Ludovigo von Calven-Imirandi
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Ludovigo von Calven-Imirandi war das 25. Oberhaupt des Hauses Calven-Imirandi und Herr von Calven. Für seine Umtriebigkeit nach dem Thronfolgekrieg war und ist er in Yaquirien und am Sikram bekannt und berüchtigt.
Er entfesselte im Jahre 1032 BF die Landherrenhändel in der Ponterra und regierte als "Fürst der Ponterra" einige Monde absolut in Shenilo und dem weiteren Umland.
Erscheinung
Ludovigos spitzes Gesicht, nach dem er auf der Akademie in Vinsalt "der Fuchs" genannt wurde, bekam mit den Jahren rundere Züge. Mancher sagte, auch eine etwas zu große Liebe zu Bier und Wein habe daran ihren Anteil gehabt. Sein rotbraunes Haar und die rastlosen dunklen Augen gaben ihm dennoch einen Zug von Phexens Tier. Sein Gesicht ist nach der aktuellen Mode glatt rasiert.
Obwohl der Herr von Calven ein großer Freund patrizischer Prunkentfaltung war, kleidete er persönlich sich in den schlichten Farben seiner heimatlichen Tracht, dem Stil der Septimana. Gedeckte Farben (Schwarz, Braun, besonders aber Blau oder Dunkelgrün) dominierten. Was seinen Kleidern allerdings an Buntheit fehlte, machten eleganter Schnitt und (zu) teure Stoffe wieder wett. Lediglich zu hohen Feiertagen in Ausübung eines offiziellen Amtes legte Ludovigo die schlichte Junkerntracht ab und bevorzugte dann etwa weite Umhänge, Mäntel und Pluderhosen in seinen Wappenfarben. Seine Gattin, aus dem Süden des Lieblichen Feldes stammend, versuchte bis zuletzt nach Kräften, diese in ihren Augen ansprechendere Staffage zu fördern.
Werdegang
Lehrjahre und Thronfolgekrieg
Ludovigo Beryllion von Calven-Imirandi galt in Adelskreisen als charismatisch und gebildet, aber auch als großspurig und eitel. Nachdem er eine Ausbildung zu höfischen Krieger ab 1017 BF in Vinsalt absolviert hatte, ging er 1022 BF nach Urbet, um dort in rondrianischer Umgebung die Güterverwaltung zu erlernen. Hier lernte er auch den einige Jahre jüngeren Traviano von Urbet-Marvinko kennen. Darauf, im Jahre 1024 BF, berief ihn sein Vater Sigman, wie es traditionell mit den Erben des Hauses Calven-Imirandi passiert, zum Stadtvogt von Calven. Dieses Vogtamt versah er eher mit Widerstreben als mit echtem Interesse, schien ihm Calven doch recht provinziell und die Aufgabe seine Befähigung unterfordernd.
Er setzte alles daran, den Einfluss und den Ruhm seines Hauses zu mehren. Der erste große Schritt dazu war seine Hochzeit mit der Schwester Travianos im Rondra 1029 BF, der mittlerweile mächtiger Gransignore der Domäne Urbet geworden war und durch den er sich überregionale Beziehungen versprach. Der Versuch, nach Travianos Tod die Ansprüche seiner Gattin auf die Fürstenkrone von Urbasi geltend zu machen, scheiterte jedoch nach anfänglichen Erfolgen (Schlacht von Cindano). Noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere sah er in dem verstorbenen Fürsten ein großes Vorbild.
Im Thronfolgekrieg kämpfte er auf verschiedenen Schlachtfeldern als Offizier unter verschiedenen Heerführern, aber im eigenen Interesse, so im Ruthor-Konflikt bei der Zweiten Schlacht auf den Arinkelwiesen und unter Königin Salkya Firdayon bei der Befreiung von Urbet.
Der junge Herr von Calven
Es war schon bald ein offenes Geheimnis, dass Ludovigo, der sich stets schlecht mit seinem Vater verstanden hat, die Geschäfte des Hauses außerhalb der heimatlichen Landgüter schon länger weitgehend in seine Hände genommen hatte. Signor Sigman hatte sich in diese Einigung aufgrund der Einsicht gefügt, dass er nur so eine offene Spaltung des Hauses verhindern konnte. Nach dem Herzanfall des alten Signore übernahm Ludovigo dann auch offiziell die Geschäfte seines Hauses, zunächst zur Rekonvaleszenz seines Vaters, ab 1031 BF dann eigenmächtig auch dauerhaft, da eine Gesundung nicht absehbar schien.
Am 15. Praios 1031 BF wurde Ludovigo schließlich erstmals zum Gransignore von Shenilo gewählt, ein Amt, dem er mit erstaunlicher Hingabe und einigem Pflichtbewusstsein obwaltete - untypisch für sein stets fortstrebendes Gemüt. Typischer dagegen war die eigenmächtige Belehnung mit der väterlichen Herrschaft Calven und die ebenso unabgesprochene Verleihung der Herrschaft Masara an seinen Onkel und engen Vertrauten Odarin von Calven-Imirandi.
Seit seiner Wahl sandte er in unregelmäßigen Abständen Boten zu Meister Rhayodan de Porcupino an Institut der Arkanen Analysen zu Kuslik. Anfang Rahja 1031 BF reiste er schließlich selbst ohne große Bedeckung nach Kuslik, wohl auch, um über die Pfandschaft von Rigalento zu verhandeln.
Nachdem bei der erneuten Wahl zum Gransignore für das Jahr 1032 BF ein Patt zwischen ihm und seinem Konkurrenten Endor Dorén entstanden war, verzichtete Ludovigo noch wenige Augenblicke nach Bekanntwerden des Ergebnisses auf die Amtszeit und überließ dem Herrn von Sodanyo das Feld. Kurz nach dessen Amtseinführung brach Ludovigo zunächst über Helametto nach Vinsalt auf (wo er nur kurz verweilte), um schließlich auf dem Weg über seine Heimat Calven die Stadt Bethana und schließlich Horasia zu besuchen.
Politik und Handeln
Ludovigo hatte Machtgewinn und reichsweiten Aufstieg seines Hauses und seiner selbst zum Ziel seiner Politik gemacht. Moral und Frömmigkeit stehen dahinter zurück. So polarisierte Ludovigo sowohl unter der politischen Elite Shenilos als auch innerhalb seiner Familie. Einige Gegner sahen in ihm einen eigensüchtigen Vertreter alter Adelsherrlichkeit, andere wiederum fürchteten seine amoralischen, ja bisweilen hinterhältigen Züge.
Als Gransignore hatte Ludovigo sich allerdings zunächst nichts zu Schulden kommen lassen - zumindest nichts, was ihm eindeutig hätte zugerechnet werden können. Vielmehr wurde vor allem im Volk die Prunkentfaltung, unter der auch die Kassen des Hauses Calven-Imirandi leiden, meist bewundert und befürwortet.
Familienintern war Ludovigo noch wesentlich umstrittener. Während nach außen hin meist (ohne steten Erfolg) versucht wurde, das Bild einer einigen Familie vorzuspielen, ging es in den Gängen und Sälen sowohl des Palazzo Luciano als auch der anderen Residenzen oft hoch her. Auf der einen Seite standen Ludovigo und die ihn unterstützenden Odarin von Calven-Imirandi (eine Art "Graue Eminenz"), dessen Sohn Carion von Calven-Imirandi (in der Rolle eines vorrübergehenden "Kronprinzen") und Ludovigos Frau Odina, die zur obersten Güterverwalterin ernannt wurde. Während Ludovigo so seinen calvener Familienzweig einigermaßen hinter sich versammelt hat, standen auf der gegnerischen, meist konservativeren Seite das Oberhaupt des anderen Hauszweiges, Signora Desaya von Calven-Imirandi zu Imirandi und das Oberhaupt der kleinen Nebenlinie zu Bethana, Kapitana Niam von Calven-Imirandi sowie die meisten ihrer engeren Verwandten. Erst spät wagten sie ein offenes Zerwürfnis, da ihre Ressourcen dafür lange nicht stark genug erscheinen.
Ein weiteres, neueres Ziel von Ludovigos Politik war die Bekämpfung des Hauses di Bellafoldi. Nach dem Ruthor-Konflikt hatten diese als Lehensherren in seinen Augen das Haus Calven-Imirandi betrogen und schließlich schnöde vertrieben.
Die Landherrenhändel
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Stimmen aus Adel und Popolo über Ludovigo
"Den gleichen Drang, den ich in ihm verspüre, fühle auch ich, Onkel! Wenn seine Leidenschaft auch einem anderen Schlachtfeld gilt als die meine, aber sein Blick ist wie der meine doch stets in die Zukunft gerichtet. In seinen Worten erkenne ich die strenge Absicht sich selbst in den Dienst unserer Stadt zu stellen, darin gemahnt er an Benedict, den Rondra viel zu früh zu sich rief. Du sagst, er spiele mit den Wünschen des Popolo, der Jungen und der Unzufriedenen, Onkel? Ich sage, während er die Herzen der Menschen bewegt, bewegen Andere nur Figuren auf einem Brett!"
– Angrond Menaris zu seinem Onkel Tankred, im Sommer 1032/1033 BF
"Wie schrecklich habe ich gefehlt, Schwester! Nicht der Drang nach der Größe unserer Heimat war es, der ihn trieb, sondern der nach eigener Größe. Wenn ich seinen Blick in die Zukunft gerichtet sah, erblickte er in Wahrheit die Krone des Despoten auf seinem Haupt. Seine Taten verrieten nichts von gerechter Strenge, aber vieles von eitler Rachsucht. Wenn ich das Feuer in seinen Augen sah, war es da Leidenschaft oder schierer Wahnsinn? Und wahrlich, seine Worte haben die Herzen der Menschen bewegt. Doch nicht zum Guten! Er hat alte Verbündete entzweit, vergessene Feindschaften wiederbelebt und neuen Hass gesät. Wie viele der Besten sind nicht mehr unter uns, weil ich einen toten Helden in einem Wahnsinnigen gewahrte?"
– Angrond Menaris zu seiner Schwester, im Herbst 1033 BF
"Er ist mit einer Urbet-Marvinko vermählt, was will man da anderes erwarten."
- Romualdo di Salsavûr zu einem anderen Familienmitglied, Ende Efferd 1033 BF
(mit ruhiger Stimme) "Baron, so sagt nichts, diese Person ist Eurer Worte nicht würdig. Lasst mich stattdessen ein paar Worte verlieren. Bei Efferd", (schreit jetzt) "ein götterverlassener Hurenbock! Erst buhlte er um unsere Freundschaft, dann leckte er dem eklen Urbeter die Stiefel. Erst bat er für seinen Bruder um die Hand meiner Tochter, um sie dann ins Unglück zu stürzen! Erst versprach er eine große Zukunft, dann steckte er seine Stadt an! Und bei allem wagte er es noch, den Namen des Herrn Efferd - heilig! - im Munde zu führen. Sein Todestag war ein Freudentag! Fluch über ihn, möge Efferd in abweisen!"
- Gilmon Efferdion di Onerdi, Mitte 1034 BF
"Ludovigo wer!? Ich hoffe, er ist in die Niederhöllen gefahren, aber solange seine sterblichen Überreste nicht gefunden sind glaube ich nicht recht daran. Nur schade das er nicht sein Weib und sein Balg mitgenommen hat".
- Endor Dorén als er vom Tod des Ludovigo von Calven hörte...
"Größenwahn? Mein lieber Fedesco, der ehrgeizige Ludovigo wird nicht an seiner Prunksucht, seinen hochgesteckten Zielen oder seinem unbeirrbaren Willen scheitern, die ihn und sein Haus schon so weit gebracht haben! Nein... Ludovigo wird am Mangel wahrer Freunde scheitern - und vor allem dem irrigen Glauben, ihm folgten derlei Getreue in großer Zahl."
- Daryl Brahl zu seinem Vetter Fedesco, am Abend des 4. Efferd 1033 BF
"Ludovigo, Ludovigo! Er war zu exaltiert, genau das war sein Flair."
- Carisia Brahl in ihr Notizbüchlein, während ihre Kutsche durch die verkohlten Ruinen Porta Pertakias fuhr
"Ob er wirklich tot ist? Woher soll ausgerechnet ich das wissen?"
- Prätor Boronir, irritiert darüber, wie oft er diese Frage gestellt bekommt
"Das war mein letzter Besuch in Shenilo, der Abschaum in Porta Pertakia wird jedes Jahr schlimmer. Warum verdammen sie Ludovigo, der diese Pestbeule mit dem Feuer der Reinheit heilen wollte?"
- Tischgespräch in Arinken, Winter 1036 BF
Quellen
- Bosparanisches Blatt, Ausgaben 33 ("Ganz Shenilo feiert neuen Stadtherren - ganz Shenilo?", "Eine chababische Brautjagd"), 34 ("Shenilo glänzt, der Gransignore zahlt"), 35 (Stadtbeschreibung Shenilos)
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