Das Eis… war trügerisch.“

Ein kurzer Blick nach unten, als würde er den Moment noch einmal durchleben.

„Ich bin eingebrochen.“

Potulino sagte nichts mehr. Seine Aufmerksamkeit war nun vollständig bei Timor.

„Das Wasser war kälter, als ich es für möglich gehalten hätte“, fuhr dieser ruhig fort.

„Und schwer. Schwer wie ein Versprechen, das man nicht mehr brechen kann.“

Ein kurzer Atemzug.

„Ich wäre nicht mehr herausgekommen.“

Jetzt lag keine Ironie mehr in Potulinos Gesicht.

„Und dann?“

Timor hob den Blick.

„Dann kam eine Gans.“

Ein Moment Stille. Potulino blinzelte.

„…eine Gans.“

„Ja“, bestätigte Timor ruhig.

„Sie war zuvor nicht dort gewesen. Und sie hätte keinen Grund gehabt, dort zu sein.“

Ein kaum merkliches Lächeln.

„Aber sie war laut genug, unruhig genug — und hartnäckig genug, half mir aus dem Eis heraus zu kommen .“

Potulino schwieg eine ganze Weile.

Dann schnaubte er leise.

„Wenn ihr mir das vorgestern im Zelt erzählt hättet, hätte ich euch für einen Rahjajünger mit Sinn für Dramatik gehalten.“

Timor ließ das stehen.

„Und heute?“

Potulino zog die Schultern leicht hoch.

„Heute halte ich euch für einen Mann, der Glück hatte.“

Ein kurzer Seitenblick.

„Oder für einen, der gut darin ist, Bedeutung in Zufälle zu legen.“

Nicht abwertend. Aber vorsichtig. Timor nickte.

„Beides schließt sich nicht aus.“

Gerade als Potulino darauf antworten wollte, näherte sich von der Seite eine kleine Reitergruppe. An ihrer Spitze: ein junger Mann mit wachem Blick, in schlichter, aber hochwertiger Kleidung. Kein übertriebener Prunk — doch die Haltung verriet sofort, dass er es nicht nötig hatte, sich zu beweisen.

„Cavalliere della Dorradezza“, grüßte er knapp.

„Euer Hochgeboren“, erwiderte Potulino mit sichtbarem Respekt. Dann wandte sich der Neuankömmling Timor zu — und musterte ihn einen Moment. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Signor d’Antara.“

Timor blinzelte kurz — dann neigte er den Kopf, diesmal mit ehrlicher Wärme.

„Baron Midor ya Ulpeggio.“

„Ich hätte nicht erwartet, Euch hier so früh zu treffen.“

Midor winkte ab.

„Die besten Gespräche finden statt, bevor alle zuhören.“

Sein Blick glitt zwischen den beiden Männern hin und her.

„Und ich sehe, ich komme gerade rechtzeitig, um eines zu stören.“

„Nicht stören“, entgegnete Timor ruhig. „Bereichern.“

Ein kurzes, zufriedenes Nicken Midors.

„Das hoffe ich.“

Er ließ sein Pferd neben ihnen einschwenken, ganz selbstverständlich zwischen den beiden — ohne dabei den Eindruck zu erwecken, jemanden zu verdrängen.

„Worum ging es?“

Potulino verzog leicht den Mund.

„Um Gänse“, sagte er trocken.

„Und Wunder.“

Midor hob eine Augenbraue — dann sah er Timor an.

„Dann erzählt.“

Und Timor tat es. Noch einmal, kürzer diesmal, aber nicht weniger klar. Als er geendet hatte, blieb Midor einen Moment still. Dann nickte er langsam.

„Die Zwölfe wirken selten dort, wo man sie erwartet.“

Sein Blick wurde nachdenklich.

„Und noch seltener so, dass es allen gefällt.“

Potulino schnaubte leise.

„Oder so, dass es sich beweisen lässt.“

Midor lächelte leicht.

„Das ist selten ihre Absicht.“

Er wandte sich Timor wieder zu.

„Ich bin froh, dass Ihr noch unter den Lebenden weilt, Signor d’Antara.“

Ein kurzer Moment ehrlicher Wärme.

„Das Reich kann sich Männer mit klarer Stimme schlecht leisten, zu verlieren.“

Potulino zog leicht die Stirn kraus — nicht widersprechend, aber… abwägend.

„Ihr kennt Euch gut?“, fragte er.

„Genug“, antwortete Midor ruhig.

„Besser, als es meinem Stand zustehen würde“, fügte Timor mit einem Hauch Selbstironie hinzu.

Midor schüttelte leicht den Kopf.

„Stand ist ein Werkzeug“, sagte er ruhig.

„Kein Maßstab für Wert.“

Ein Satz, der bewusst gesetzt war. Potulino sagte nichts — doch sein Blick verriet, dass er ihn nicht einfach überging. Die Jagdhörner erklangen in der Ferne. Die Gespräche verstummten langsam.

Midor richtete sich im Sattel auf.

„Nun“, sagte er ruhig, „sehen wir, ob heute mehr als Worte Bestand haben.“

Ein letzter Blick zwischen den dreien.

Dann setzte sich die Gruppe in Bewegung.

Und diesmal ritten sie nebeneinander.

Der Jagdtag geht zu Ende

Der Jagdtag hatte seinen Höhepunkt längst überschritten. Die Sonne stand tief über den verschneiten Hügeln, ihr fahles Licht brach sich in den kahlen Ästen und ließ den Schnee in matten Goldtönen schimmern. Die Jagdgesellschaft zog sich langsam auseinander, erschöpft, zufrieden — oder zumindest bemüht, diesen Eindruck zu erwecken. Hunde wurden zurückgeführt, Beute gesichtet, erste Stimmen des Abends mischten sich bereits in die klare Luft. Etwas abseits, wo der Trubel nachließ, ritten Timor d’Antara und Baron Midor ya Ulpeggio noch nebeneinander. Potulino hatte sich vor einiger Zeit anderen Adligen angeschlossen — nicht unhöflich, aber doch mit jener feinen Distanz, die seiner Natur entsprach. Eine Weile schwiegen die beiden Männer. Dann zog Timor die Zügel leicht an und ließ sein Pferd langsamer werden. Midor tat es ihm gleich, ohne dass ein Wort nötig gewesen wäre.

„Euer Hochgeboren“, begann Timor schließlich.

Sein Ton war ruhig, doch diesmal lag etwas Bewussteres darin — etwas, das über das übliche höfische Gespräch hinausging.

„Erlaubt mir eine persönliche Bemerkung.“

Midor wandte leicht den Kopf.

„Ich höre.“

Timor richtete sich ein wenig auf.

„Die Familie d'Antara…“

Ein kurzer Atemzug.

,,Familie d'Antara zollt Euch Achtung, Baron ya Ulpeggio.Wir hörten von Euren großherzigen Taten in Linneth. Das Austeilen von kostenlosen Suppen an die Versehrten und Bedürftigen ist nicht selbstverständlich. Doch ob Großherzigkeit oder einfache Hilfsbereitschaft, Ihr erfüllt das Bild eines ,,Integer nobilis" (Perfekter Adliger) und das lässt uns glauben. Aber mehr noch. Euer Schwur den alten Konflikt zu überwinden, Frieden zu stiften und die Wunden zu heilen...".

Ein leiser Wind strich über das Feld, ließ die Mäntel leicht flattern.

Midor schaute überrascht und ließ sich mit der Antwort Zeit. Sein Blick lag ruhig auf Timor — prüfend, aber nicht kühl. Dann nickte er langsam.

„Das sind Worte, die nicht leicht gesprochen werden“, sagte er schließlich. „Und noch seltener ehrlich.“

Ein kaum merkliches Lächeln trat auf seine Lippen.

„Ich nehme sie so an, wie sie gemeint sind.“

Er wandte den Blick kurz nach vorn, wo sich die Jagdgesellschaft sammelte.

„Der Friede, den man schwört, ist leicht“, fuhr er fort.

„Der Friede, den man hält…“

Ein leises Ausatmen.

„…kostet mehr.“

Dann sah er wieder zu Timor.

„Wenn Euer Haus das erkennt, dann stehen wir vielleicht näher beieinander, als es unsere Namen vermuten lassen.“

Ein kurzer Moment — keiner pathetisch, keiner überladen. Aber echt. Timor nickte.

„Vielleicht“, sagte er ruhig.

In der Ferne erklang erneut ein Hornsignal — der endgültige Abschluss des Jagdtages. Midor richtete sich im Sattel auf.

„Kommt“, sagte er.“

Dann setzte er sein Pferd wieder in Bewegung. Timor folgte. Und diesmal lag zwischen ihnen keine Distanz mehr, die allein durch Stand bestimmt war.