Briefspiel:Kaiserjagd/Bankett in Mortecervi I

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Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Bella, Carenio, Cassian, Dajin, Dellapena, Erlan, Flaviora, Fürst Federkiel, Gerberstädter, Gonfaloniere, Horasio, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Nebelzweig, OrsinoCarson, Princeps, Rondrastein, Salkyo, Savinya Romeroza, Schatzkanzler, Silberwind, Temelon, Tribec, Vairningen, VivionaYaPirras u.w.

Zyklus:
Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche


Bankett in Mortecervi I – Ein besonderes Arrangement

4. Firun 1046 BF abends, im Jagdlager zu Mortecervi

Autoren: Amarinto, VivionaYaPirras

Valerio ya Pirras

In mehreren Kohlebecken glühten die Kohlen und schenkten wohlige Wärme, die nach oben aus den Luftöffnungen im Zeltdach verschwand. Valerio ya Pirras und seine Frau Nissara hatten sich in ihr großes Empfangszelt begeben, um dort ihren Besuch zu empfangen. Nach den letzten Tagen in den Wäldern und den immer schlechter gewordenen Bedingungen, war die Wärme eine wahre Wohltat. Etwas Ruhe und Frieden vor dem Sturm, der kommen wird.
Ein Hausdiener brühte gerade frischen Tee auf und servierte etwas Gebäck, was Nissara mit einem dankbaren Nicken quittierte.
Nachdem er beiden eingeschenkt hatte und sich langsam aus dem Zelt entfernte, ergriff Nissara das Wort. “Sie wird es nicht so einfach hinnehmen.”
"Ich weiß. Sie hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Auf der Universität, dem Weg nach Corden und ihre Anstellung in Sewamund.”
“Du hast ihr nie etwas abschlagen können.”
Valerio lächelte und nahm die dargebotene Tasse Tee entgegen.
“So einfach habe ich es ihr aber nicht gemacht. Aber nun ist es an der Zeit, an das Wohl des Hauses zu denken.”
“Wie wahr, mein Lieber. Die Verhandlungen mit dem Haus Malur waren auch alles andere als einfach.” Nissara nahm einen Schluck. “Aber ich denke, mit einem für beide Seiten annehmbaren Ergebnis.”


Die Plane zum Vorzelt wurde zur Seite geschlagen und ein Schwall kühler feuchter Luft folgte Orleane ya Pirras in das Zelt. Sie zog ihren Kapuzenmantel aus, der mit frisch gefallenem Schnee bedeckt war, und reichte diesen an den Hausdiener. Danach trat sie auf ihre Eltern zu, nahm erst ihre Mutter und dann ihren Vater in den Arm.
Besorgt blickte Nissara ihre Tochter an.
“Du siehst nicht gut aus, Kind”, bemerkte Nissara.
Orleane wirkte müde. Sie hatte Augenringe, die sie versucht hatte mit Schminke zu übertünchen. Ihre Hände zitterten leicht und ihr Lächeln wirkte aufgesetzt.
“Es ist alles in Ordnung, Mutter. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend und auch das Wetter war sehr, nun ja, wechselhaft.”
“Du solltest dich hinlegen.”
“Nein, nein. Es geht schon. Ich verbringe sowieso schon so wenig Zeit mit euch und es klang dringend.”
“Dann setz dich wenigstens.”
Nissara führte Orleane zu einem der Sessel in der Nähe eines Kohlebeckens, drückte sie fast schon hinein und holte ihr eine Tasse Tee.
Orleane nippte an der Tasse und die warme Flüssigkeit erwärmte ihr Inneres. Ein Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht.
“Weswegen wir dich haben rufen lassen”, begann Valerio. “Wir wünschen, dass du heute bei dem Bankett an unserem Tisch Platz nimmst und nicht bei deinem Dienstherrn.”
“Aber natürlich, Vater.”
“Und wir werden einen Gast an unserem Tisch haben. Cavalliere Berytos von Malur. Er wird zu deiner Linken sitzen.”
Orleane nippte wieder an ihrem Tee. “Wenn dem so ist, Vater. Dann entschuldigt mich bitte, aber ich möchte mich für diesen Anlass angemessen kleiden und zurechtmachen. Schließlich soll die wohl zukünftige Braut einen guten Eindruck machen. Es ist mir im Klaren, dass ihr diese Gelegenheit, umgeben von so vielen adeligen Junggesellen, nutzen wollt um nach einer passenden Partie für mich zu suchen. Die Andeutungen in euren letzten Schreiben waren nicht zu überlesen. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass ich im Moment keinen Gedanken daran hege, Sewamund zu verlassen. Vielleicht solltet ihr euer Augenmerk auch danach richten. Viele Veränderungen stehen dort bevor, politisch wie auch in Adelskreisen.”
Sie ließ ihre Worte wirken und trank ihren Tee aus. Danach erhob sie sich und schritt zum Vorzelt.
“Ihr entschuldigt mich.”
Sie verabschiedete sich mit einem Lächeln.
Als die Zeltplane sich hinter ihr senkte, blickten sich Valerio und Nissara an.
“Meine Liebe, wann ist unsere Tochter so vernünftig und einsichtig geworden?”, sprach Valerio überrascht.
“Ich weiss nicht, ob das Vernunft und Einsicht ist, Liebster. Sie war so anders als sonst. Ich kann dir nicht sagen warum, aber ich mache mir Sorgen.”


Orleane ya Pirras

Orleane ging schweren Schrittes durch das Zeltlager. Sie zog ihren Kapuzenmantel enger. Der Schneefall nahm immer weiter zu und verwandelte die Wege zwischen den Zelten in matschige Rutschfallen. Vorsichtig setzte sie jeden Schritt und war trotzdem in Gedanken versunken. Sie nahm kaum wahr, dass sie den Eingang zum kleinen Zeltlager der Amarinto passierte, den Gruß der beiden Gjalsker Söldner, Harrkara Orkwürger und Mhorginach dem Schlächter, überhörend. Als sie aufblickte, stand sie vor ihrem eigenen Zelt, oder besser gesagt vor ihrem Zelt, denn sie teilte es sich mit ihrer Freundin, der Magierin Corvona di Bellafoldi.
Diese saß in dem Zelt vor einer Staffelei und malte. Auch hier spendeten Kohlebecken eine wohlige Wärme. Orleane hatte inzwischen das Zelt betreten, ihren Mantel abgelegt und näherte sich der Künstlerin.
“Dies war aber ein kurzes Gespräch mit der Familie”, bemerkte Corvona und vollendete gerade das Geweih eines Hirschen mit einem eleganten Pinselstrich.
“Mein Vater kam, wie gewohnt, schnell zum Punkt”, antwortete Orleane.
“Und der wäre?”
“Ein Traviabund.”
“Das hast du ja schon vermutet.”
“Aber es gibt jetzt einen Favoriten.”
Corvona verharrte mit dem Pinsel in dem Geäst eines Baumes. Bevor ein zu großer Tropfen Farbe die Stelle ruinieren könnte, vollendete sie den Pinselstrich. Unbewusst den Pinsel immer noch in Hand haltend, stand sie auf und wandte sich Orleane zu.
“Und wer ist der Glückliche?”, fragte sie die Dottora.
“Du tropfst."
Mit einem leisen Fluch legte Corvona den Pinsel zur Seite.
“Cavalliere Berytos von Malur.”
“Der junge Mann, den du aus Methumis kennst und den du auf dem Erleuchtungsfest zufällig wiedergesehen hast?”
Orleane lachte auf. “Von wegen zufällig. Es war alles von langer Hand geplant.”
“Aber …”
Orleane winkte ab. “Nicht jetzt Corvona. Ich brauche etwas Ruhe.”
Besorgt schaute die Maga ihre Freundin an. “Geht es dir wieder nicht gut?”
Anstelle zu antworten ging Orleane in ihr Separee. Sie öffnete ihre Reisekiste und holte einige Beutel hervor. Wieder zurück im Hauptzelt schritt sie die Kohlebecken ab und warf in jedes eine Handvoll des Inhalts aus einem der Beutel. Als sie damit fertig war, ging sie auf Corvona zu und ließ sich in den Arm nehmen.
“Ich glaube, das war etwas zuviel Mohn, Orleane.”
“Nein, davon kann es nie zuviel sein." Und dann begann sie zu weinen.


Orleane hatte sich für ein schwarzes Samtkleid entschieden. Einen warmen und edlen Stoff mit einem hohen Kragen und feiner Spitze am Rand sowie an den etwas weiter auslaufenden Ärmeln. Schlicht, ohne Verzierungen und als einzigen Schmuck ihr Amulett mit dem Zeichen des Raben an einer Kette um ihren Hals. Die Haare hatte sie mit Hilfe von Corvona hochgesteckt und sie hatte ihr auch beim Schminken geholfen. Ihre Finger zitterten noch zu sehr, seit ihrem Gefühlsausbruch, über den sie kein weiteres Wort mehr verloren hatte. Corvona hatte auch nicht hinterfragt, sondern stillen Trost gespendet.
Auch Corvona hatte sich bereits umgezogen und ihre blassblaue Prunkrobe mit den silbernen Stickereien angezogen. Wie Orleane, würde sie das Bankett nicht am Tisch ihres Dienstherren Platz nehmen, sondern am bei ihrer Tante Oleana di Bellafoldi, der Baronin von Ruthor, und deren Haushofmeister, ihrem Onkel Answin.


Berytos von Malur

Vor dem Zelt der beiden Frauen hatte der Schnee inzwischen eine dünne, knirschende Decke über die Bretterstege und den schlammigen Boden gelegt. Fackeln und Kohlepfannen kämpften gegen die Firunskälte an, doch der Wind strich immer noch scharf zwischen den Reihen der Zelte hindurch und zerrte an Planen, Bannern und Mänteln. Harrkara Orkwürger stand mit verschränkten Armen vor dem kleinen Zeltlager des Hauses Amarinto, breitbeinig wie ein Tor aus Fleisch und Fell. Neben ihr lehnte Mhorginach der Schlächter an einem Pfosten, die Hände lose an seinem Gürtel, der Blick träge, aber wachsam. Beide hatten sich in schwere Pelze gehüllt, unter denen die Rüstungen hervorblitzten. Sie wirkten, als seien sie weniger zur Bewachung eines Jagdlagers als zur Belagerung einer Festung abgestellt worden.
In diese Szenerie trat Cavalliere Berytos von Malur, als hätte er sich auf dem Weg hierher bewusst dafür entschieden, dem Wetter, dem Lager und den Menschen darin die Stirn zu bieten, indem er einfach makellos aussah.
Sein Mantel war aus tiefschwarzem Stoff, schwer genug für den Winter, doch der Saum und die Innenfütterung schimmerten in dunklem Purpur. Darunter trug er ein Wams von feinem Schnitt, ebenfalls purpurfarben, mit schwarzen Stickereien in zurückhaltender Eleganz, dazu hohe Reitstiefel von glänzendem Leder und Handschuhe, die wohl eher für den Eindruck als für die Kälte gewählt worden waren. Das dunkle Haar war sorgfältig zurückgenommen, und in seinem Gesicht lag jene selbstverständliche Sicherheit, die bei den einen als Kultiviertheit, bei den anderen als ausgesuchte Arroganz erschien. In der Linie seiner Nase, im warmen Bronzeton seiner Haut und in der gelassenen Geschmeidigkeit seines Auftretens war die Herkunft seiner Mutter von den Zyklopeninseln kaum zu übersehen.
Harrkara stellte sich ihm in den Weg.
„Stehenbleiben.“
Berytos ließ den Blick ruhig über die Gjalskerin gleiten, von den vernarbten Händen bis zu den Zähnen, die diese beim Sprechen in ihrem merkwürdigen nordländisch und phecadisch gefärbten Horathi ein wenig zu freimütig zeigte.
„Schade“, sagte er mit vollendeter Höflichkeit. „Ich hatte gehofft, ich könnte meine Abendbegleitung überraschen.“
Mhorginach stieß ein raues Lachen aus.
„Wenn Ihr Abendbegleitung sucht, müsst ihr bei Tross suchen.“
Berytos legte seine Hand in einer demütigen Geste auf die Brust.
„Cavalliere Berytos von Malur. Ich bin gekommen, um Signora Orleane ya Pirras zum Bankett im Castello Mortecervi zu geleiten.“
Harrkara verzog keine Miene.
„Ahja? Wir nicht kennen Euch, Cavalliere. Signora hat nichts erwähnt.“
„Dann ist es gut“, erwiderte Berytos sanft, „dass ihr eurer Aufgabe so kompetent nachkommt. Es wäre fürchterlich, wenn man im Lager der Amarintos jeden einließe, der sich zwei vollständige Sätze zutraut und ordentliche Kleider trägt.“
Mhorginachs Mundwinkel zuckte. Harrkara dagegen knurrte nur leise.
„Vorsichtig, Cavalliere, wir sind aus dem Norden, aber nicht dumm. Wir verstehen Eure Ironie … und sie gefällt uns nicht.“
„Entschuldigt, ich hatte niemals vor Euch zu beleidigen.“
Für einen Moment lag Spannung in der Luft wie eine gespannte Bogensehne. Doch Berytos blieb vollkommen ruhig, und eben darin lag seine Überlegenheit. Nicht in Lautstärke, nicht in Drohung, sondern in jener gepflegten Unerschütterlichkeit, mit der manche Menschen sich durch Salons und Scharmützel gleichermaßen bewegten.
Dann neigte er leicht den Kopf.
„Meine Dame, mein Herr, ihr tut eure Pflicht. Ich ehre das. Und ich habe nicht die Absicht, euch diese Aufgabe zu erschweren. Meldet mich bei der Signora an oder vertraut auf mein Wort als Ehrenmann. Ich bitte nur darum, dass ihr dem Cavalliere Dareius Amarinto bei Gelegenheit meine besten und hochachtungsvollsten Grüße ausrichtet. Ich würde es bedauern, wenn er glaubte, ich hätte versucht mich heimlich in das Zeltlager seines Hauses zu schleichen.“
Mhorginach schnaubte belustigt durch die Nase.
„Ihr redet wie der Cavalliere Amarinto selbst.“
Harrkara musterte Berytos noch einen Augenblick, dann trat sie einen halben Schritt beiseite.
„Wir vertrauen Eurem Wort, Cavalliere.“
Berytos lächelte knapp.
„Habt meinen Dank für Euer Vertrauen.“

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